„Bring ein Buch, nimm ein Buch, lies ein Buch“ – Ostermontag an der BücherboXX am Herrfurthplatz

Weltweit wird am 2. April, dem Geburtstag des dänischen Schriftstellers Hans Christian Andersen, der Internationale Kinderbuchtag begangen. Weil der Aktionstag in diesem Jahr auf Ostermontag fiel, gaben einige Aktive aus der Berliner Bookcrossing-Gruppe ganz spontan eine Aktion im Internet bekannt: Sie wollten nachmittags in Neukölln an der BücherboXX auf dem Herrfurthplatz aus Andersens Märchen vorlesen und hatten zahlreiche Kinderbücher zusammen mit ein paar Osterüberraschungen für die Kinder mitgebracht. Doch statt Märchen anzuhören, wollten Kinder und Erwachsene lieber die ersten Frühlingssonnenstrahlen genießen. „Wir haben die Aktion wohl zu kurzfristig angekündigt“, räumte Jaqueline Hayden (r.) ein. Auch wenn die angekündigte Lesung mangels Publikumsinteresse ausfiel, nutzte die Bookcrosserin aber die Gelegenheit, um in der umgebauten Telefonzelle direkt vor der Genezareth-Kirche im Schillerkiez, wo gebrauchte Bücher sowohl abgegeben als auch kostenlos mitgenommen werden können, nach dem rechten zu sehen.

„Diese BücherboXX stand zunächst auf dem Tempelhofer Feld, bevor sie auf den Herrfurthplatz versetzt wurde“, sagte Hayden, die schon 2010 die Aufstellung der ersten BücherboXX am Rüdesheimer Platz in Charlottenburg-Wilmersdorf aufmerksam verfolgte: „Das Konzept der BücherboXX hat Konrad Kutt mit seinem Institut für Nachhaltigkeit für Bildung, Arbeit und Kultur entwickelt. Es hat vielfältige soziale, ökologische, kulturelle und zivilgesellschaftliche Bezugspunkte und Wirkungen.“ In Berlin sei inzwischen ein Netzwerk von mehr als 150 Akteuren rund um die 17 kostenlosen öffentlichen Buchtauschplätze entstanden. Die ausgediente Telefonzelle am Herrfurthplatz wurde unter Beteiligung von Auszubildenden der Berliner Stadtreinigung als Tauschstation umgebaut. Unter dem Motto „Bring ein Buch, nimm ein Buch, lies ein Buch“ können Bürgerinnen und Bürger hier auf einfache Weise Literatur tauschen. Auf dem Dach des Häuschens ist eine kleine Solaranlage montiert, die den Strom für die Beleuchtung des allgemein zugänglichen Bücherschrankes produziert. An einen USB-Anschluss zum Aufladen von Smartphones wurde ebenso gedacht, wie an einen deutlich an der Tür angebrachten QR-Code, der zur Webseite der BücherboXX führt.

Einige, aber längst nicht alle Bücher der Sammel-stelle, sind mit einer ID-Nummer bei der Online-Plattform Bookcrossing registriert. Dieser ID-Nummer ist zu entnehmen, wo das Buch bereits gewesen ist und ob es kommentiert wurde, sofern auf der Plattform die entsprechenden Einträge gemacht wurden. Alle, die die registrierten Bücher gelesen haben und sie nicht mehr brauchen, werden gebeten, die Bücher weiter zu geben oder sie an einen Ort zu bringen, wo sie der Nächste finden kann.

„Das ist mein Büro“, lachte Jaqueline Hayden und griff in die schwarze Stofftasche ihres Einkaufswagens auf Rädern, in der sie über ein Dutzend gebrauchte Bücher transportierte. „Kinderbücher sind in den BücherboXXen nur selten zu finden“, erklärte die Seniorin, während sie einen dicken roten Band mit Märchen von Hans Christian Andersen sowie ein großes Bilderbuch über das Märchen vom kleinen Schweinehirt, das 1975 in Ungarn herausgegeben wurde, aus ihrer Tasche zog. „Wenn Bücher in der BücherboXX stark beschädigt sind, nehme ich ich sie mit, um sie zu reparieren“, sagte Hayden und deutete auf einen Band von Karl May, an dem nur der Buchrücken abgerissen ist. Die nächsten Aktionen soll es zum Bookcrossing-Tag am 21. April sowie zum Welttag des Buches am 23. April geben. Was geplant ist? Das möchte Hayden noch nicht verraten und lieber spontan entscheiden.

Für die Betreung der BücherboXX am Herrfurthplatz hat sich eine Gruppe engagierter Menschen aus dem Schillerkiez gefunden. Ansprechpartner ist Matthias Backa von der Carl-Legien-Schule in der Leinestraße (Tel.: 0177 266 11 27).

=Christian Kölling=

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