Dreikönigssingen im Rathaus Neukölln gegen Kinderarbeit

Sternsinger aus den Nord-Neuköllner Kirchengemein-den St. Richard, Sankt Clara und Christophorus  wurden gestern am Gedenktag „Heilige Drei Könige“, den die katholische Kirche alljährlich am 6. Januar feiert, von Dr. Franziska Giffey im Rathaus Neukölln empfangen.

Die Bezirksbürgermeis-terin hatte das Rathaus, das für gewöhnlich sonnabends wie auch sonntags und an Feiertagen geschlossen ist, für die Besuchergruppe aufsperren lassen und ihre würdevolle Amtskette zum Empfang angelegt.

Die Heiligen Drei Könige werden als Schutzpatrone der Reisenden, Pilger, Kaufleute, Gastwirte und Kürschner verehrt. Nach der biblischen Überlieferung kamen die drei Weisen aus dem Morgenland, denen ein Stern den Weg zum Stall wies, in dem Jesus geboren wurde, mit Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben an die Krippe. Das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ fördert seit 1959 die Sternsingeraktion: Rund 300.000 Mädchen und Jungen, machen sich deutschlandweit rund um den Dreikönigstag in königlichen Gewändern auf den Weg, um Gottes Segen zu den Menschen bringen und Geld für Kinder in Not sammeln.

Das Leitwort des diesjährigen Dreikönigssingens hieß „Segen bringen – Segen sein. Gemeinsam gegen Kinderarbeit – in Indien und weltweit!“. In den Gewändern der Heiligen Drei Könige Caspar, Melchior und Balthasar sangen die Mädchen und Jungen ihre Lieder. Danach wurden zwei Türen im Rathaus mit dem traditionellen Segen versehen. Die dabei angebrachten Buchstaben C-M-B stehen für „Christus Mansionem Benedicat“ (Christus segne dieses Haus). „Es für mich eine große Freude, die Sternsinger im Rathaus zu empfangen“, begrüßte Giffey die jungen Gäste in ihrem Amtszimmer. „Mit der diesjährigen Aktion wollen die Sternsinger darauf aufmerksam machen, dass Kinder in weiten Teilen der Welt unter oft menschenunwürdigen und ausbeuterischen Bedingungen arbeiten müssen. Die Sternsinger sind für mich ein Zeichen gelebter Solidarität von Kindern für Kinder.“ Im vergangenen Jahr hatten die Sternsinger für Kinder in Kenia gesammelt und auf die weltweiten Folgen des Klimawandels aufmerksam gemacht.

Obwohl Kinderarbeit gemäß der ILO-Konvention 182, die bisher von 180 Staaten unterzeichnet wurde, verboten ist, schuften Millionen Kinder unter unwürdigen Bedingungen z. B. für Schmuck, Teppiche und Produkte aus Naturstein. Waren, die auch in Neukölln nachgefragt und gekauft werden. In der Bezirksverordnetenversammlung sprachen sich 2017 die Fraktionen von SPD und Grünen sowie der CDU dafür aus, dass Neukölln zukünftig an der Kampagne „Fairtrade Towns“ teilnimmt.

Für die BVV-Fraktion der SPD war der Bezirksverordnete Michael Morsbach gekommen. Er hat eine besondere Beziehung zum Dreikönigssingen, weil er katholisch ist und selbst früher Messdiener war. In vielen Regionen war es schon seit dem Mittelalter üblich, dass Kinder und Jugendliche rund um den Dreikönigstag von Haus zu Haus zogen, Segenswünsche übermittelten und Gaben sammelten. Die Exkursion ins Rathaus Neukölln beugte bei den jungen Gästen aber nicht zuletzt möglichen Schwellenängsten vor, indem sie erste eigene Einblicke in den Politikbetrieb erlaubte.

=Christian Kölling=

Advertisements