Falsche Prioritäten und die Folgen für Neuköllner Familien

Überrascht hat es Falko Liecke nicht, dass im Bezirksamt Neukölln nun die erste Klage auf Zuteilung eines geeigneten Kitaplatzes vorliegt. In den letzten Jahren habe es seine Abteilung immer geschafft, allen Familien einen anzubieten, sagt der Neuköllner Jugendstadtrat: „Derzeit haben wir allerdings 270 Kinder auf unserer Warteliste.“ Für die Eltern bedeute das, die ganze Lebensplanung über den Haufen werfen zu müssen. Anstelle von Berufstätigkeit ist bei ihnen die Rund-um-die-Uhr-Kinderbe-treuung angesagt.

Zwar verweist der Berliner Senat auf den Neubau von 2.700 Kitaplätzen, aber, so Liecke: „Das Hauptproblem ist nicht der Bau von Gebäuden, sondern die Ausbil-dung von Fachkräften. Hunderte Plätze können schon deswegen nicht belegt werden, weil das Personal an allen Ecken und Enden fehlt. Ein Grund dafür: die weiterhin schlechte Bezahlung.“ Der Jugendstadtrat weist bereits seit 2015 auf die mangelhafte Bezahlung von Erzieherinnen und Erziehern hin. Sein Vorstoß, neuen Fachkräften eine Zulage zu zahlen, sei jedoch „2016 vom Finanzsenator unter Androhung persönlicher Haftung untersagt“ worden.

Auch die vom Senat beschlossene Gebührenfreiheit kritisiert Falko Liecke als „Fehler mit Ansage“. Erst müssten genügend Kitaplätze mit gut qualifiziertem und bezahltem Personal zur Verfügung stehen und dann könne die Gebührenfreiheit kommen: „Die falsche Prioritätensetzung des Senats fällt den Familien und Fachkräften jetzt auf die Füße.“