Spanplatten am Musikhaus Bading als Pinnwand der Bestürzung und Anteilnahme

„Was für eine sinnlose Tat – liebes Musikhaus Bading-Team: Wir drücken Euch für einen guten Neuanfang die Daumen!“, so macht die Neuköllner Oper auf ihrer Facebook-Seite ihre Anteilnahme öffentlich, nachdem in der Silvesternacht Randalierer erst eine Scheibe des Musikgeschäftes gesprengt und dann Feuerwerkskörper in den Verkaufsraum geworfen hatten, bis er völlig ausbrannte. „Bading repräsentierte wie kein anderes Geschäft die große Musikgeschichte Neuköllns“, erinnert – ebenfalls bei Facebook – die langjährige Neuköllner Kulturamtsleiterin Dr. Dorothea Kolland und bezieht sich dabei auf das vom Bezirk herausgegebene Buch „Rixdorfer Musen, Neinsager und Caprifischer. Musik- und Theatergeschichte Rixdorfs und Neuköllns“.

Trauer, Wut und Bestürzung über die Brandstiftung wie auch persönliche Anteilnahme mit dem dreiköpfigen Musikhaus Bading-Team, das aus der 94-jährigen Tochter des Firmengründers, Brünhilde Schibille, ihrer 84-jährigen Schwägerin Liane Bading und dem 68-jährigen Dieter Götz besteht, werden aber längst nicht nur in sozialen Medien in Postings und Kommentaren ausgedrückt.

„In Rixdorf is Musike“, hat jemand mit einem dünnen Stift in Großbuchstaben auf die Spannplatten geschrieben, die vor den zerstörten Scheiben des Musikhauses gegenüber vom Karl-Marx-Platz befestigt sind. An der Eingangstür hängen seit gestern viele Zettel mit Kommentaren, daneben baumeln ein Filzstift an einer rotweißen Kordel und bunte Pinnadeln in einem kleinen Plastiktütchen. „Ich bin so traurig und im Herzen bei Ihnen!“, „We are sorry too. What ever happend keep rocking!“, „Alle meine Kinder und ich haben hier unsere Noten + Zubehör gekauft. Wer so etwas macht gehört in den Knast. Es ist so schade.“ Bading bot nicht nur immer alles, was zum Musikmachen und Musikhören nötig ist, ein Besuch des Geschäftes war zugleich eine Reise in die musikalische Vergangenheit.

=Christian Kölling=

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Eine Antwort

  1. Gitarrensaiten, das Instrument füs Examen, Noten und Schulungshefte für zwei Instrumente, die Klangstäbe für die Kinder, und in den 70ern jeweils für mich und meine Gäste für 6-800 Mark Jazztage-Karten, alles von Bading vom ersten Vorverkaufstag an und nebenan sozusagen. Es muss eine Fortsetzung geben! Setzt die Miete nicht zu hoch an und es sollte klappen. Richard

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