Dieses Jahr in Berlin: Möllner Rede im Exil erinnert an die Opfer

Zum 25. Jahrestag der Möllner Brandanschläge wurde am vergangenen Sonntag die Möllner Rede im Exil mit Unterstützung der Initiative zur Aufklärung des Mordes an Burak Bektas im Berliner Hebbel Theater gehalten, um an die Opfer zu erinnern. Auf der Veranstaltung sprachen Faruk Arslan sowie sein Sohn Ibrahim, der ebenfalls Überlebender des Brandanschlags war, bei dem seine Schwester, seine Cousine und seine Großmutter ums Leben kamen.

Am 23. November 1992 setzten zwei Neonazis in Mölln das Haus der Familie Arslan in Brand. Bei dem Anschlag wurden die 10-jährige Yeliz Arslan, die 14-jährige Ayse Yilmaz und die 51-jährige Bahide Arslan getötet. Weitere Familienmitglieder erlitten teils schwere Verletzungen. Zuvor hatten die Täter einen Brandanschlag auf ein weiteres Haus in Mölln verübt, bei dem neun Menschen schwer verletzt wurden.

Vier Jahre war die Möllner Rede ein Bestandteil der offiziellen Gedenkveranstaltungen der Stadt. 2013 wurde die Rede, die stets eine kritische Bestands-aufnahme zum gesellschaftlichen Rassismus und Neofaschismus war, deren Redner die Familie Arslan selbst aussuchte, aus dem Gedenkprogramm der Stadt Mölln gestrichen. Seitdem befindet die Rede sich im Exil. Esther Bejarano, die 92-jährige Musikerin, die als Jugendliche das Vernichtungslager Auschwitz überlebte, schrieb die Möllner Rede 2017, die im Hebbel Theater von ihrem Sohn Joram (r.) verle-sen wurde.

Auf der Veranstaltung wurde auch an Burak Bektas erinnert. Der jungen Mann wurde am 5. April 2012 in Neukölln von einem Unbekannten ermordet. Zwei andere Jugendliche wurden vom Täter lebensgefährlich verletzt. Buraks Mutter Melek Bektas und ihre Familie kämpfen seitdem für die Aufklärung des Mordes und ein angemessenes Gedenken. Seit Sommer 2012 wird sie dabei von der Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak Bektas begleitet und unterstützt. Für einen geplanten Gedenkort, an dem im kommen-den Jahr die Skulptur „Algorithmus für Burak und ähnliche Fälle“ der Kreuzberger Künstlerin Zeynep Delibalta aufgestellt werden soll, erhielt die Initiative im Oktober 2016 den Hans-Frankenthal-Preis der Stiftung Auschwitz-Komitee.

Zum Abschluss der Veranstaltung kündigte Ibrahim Arslan an, dass die Möllner Rede im Exil kommendes Jahr voraussichtlich in Wien gehalten werde.

=Christian Kölling=