11. Trialogischer Kongress auf der Suche nach Alternativen zu Neuroleptika

Regelmäßig führt das Netzwerk Stimmenhören in Zusammenarbeit mit der Psychiatriekoordination der Abteilung Jugend und Gesundheit des Bezirksamtes Neukölln einen trialogischen Kongress durch, bei dem Betroffenen, professionelle Helfer sowie Angehörige, Freunde und Bekannte von Stimmenhörern in den Räumen des Neuköllner Rathauses zusammen-kommen. Dieses Jahr fand der Kongress gestern und vorgestern statt. Schirmherr der Veranstalltung war Gesundheitsstadtrat Falko Liecke, der Freitagvormittag auch einleitende Worte zur Begrüßung sprach. Die drei Hauptanliegen des diesjährigen Kongresses zum Thema „Wer be-stimmt was?“ lautete: Welche Alternativen gibt es für Stimmen-hörerinnen und -hörer, denen Medikamente nicht bzw. nur unzureichend helfen? Welche Risiken und Nebenwirkungen können Neuroleptika haben? Und wie kann die Reduktion der Medikamentendosis gelingen?

Das Netzwerk Stimmenhören e.V., dessen Geschäfts-stelle in Neukölln in der Schudomastraße 3 ist, besteht seit 1998. Es berät und informiert Stimmen hörende Menschen, Angehörige und in der Psychiatrie oder Psychotherapie Tätige. „Wir suchen auch außerhalb der Psychiatrie nach neuen Wegen, Stimmen hörende Menschen, die unter ihren Stimmen leiden, zu helfen“, schriebt die Initiative in einer mehrseitigen Selbstdarstellung. „Toleranz steht an erster Stelle. Das heißt, wir akzeptieren jede Erklärung, die ein Stimmen hörender Mensch für seine Stimmen gefunden hat, wenn sie ihm hilft, die Stimmen in sein Leben zu integrieren. So stehen spirituelle, psychologische, biologische oder technische Erklärungsmodelle gleich-berechtigt nebeneinander.“ Obwohl das Netzwerk Stimmenhören außerhalb der Psychiatrie nach neuen Wegen sucht, will die Initiative nicht gegen die Psychiatrie arbeiten und stellt klar: „Uns ist bewusst, dass wir nur gemeinsam, d. h. Betroffenen, Angehörige und in der Psychiatrie und Psychotherapie Berufstätige zusammen Änderungen in der Gesellschaft und damit auch in der Psychiatrie herbeiführen können.“

Am Sonnabendvormittag stellte Dr. med Dr. phil Jann E. Schlimme „Die drei Bausteine der Genesung von Psychosen“ vor. Schwerpunkt des Vortrags war die Frage, wie Medi-kamente erfolgreich abgesetzt werden können. Nachmit-tags gab es fünf Workshops, in denen verschiedene Wege aufgezeigt wurden, wie das Leiden ohne Medikamente gemildert werden kann. Im Foyer des BVV-Saals wurden beispielsweise Bilder der Lübeckerin Barbara Heuer ausgestellt. Und das Cigli-Zimmer im Rathaus Neukölln war anderthalb Stunden lang für intuitives Zen-Bogenschießen reserviert, für das Sybilla Endres gemeinsam mit zwei Helfern eine Einführung gab.

=Christian Kölling=