Für den Klimaschutz bleibt noch einiges zu tun – auch in Neukölln

„Neukölln steht wie kein anderer Bezirk Berlins stellvertretend für Chancen und Herausforderungen einer sich verändernden Stadtgesellschaft“, heißt es durchaus ambitioniert im ersten Satz der Präambel, die der Vereinbarung für die Bildung einer Zählgemein-schaft zwischen SPD und Grünen in der Bezirks-verordnetenversammlung vorangestellt worden ist. „Die Zählgemeinschaft von SPD und Bündnis 90 / Die Grünen setzt sich zum Ziel, ihre Bezirkspolitik an einem Leitbild sozialer Gerechtigkeit, Toleranz und nachhaltiger Zukunftsgestaltung auszurich-ten“, wird im zweiten Satz der am 24. Oktober letzten Jahres unterzeichneten Vereinbarung erklärt. Vom ausgeglichenen Bezirkshaushaltes bis hin zu einem konkreten Klimaschutzkonzept mit nachprüfbaren Zielen für Neukölln reicht die Vereinbarung.

Mehr Engagement im Kampf gegen steigende Mieten durch die Einrichtung von Milieuschutzgebieten und ein Umdenken in der Verkehrspolitik, die nun mehr Rücksicht auf den Radverkehr nimmt, deuten seit einem Jahr auf einen Neuanfang in der Neuköllner Kommunlapolitik hin. Für das vereinbarte konkrete Klimaschutzkonzept mit nachprüfbaren Zielen bleibt aber noch viel zu tun. Jakob von Uexküll (r.), Initiator und Stifter des Alternativen Nobelpreises sowie Gründer des Weltzukunftsrats, stellte am Montagabend im Literaturhaus in der Fasanenstraße sein neues Buch „Zukunft gestalten: JETZT“ vor. Moderiert wurde die Lesung mit anschließender Diskussion von der Publizistin Lea Rosh (l.). Prof. Dr. Rolf Kreibich, wissenschaftlicher Direktor und Geschäftsführer des SFZ Sekretariat für Zukunftsforschung an der FU-Berlin, würdigte in einer Begrüßungsrede den vielseitigen Aktivist, Umweltschützer, Philanthrop, Politiker, Ökonom und Philosophen.

„Denken Sie nicht, dass Sie die Welt nicht verändern können, die Welt verändert sich täglich“, ermunterte von Uexküll seine Zuhörer, für den Schutz der Umwelt und den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen sich einzusetzen. Der Klimawandel sei eine, aber nicht die einzige Herausforderung für die Politik. Auch die Zerstörung der Artenvielfalt, die beispiellose Versäuerung der Meere, die zunehmende Erosion von Ackerland und die Verknappung wichtiger Naturgüter bedrohe die Zukunft. „Wenn das Ökosystem zusammenbricht, wird nicht nur das gegenwärtige Bruttosozialprodukt zunichtegemacht, sondern auch das natürliche Kapital. Selbst der schlimmste ökonomische Kollaps ist nach einigen Jahren überwunden, während aber die Folgen eines Umweltbankrotts Jahrtausende – oder ewig – dauern können“ , warnte v. Uexküll und forderte entschiedene Maßnahmen, damit die 2015 in Paris beschlossene Klimarahmenkonvention der UNO eingehalten wird und die globale Erderwärmung in Zukunft auf einen Wert zwischen 1,5 und 2 Grad Celsius begrenzt werden kann.

„Wir müssen in den nächsten Jahren radikal umsteuern“, betonte v. Uexküll immer wieder und konkretisierte seine Forderung: „Bereiten Sie sich auf eine bevorstehende moralische Weltrevolution vor, vergleichbar mit der Abschaffung der Sklaverei, auf der unsere damalige Wirtschaft basierte.“ Eine ökologische Zivilisation aufzubauen sei daher nicht irgendeine Option. Es sei vielmehr die einzige Option, denn alles andere würde bedeuten, zukünftigen Generationen die Existenzgrundlage zu entziehen.

Große Hoffnungen setzt Jakob von Uexküll in eine verantwortliche Form der Geldschöpfung und in das Konzept regenerativer Städte, das nicht nur in der Begrünung des städtischen Umfeldes und dem Schutz der Natur vor der Ausdehnung der Städte beinhalte, sondern vor allem darin bestehe, dass städtische Produktions-, Konsum- und Konstruktions-Systeme umweltfreundlicher werden.

=Christian Kölling=