Unterschriftenaktion für längere Grünphasen einer Fußgängerampel in Britz-Süd

„Hier schafft es niemand bei Grün rüber“, schimpft ein Mann an der Fußgängerampel, die am U-Bahnhof Britz-Süd an der Einmündung der Fritz-Reuter-Allee steht, um das gefahrlose Überqueren der Gutschmidtstraße zu ermöglichen. Blinkt das grüne Ampelmännchen auf und setzen sich die Fußgänger zügig in Bewegung, springt die Lichtsignalanlage bereits nach knapp zehn Sekunden wieder auf Rot: Zu diesem Zeitpunkt haben selbst Menschen mit gewöhnlichem Gehtempo erst ungefähr die Mitte der vierspurigen Gutschmidtstraße erreicht.

„Es kam schon zu Drängeleien und verbalen Entgleisungen gegenüber Fußgängern, die es nicht bei Grün über die Straße geschafft haben“, kritisiert Christopher Förster, Vorsitzender der CDU Britz. „Gerade ältere Menschen fühlen sich unwohl, wenn sie bei Rot noch die Hälfte der Straße vor sich haben“, weiß der Politiker aus vielen Bürgerbeschwerden. Mit einem von der CDU-Fraktion initiierten BVV-Antrag wurde das Bezirksamt Neukölln deshalb im Juni 2016 um eine Prüfung gebeten, ob die Fußgängerampelzeit bei der Überquerung der Gutschmidtstraße / Einmündung Fritz-Reuter-Allee verlängert werden kann (Drucksache 1627/XIX). „Man könnte die Ampelphasen an der gesamten Kreuzung um eine bis zwei Sekunden verlängern. Dann können die meisten Fußgänger bei Grün über die Straße“, schlägt Förster, der auch Verordneter im Bezirksparlament ist, zur Entschärfung des Konfliktes zwischen Kraftfahrern und Fußgängern vor.

Im November letzten Jahres – 17 Monate nach Antragstellung (!) – konnte Bezirksbürgermeisterin Giffey allerdings der Bezirksverordnetenversammlung nur mitteilen, dass die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz den Wunsch des Bezirkes nach einer Verlängerung der Fußgängerampelzeit abgelehnt hat. Zwar sei es zutreffend, dass die Grünphase selbst für Fußgänger mit gewöhnlichem Gehtempo nicht ausreicht, um die Gutschmidtstraße vollständig zu überqueren. Staatsekretär Holger Kirchner verteidigte aber die umstrittene Ampelschaltung mit den Worten: „Durch eine großzügig bemessene Schutzzeit ist sichergestellt, dass die Straße ungefährdet verlassen werden kann. Eine Gefährdung der Fußgänger, die den Kreuzungsbereich bei Grün queren, ist daher nicht gegeben. Um Rückstaus und Wartezeiten der BVG-Linienbusse nicht zusätzlich zu erhöhen, kann dem Antrag nicht entsprochen werden.“

Christopher Förster und die CDU Neukölln wollen sich mit dieser Antwort nicht zufrieden geben. Sie starteten deshalb am vergangenen Sonnabend bei kaltem und nassen Wetter mit einem kleinen Info-Stand vor Ort eine Unterschriftenaktion für eine längere Grünphase in Britz-Süd. „In einer knappen Stunde kamen bereits 70 Unterschriften zusammen“, bilanzierte Förster den Auftakt der Aktion. Bis Ende Februar würden jeden Samstag Unterschriften für die längere Grünphase gesammelt. „Die Unterschriften werden wir dann im Rathaus Neukölln vorlegen“, kündigte Förster an.

In Berlin werden gut 2.000 Lichtsignalanlagen betrieben, damit der Verkehr von Pkw, Fahrrädern, Lkw, Bussen und Fußgängern reibungslos und gefahrlos läuft. Vor allem die Grünphasen von Ampeln sind immer wieder Gegenstand öffentlicher Diskussionen. Jede Sekunde ist zwischen den verschiedenen Verkehrsarten hart umkämpft, zumal Änderungen an einer Lichtsignalanlage auch Veränderungen an den folgenden Ampeln nach sich ziehen können. Obwohl es in Britz-Süd nur um ein, zwei Sekunden geht, ist der Erfolg der Kampagne also längst nicht gewiss!

Dagegen wäre viel für die Verkehrssicherheit gewonnen, wenn besonders unvernünftige Autofahrer nach dem Umschalten auf Fußgänger-Rot beim Abbiegen einfach nur Rücksicht nähmen und Passanten nicht bedrängen würden, weil sie unterstellen, die Fußgänger seien bei Rot gegangen. Denn: Erstens verlangt die Straßenverkehrsordnung gegenseitige Rücksichtnahme – was das Bedrängen anderer Verkehrsteilnehmer eigentlich grundsätzlich verbietet – und zweitens sind die Bedrängten sogar noch im Recht, weil sie innerhalb der ihnen tatsächlich zustehenden Räumzeit die Fahrbahn überqueren. Vielleicht kann die Unterschriftenkampagne jedoch Anlass sein, um über die Verkehrssituation im lokalen Zentrum Britz-Süd einmal ganz grundsätzlich nachzudenken. Schaden würde das nicht.

=Christian Kölling=

Advertisements