15. Neuköllner Ruderfestival glänzte mit sportlichen Höhepunkten

Gold, Silber und Bronze gab es für die Rudergesellschaft Wiking Berlin e. V. bei den Deutschen Meisterschaften im September 2017 in Salzgitter. In der Gesamtwertung für den Oskar-Ruperti-Preis belegte der Verein den zweiten Platz. Auf seiner Webseite präsentiert sich der 1896 in Schöneweide gegründete Ruder-verein, der seit 1950 am Britzer Zweigkanal in Neukölln ansässig ist, traditionsbewusst und erfolgsorientiert. Die Rudergesellschaft Wiking, die seit ihrer Gründung ein reiner Männerverein ist, zählt nach eigenen Angaben mit rund 250 Mitgliedern zu den erfolgreichsten Vereinen des Deutschen Ruderverbandes. Bisher konnten mehr als 1.800 Siege errudert werden. Der wohl spektakulärste Erfolg: Bei der Olympiade 1936 in Berlin gewann der Achter der Wikinger die Bronzemedaille.

Auch beim 15. Neuköllner Ruderfestival, das am vergangenen Sonnabend vor dem Vereinshaus am Delfter Ufer schräg gegenüber vom Autobahndreieck Neukölln gefeiert wurde, hieß das unausgesprochene Motto: „Nicht kleckern, klotzen!“ Damit Ruderfreunde, Unter-stützer und Sponsoren des Rudersports die Rennen hautnah verfolgen konnten, hatte die Rudergesellschaft Wiking die Barkasse Paule als Begleitschiff gechartert. Matthias Herrmann (r.), 1. Vorsitzender der RG Wiking, sowie Friedrich Becker, Mitglied des erweiterten Vorstands, kommentierten das Geschehen und erklärten den Mitfahrenden die sportlichen Hintergründe. Sportstadtrat Jan-Christopher Rämer (l.) teilte in einer Pause, kurz vor dem Start des Hauptrennens, Würstchen mit Brot, Senf und Ketchup zur Stärkung aus.

Gleich drei Spitzenereignisse, jedes einzelne eigentlich schon einen Besuch wert, standen auf dem Programm. Höhepunkt des Ruderspektakels war die Regatta um „Die Silbernen Riemen von Berlin“. Seit 2003 treten Vereins-achter der Männer sowie Doppelvierer der Frauen auf einer 6,3 Kilometer langen Strecke einmal jährlich zwischen Insel der Jugend und Neuköllner Wasserkreuz zum Kräftemessen an. Vorbild der Regatta ist ein historisches Duell auf der Spree, bei dem sich erstmals im Jahr 1893 die Vierer des Union-Ruder-Clubs, dem direkten Vorläufer der RG Wiking, und des Cöpenicker Ruder-Clubs begegneten, bis der Wettbewerb im Ersten Weltkrieg eingestellt wurde.

Wieder nahmen an den Wettkämpfen der Frauen und der Männer viele internationale Spitzenruderer teil – so waren zahlreiche WM- und Olympiateilnehmer in den Achtern vertreten, darunter u. a. Maximilian Munski (Lübecker RG v. 1885), der 2016 in Rio Olympiazweiter im Deutschland-Achter wurde. In diesem Jahr konnte der Veranstalter ein Rekordmeldeergebnis verzeichnen: 49 Boote mit über 375 Sportlerinnen und Sportlern aus 6 Nationen gingen ab 13 Uhr vor der Insel der Jugend in Treptow für das Langstreckenrennen über 6.300 Meter an den Start. Die Boote unweit vom Treptower Hafen starteten nicht gleichzeitig, sondern wurden im Abstand von 60 Sekunden nacheinander ins Rennen geschickt, denn der Platz auf den Wasserstraßen ist schmal. Wer als erster ins Ziel kommt, ist nicht unbedingt der Sieger – vielmehr der, der die schnellste Zeit für die Strecke zurück legt. Der Männer-Achter des Teams Skadi 1 aus Rotterdam legte mit klarem Vorsprung die Strecke in 20:49.46 Minuten zurück. Es folgten die Boote Wiking 1 (21:44.88) vor Moskau 1 (21:49.80). Bei den Frauen gewann im Rennen um die Silbernen Riemen CSK Navy Moskau , gefolgt von Skadi Rotterdam und AASR Skøll Amsterdam. Auch ein Achter mit kostümier-ten Männern aus Bydgoszcz, einer Stadt in der polnischen Woiwodschaft Kujawien-Pommern, nahm wieder teil und legte sich – nach gemütlicher Hinfahrt zum Startplatz – beim Rennen kräftig in die Riemen.

Zweites sportliches Großereignis beim 15. Neuköllner Ruderfestival war der traditionelle Internationale Städtekampf Kopenhagen, Zürich, Berlin, der seit 1980 für Juniorinnen und Junioren A regelmäßig ausgetragen wird. Jedes Jahr wechselt das Gastgeberland. 2017 konnte der Nachwuchsvergleich in das Rennen und die Silbernen Riemen integriert werden. Je 16 Juniorinnen und Junioren vertraten ihre Stadt in packenden Rennen auf der Langstrecke sowie in Sprintrennen vor dem Wiking-Bootshaus. Beim Städtevergleich siegte in diesem Jahr Berlin vor Zürich und Kopenhagen.

Über 700 Wanderruderer aus allen Teilen der Stadt, teilweise noch ergänzt durch nationale und internationale Gäste, kamen schließlich bei der 55. Wiking-Sternfahrt zum dritten Großereignis des Tages in Neukölln zusammen. Ab 14 Uhr trafen die ersten Sternfahrer in ihren Gig-Booten ein. Gegen 16:30 Uhr begann die große Sternfahrer-Party im Bootshaus.

Die prominenstesten Ruderer der RG Wiking sind derzeit der U23-Sportler Niklas Mäger und Edvin Novák, der bei der Ruder-WM in Sarasota/Florida nur knapp den Einzug ins Finale verpasste. Matthias Herrmann und sein Vorstandskollege Friedrich Becker rechnen damit, dass es in ihrem Verein zwei Aspiranten für die Teilnahme bei den Olympischen Spielen 2020 gibt. Nur Frauen wird der reine Männer-Ruder-Verein gewiss nicht entsenden können. Am 11. Mai 2017 wurde allerdings mit dem Neuköllner Ruderclub Berlin (NRCB) ein Kooperationsvertrag geschlossen. Jetzt können auch Frauen und Mädchen das Bootshaus in der Haarlemer Straße in Neukölln im Rahmen eines ordentlichen Kooperationsvertrages nutzen.

=Christian Kölling=

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