Grenzüberschreitungen durch Kontraste und Formate

Die Welt, die Helena Hernández in die Galerie im Saalbau gebracht hat, ist schwarz-weiß. Bunte Akzente sucht man in den Tinte- und Tusche-Zeichnungen, die seit Freitag hier ausgestellt sind, vergeblich. Einzig Grauschattierungen mischen sich in die Werke der mexikanischen Künstlerin, die seit 2014 in Berlin lebt, aber nach wie vor ein Atelier in ihrer Heimat hat.

„Crossing the Line“ heißt die Ausstellung, und die Grenzen, die Helena Hernández überwindet, sind nicht nur durch Kontraste markiert. Auch bei der Auswahl der Formate sprengt die Mexikanerin die Norm, um Bewegungsabläufe konsequent zu Ende führen zu können oder Nebensächlichkeiten, skurrilen Kreaturen und winzigen, sonst eher unbeachteten Lebewesen des Stadtraums Platz zu geben. Auf langen Papierbahnen setzt sie mit naturalistisch anmutenden Tier- und Insektenzeichnungen einen Mikrokosmos in Szene oder entführt mit Skizzen, die Wimmelbildern gleichen, in fremde Welten. „Die Werke sollen für sich selbst sprechen“, sagte Helena Hernández bei der Vernissage.

Bei einigen reicht tatsächlich das bloße Hinsehen, bei anderen wiederum ist zusätz-lich eine Portion Fantasie gefordert, damit sich die Thematisierung von Existenziellem erschließt. Der Weihnachtsbaum, den Hernández in Neukölln am Straßenrand entdeckte, kommt nun als düster-surrealer, skulpturaler Schlusspunkt hinter schwarz-weißen Tannenwäldern daher. Dem Feuerlöscher, einem weiteren Objekt, ließ die Künstlerin die vertraute Farbe und verstärkt sie sogar noch durch einen roten Kinderanorak.

Die Ausstellung „Crossing the Line“ kann noch bis zum 27. Mai in der Galerie im Saalbau (Karl-Marx-Str. 141) besichtigt werden; Öffnungszeiten: Di. – So. 10 – 20 Uhr.

=Gast=