Neubritz als Zentrum des Neuköllner Kunsthandwerks

Rund 150 Kreative nehmen in ganz Berlin an diesem Wochenende an den 5. Europäischen Tagen des Kunst-handwerks teil. Neun davon sind in Neukölln anzutreffen, die meis-ten aber nicht in den Kiezen im Norden des Bezirks: Stattdessen hat sich Neubritz zum temporären Zentrum des Kunsthandwerks aufgeschwungen.

Gabriele Sawitzki ist mit ihrer Rixdorfer Schmiede zum vierten Mal dabei. Sie ist Ausstellerin und Gastgeberin zugleich und ahnt, weshalb die Teilnehmerzahl gegenüber dem Vorjahr gesunken ist und sich in Neukölln zudem alles auf wenige Orte konzentriert. Die Öffentlichkeitsarbeit der von der Handwerks-kammer Berlin organisierten Veranstaltung sei in der Vergangenheit ziemlich mau gewesen, sagt sie: „Der Aufwand für die Teilnehmer stand oft in keinem Verhältnis zu den Besucherzahlen.“ Wer nicht über eigene Netzwerke geworben hatte, musste am Ende des Wochenendes die ernüchternde Bilanz ziehen, für eine Handvoll Besucher stundenlang die Werkstatt vorbereitet und geöffnet zu haben. Aus diesen Erfahrungen hätte wohl mancher Konsequenzen gezogen. „Aber diesmal ist die Werbung sehr viel besser gelaufen“, findet die Schmiedin.

Auf einen entsprechenden Effekt in Form von mehr an Kunsthandwerk interessierten Besuchern und potenziellen Kunden hofft auch Nicola Plonz (l.), die Inhaberin von Blumen Bühne Berlin, die 2017 erstmals in Sawitzkis Werkstatt in der Bürgerstraße ausstellte. „Ich mache ausschließlich Veranstal- tungs-Floristik und habe deshalb keinen eigenen Laden, in dem ich meine Arbeit präsentieren kann“, erzählt sie. Auf einem langen Tisch zeigt sie, wie mit Kreativität und Know-how über das Zusammenspiel so unterschiedlicher Materialien wie Blumen, Sträuchern, Stahl, Porzellan und Glas festliche Tafeln dekorative Pluspunkte bekommen. Oder auch, wie Alltagsgegenstände in Kombination mit Blühendem und knospenden Zweigen als origineller Wohnraum-schmuck ein Revival erleben können.

Individualität, Kreativität und die Liebe zum Detail seien es, was das Kunsthandwerk ausmachen, sagt Gabriele Sawitzki, die mit ihren Angestellten alles von Schlüssel-anhängern und Kerzenständern bis hin zu Balkongeländern und Brandschutztüren schmiedet. Größenmäßig dazwischen liegen die Werke von Birgitta Aßhauer, die ebenfalls noch bis morgen in der Rixdorfer Schmiede ausstellt: Paravents. „Sie ist die

 

einzige Frau, die ich kenne, die eine Sandstrahlkammer im Keller hat“, bemerkt die Metallbauerin. Nicht nur um die Darstellung der Bandbreite kunsthandwerklicher Arbeit und die Stärkung des öffentlichen Interesses daran geht es bei dem Event, sondern auch um diejenigen, die in diesem Wirtschaftszweig tätig sind.

Im Rahmen der Tage des Kunsthandwerks öffnen am Wochenende in der Jahnstr. 34 – 36 artwork & illustration Margarita Wolff, Bronzen Gunkel, Felt Zeppelin und trackbag (alle Sa. 10-17 + So. 12-17 Uhr) sowie in der Bür-gerstr. 17 die Rixdorfer Schmiede, Blumen Bühne und Birgitta Aßhauer (alle Sa. + So. 10-18 Uhr).
Weitere Locations sind upcycling furniture (Sa. 11-20 + So. 11-17 Uhr, Ho-brechtstr. 54) und Silverdigger (Sa. 14-18 + So. 13-16 Uhr, Bürknerstr. 5).

=Gast=