Theorie und Praxis bei der Kitaplatz-Suche

Einen Kita- oder Betreuungsplatz bei einer Tagesmutter zu bekommen, ist in Berlin Glückssache – obwohl Eltern für ihre Kinder seit August 2013 einen Rechtsanspruch darauf haben. Damit, dass der Weg von der Wohnung bis zur Kita oder Tagesmutter nicht fußläufig zu schaffen ist, haben sich viele Familien abgefunden. Oft führt er sie in einen anderen Kiez oder in Nachbarbezirke, zumal Kita-Gutscheine berlinweit gültig sind. Auf Unmut stößt daher die jetzt öffentlich gewordene „Praxis des Bezirksamts Friedrichshain-Kreuzberg, Betreuungsplätze vorrangig an Familien aus dem eigenen Bezirk zu vergeben“.

Friedrichshain-Kreuzberg first sei kein Motto, mit dem die Probleme in der Stadt gelöst werden könnten, sagt Neuköllns Jugendstadtrat Falko Liecke. Es gebe keine rechtliche Grundlage für Berliner Bezirke, Familien aus anderen Bezirken einen Betreuungsplatz mit Hinweis auf die angespannte Platzsituation zu verwehren. „Der Kitagutschein berechtigt zu einer bezirksüber-greifenden Platzwahl. Anderslautende Absprachen zwischen dem Bezirksamt und Tagespflegestellen sind erkennbar rechtswidrig“, so Liecke. „Ich fordere den Senat auf, das unmissverständlich klarzustellen. Diese Praxis muss unverzüglich von der Rechtsaufsicht beendet werden.“

Weiter fordert der Neuköllner Jugendstadtrat den Senat auf, Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass genügend Plätze zur Verfügung stehen; dazu sei er gemäß § 2 Absatz 1 des Kindertagesförderungsgesetzes verpflichtet. Doch der Personalmangel in den Einrichtungen steht dem entgegen. Nach Angaben des Paritätischen Wohlfahrtsverbands kämen rund 25 Prozent der Ausbildungsanfänger nicht in einer Berliner Kita an, mahnt Falko Liecke: „Allein die Abbrecherquote bei der Erzieherausbildung sollte ein deutliches Signal sein, dass die Bezahlung endlich verbessert werden muss.“

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