Die Karl-Marx-Straße auf dem Weg zur erfolgreichen Einkaufsstraße – und zwischen Anspruch und Wirklichkeit

„Unsere Ära geht zu Ende“, steht in roten Buchstaben auf einem Plakat vor der Hohenzollern-Apotheke am U-Bahnhof Karl-Marx-Straße: „Am 30. November müssen wir unsere Apotheke nach 117 Jahren leider schließen“, informiert die Apothekerin Dr. Sabine Göhr-Rosenthal ihre Kunden und dankt für die Treue sowie das erwiesene Vertrauen. Schräg gegenüber bzw. direkt neben der Apotheke lagen einst die traditionsreichen Neuköllner Geschäfte Koffer Panneck und die Bickhardt‘sche Buchhandlung. Beide schlossen Ende der 1990er Jahre ihre Türen für immer.

Der Name der Apotheke verweist auf den ersten Standort, an dem sie am 20. Oktober 1900 gegründet wurde. Es war am Hohenzollernplatz 1, dem heutigen Karl-Marx-Platz, am Übergang zum Richardplatz. „In den 1970er Jahren war die Karl-Marx-Straße eine blühende Einkaufstraße mit vielen Schuhgeschäften und Kaufhäusern wie z. B. Hertie, C&A und Karstadt. 1981 erfolgte die Verlegung der Apotheke von der Karl-Marx-Straße 169 auf die andere Straßenseite in die Nummer 168“, erinnert sich die Apothekerin. Anfang des neuen Jahrtausends investierten Göhr-Rosenthal und ihr Vater, der Apotheker Hans-Günther Göhr, trotz der schwierigen Situation des Einzelhandels in der Karl-Marx-Straße: „Nach weitreichenden Umbaumaßnahmen und neuen Organisationsstrukturen gehörten wir dann wieder zu den modernsten Apotheken der Stadt.“

Es waren mehrere Gründe, die nun zur Geschäftsaufgabe führten. Die Dauerbaustelle vor der Tür, aber auch der demographische Wandel und die Änderung der Kundenstruktur sowie die Konkurrenz aus dem Internet führten zu einem Rückgang der Kundenzahlen. Die Ankündigung einer deutlichen Erhöhung der Gewerbemiete kam hinzu. Die Familie Göhr lenkte seit 1946 die Geschicke der Hohenzollern Apotheke, als Paul Göhr, Großvater der Apothekerin, das Geschäft übernahm.

Die Sanierung der Karl-Marx-Straße im Bauabschnitt zwischen Uthmann- und Briesestraße, die im April 2016 begann, soll Ende des Jahres abgeschlossen sein. Doch die Zukunft der Geschäfte in der nach Verkaufsfläche drittgrößten Einkaufsstraße Berlins  ist oft ungewiss. „Die Karl-Marx-Straße wird ein junges und buntes Hauptzentrum Berlins sein. Sie soll wieder eine erfolgreiche Einkaufsstraße werden“, das ist die verheißungsvolle Vision aus dem Leitbild 2020 »jung, bunt, erfolgreich – Handeln, Begegnen, Erleben« der [Aktion! Karl-Marx-Straße]. Ob und wie das Leitbild in die Realität übertragen wird, wird auch in der Lenkungsgruppe des Sanierungsgebietes diskutiert.

Stadtrat Jochen Biedermann und die Akteure der [Aktion! Karl-Marx-Straße] laden am Dienstag, 21. November, von 19 bis 21 Uhr (Zeit für Gespräche schon ab 18:30 Uhr) zum 20. Treffen der [Aktion! Karl-Marx-Straße] im KinderKünsteZentrum in der Ganghoferstraße 3 ein. Auf der Agenda stehen die Wahl der Lenkungsgruppe und das Thema „Netzwerke: Gemeinsam für das Zentrum Karl-Marx-Straße“.

=Christian Kölling=