Britzer Stolpersteine ausgegraben und gestohlen

Zahlreiche Stolpersteine, die in Neukölln an Opfer des Nationalsozialismus erinnern, wurden in der Nacht zu Montag aus dem Pflaster gebrochen und gestohlen. Ein Passant meldete Montagvormittag bei der Polizei den Diebstahl zweier Stolpersteine, die in der Steinbockstraße zur Erinnerung an Lucie und Arthur Hecht verlegt wurden.

Nachmittags teilte die Anwohner*inneninitiative Hufeisern gegen Rechts in einer Presserklärung mit, dass in der Nacht vom 5. zum 6. November alle sieben in der Hufeisensiedlung verlegten Stolpersteine entwendet wurden. Auch ein Gedenkstein, der erst am 9. September zur Erinnerung an Wienand Kaasch in der Parchimer Allee 94 verlegt worden ist, wurde gestohlen. Am Abend aktualisierte die Berliner Polizei ihren Polizeibericht vom Vormittag und schrieb: „Nach derzeitigen Erkenntnissen fehlen Gedenksteine in der Rungiusstraße, Bruno-Bauer-Straße, Parchimer Allee, Gielower Straße und Onkel-Bräsig-Straße. Der Polizeiliche Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen.“

In Neukölln sind fast 200 Stolpersteine in den letzten 15 Jahren durch bürgerschaftliches Engagement verlegt worden. Aus Anlass des Holocaust-Gedenktages am 27. Januar präsentierte das Museum Neukölln eine Ausstellung über das partizipative Erinnerungsprojekt von unten, das der Kölner Künstler Gunter Demnig initiierte. Jeder einzelne Stein symbolisiert die Leerstelle, die entstand, weil ein Mensch von den Nationalsozialistinnen und Nationalsozialisten gewaltsam aus seiner Nachbarschaft gerissen wurde. Seit 1996 sind in Berlin weit mehr als 7.000 Stolpersteine für Juden, Sinti und Roma, Menschen aus dem politischen oder religiös motivierten Widerstand, Homosexuelle, Zeugen Jehovas, Opfer der „Euthanasie“-Morde und für Menschen verlegt worden, die als vermeintlich „Asoziale“ verfolgt wurden.

Informationen über das Berliner Stolperstein-Projekt einschließlich einer Karte mit allen bisher verlegten Gedenksteinen, die nach Bezirken und Ortsteilen aufgeschlüsselt ist, sind auf der Webseite www.stolpersteine-berlin.de/de/stolpersteine-finden zu finden. Das Museum Neukölln unterstützt und koordiniert das Engagement Neuköllner Bürgerinnen und Bürger, die sich für die Verlegung eines Steins interessieren, ) und hilft weiter bei Anfragen zur Verlegung oder Recherche zu einzelnen Personen. Kontakt: stolpersteine[at]museum-neukoelln.de

Am 9. November lädt die Anwohnerinitiative Hufeisern gegen Rechts um 17 Uhr zu einem Gedenken an die Reichspogromnacht 1938 ein. Die Veranstaltung, die unter dem Motto: „Der 9. November mahnt: Nie wieder Rassismus! Nie wieder religiös oder politisch motivierte Gewalt!“ steht, findet vor der ehemaligen Albrecht-Dürer-Apotheke (Buschkrugallee 179) statt.

=Christian Kölling=