FAIRgabe als Chance für ein faires Berlin – gute Praxisbeispiele aus Bremen und Dortmund gibt es schon

„Gemeinsam setzen wir uns seit zehn Jahren dafür ein, dass Aufträge der öffentlichen Hand in Berlin unter Berücksichtigung ökologischer, sozialer und fairer Kriterien vergeben werden“, beschrieb Heiko Glawe, Regionsgeschäftsführer des DGB Berlin, die Aufgabe vom Berliner FAIRgabe-Bündnis. Zu der Vereinigung gehören auch der BUND Berlin, der Berliner Entwicklungspolitische Ratschlag BER, Germanwatch sowie weed Weltwirtschaft, Ökologie und Entwicklung.

Gestern Vormittag hatten sie zur Konferenz „FAIRgabe als Chance für ein faires Berlin“ ins Eine Welt Zentrum Berlin Global Village nach Neukölln eingeladen. Anlass der Konferenz: Das Berliner Ausschrei-bungs- und Vergabegesetz aus dem Jahr 2010 wird aktuell novelliert. Deshalb will das Bündnis zum einen anspruchsvolle Ziele im Gesetz verankern, deren Umsetzung in der Praxis wirksam kontrolliert werden kann. Zum anderen soll der faire Einkauf im Land Berlin und in den Bezirken grundsätzlich gestärkt werden. Im Eine Welt Zentrum auf dem ehemaligen Kindl-Gelände konnte sich auch die Neuköllner Nachhaltigkeitsbeauftragte Eva Hein über gute Praxisbeispiele aus Bremen und Dortmund informieren.

„Berlin ist bereits vorbildlich bei der umweltfreund-lichen Beschaffung“, lobte Jens Gröger vom Öko-Institut die hier geltende Verwaltungsvorschrift Beschaffung Umwelt. Christian Rickerts (M.), Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe, von dem die Veranstalter nun ähnliche Erfolge bei der fairen Beschaffung erwarten, sagte: „Ich bin begeistert, dass wir ein Vergabenetzwerk haben. Eine Konferenz wie heute ist ein Geschenk.“ Niels Winkler (r.) aus Bremen erläuterte in einer Arbeits-gruppe am Nachmittag beispielsweise, wie der nachhaltige Einkauf durch Professionalisierung, strategische Planung sowie Aus- und Weiterbildung der Beschaffungsverantwortlichen, in der Hansestadt gestärkt werden konnte. Johanna Fincke von der Christlichen Initiative Romero (CIR) hatte am Vormittag bereits über die Arbeit des Vergabe- und Beschaffungszentrums der Stadt Dortmund berichtet, das u. a. in einem Ausschreibungsverfahren für Textilien die ILO-Kernarbeitsnormen und Kriterien des Fairen Handels systematisch berücksichtige.

Die Konferenz endete mit einer Podiumsdiskussion, an der die Berliner Abgeordneten Harald Gindra (Die Linke) und Georg Kössler (Bündnis 90/Die Grünen) sowie Julia Otten von Germanwatch und Ute Müller als Sprecherin der Bierbaum-Proenen GmbH teilnahmen. Das Familienunter-nehmen, dessen Sozialstandards nach eigenem Bekunden zum Qualitätsanspruch des Unternehmens gehören, ist als Anbieter von Berufsbekleidung seit 2010 Mitglied der Fair Wear Foundation und nimmt seit 2016 am Fairtrade-Baumwoll-Programm teil.

Am 21. Februar lädt Eva Hein, die Nachhaltigkeitsbeauftragte des Neuköllner Bezirksamts, um 17 Uhr zu einem ersten Vernetzungstreffen unter dem Motto „Neukölln – fair und nachhaltig“ ins Rathaus Neukölln (Cigli-Zimmer, Raum 104, 1. OG) ein. Anmeldung und weitere Infos: eva.hein[at]bezirksamt-neukoelln.de

=Christian Kölling=