Erinnerungsort für Burak Bektas eröffnet: „Wir werden nicht zulassen, dass die Aktendeckel zugemacht werden, bevor der Fall aufgeklärt ist“

Eine zwei Meter hohe Bronzeskulptur mit dem Titel „Algorithmus für Burak und ähnliche Fälle“ wurde gestern Nachmittag feierlich an der Ecke Rudower Straße/ Möwenweg enthüllt. Das Werk der Kreuzberger Künstlerin Zeynep Delibalta, die im vergangenen Dezember starb, wird von einer Tafel ergänzt, die an Burak Bektas erinnert, der im Alter von nur 22 Jahren am 5. April 2012 von einer bis heute unbekannten Person erschossen wurde.

Ermöglicht wurde die Einrichtung des Erinnerungs-ortes durch zahlreiche private Spenden in Höhe von rund 60.000 Euro sowie mit Unterstützung des Bezirkes Neukölln, der die gewünschte Grünfläche sowie die Expertise des Museums Neukölln zur Verfügung stellte. Auch wenn das Erreichte für alle Beteiligten ein großer Erfolg ist: Ihr eigentliches Ziel haben die Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak Bektas und ihre Unterstützer aber noch nicht erreicht. Der Enthüllung des Denkmals ging deshalb eine Demonstration zum Erinnerungsort voraus, die am U-Bahnhof Britz Süd nach Veranstalterangabe mit 700 Teilnehmern begann.

„Wir werden nicht zulassen, dass die Aktendeckel zugemacht werden, bevor der Fall aufgeklärt ist“, erklärte Rechtsanwalt Dr. Mehmet Daimagüler (r.), der die Familie Bektas seit einigen Jahren vertritt, vor der Denkmalenthüllung. „Ich sehe nicht, dass in alle Richtungen ermittelt wird. Ich vermisse Ermittlungsarbeiten in Richtung des politischen Rechtsextremismus“, fügte Daimagüler auf einem Lautsprecherwagen stehend hinzu.

Erhebliche Zweifel an der Ermittlungsarbeit der Berliner Polizei äußerte auch die Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak Bektas. Sie vermutet einen rassistischen Hintergrund der Tat nach dem Vorbild der Morde des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) und formulierte mit Verweis auf den rbb-Beitrag „Burak Bektas, der Mord an Luke Holland und eine Indizienkette“ einen handfesten Verdacht: Bei Rolf Z., der wegen des Mordes an dem Briten Luke Holland rechtskräftig verurteilt wurde, habe die Polizei einen Revolver gefunden, der ein Indiz für eine Verbindung zwischen beiden Morden sein könnte. „Eine Befragung von Rolf Z. zum Mord an Burak hat es nie gegeben, nicht einmal ob er ein Alibi hat wurde untersucht. Eine von den Tatzeugen des Mordes erbetene Gegenüberstellung wurde verweigert“, kritisierte die Initiative in ihrer Pressemitteilung vom 4. April.

Zahlreiche mit der Neuköllner Unterstützergruppe vernetzte Initiativen und Organisationen aus ganz Deutschland – wie beispielsweise die Dessauer Initiative in Gedanken an Oury Jalloh – beteiligten sich ebenfalls mit Redebeiträgen am Protestumzug, der sich allgemein gegen rassistischen und rechtsextremen Terror wandte. Wie bereits bei einer Demonstration im April 2016, auf der erstmals ein Gedenkort für Burak Bektas gefordert wurde, waren auch gestern viele Politikerinnen und Politiker von SPD, Linken und Grünen erschienen. Aktuell haben die Linke-Landesparlamentarier Anne Helm, Niklas Schrader und Hakan Tas im Berliner Abgeordnetenhaus eine Schriftliche Anfrage zum Stand der Ermittlungsarbeiten im Fall Bektas gestellt. Eine Beantwortung der Anfrage liegt noch nicht vor.

Unter dem Motto „Schluss mit dem rechten Terror! Gemeinsam gegen rechten Terror in Neukölln“ ruft das aus über 30 Initiativen, Organisationen und Parteien bestehende Bündnis Neukölln zur Demonstration am 21. April auf. Beginn ist um 15 Uhr auf dem Bat-Yam-Platz (U7 Lipschitzallee), die Abschlusskundgebung findet am Erinnerungsort für Burak Bektas (Nähe U7 Britz Süd) statt.

=Christian Kölling=

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