Neue Gruppenausstellung im Maschinenhaus des Kindl-Zentrums eröffnet

„Ruinen der Gegenwart“ heißt die neue Gruppen-ausstellung mit Werken von zehn Künstlerinnen und Künstlern, die ab heute – neben zwei Einzelaus-stellungen, die bereits im September eröffnet wurden – im KINDL-Zentrum für zeitgenössische Kunst zu sehen ist. Andreas Fiedler, Künstlerischer Direktor des Kunstzentrums im Rollbergviertel, sowie die beiden Kuratoren Julia Höner (r.) und Ludwig Seyfarth (l.), stellten die Ausstellung, die in Kooperation mit KAI 10 Arthena Foundation Düsseldorf entstand und zuvor bereits in Düsseldorf gezeigt wurde, am vergangenen Freitag der Presse vor.

Wir leben in den Ruinen der Vergangenheit – gerade auch in einer Stadt wie Berlin“, sagte Fiedler. Monumentalbauten der Nazizeit, wie das Berliner Olympia-Stadion, seien nicht zuletzt unter dem Aspekt geplant worden, wie sie in ferner Zukunft einmal als Ruinen wirken würden. Albert Speer habe diese Idee am Ende der 1960er Jahre in seiner nicht unumstrittenen Ruinenwert-Theorie festgehalten. Fiedler erinnerte auch an die Video-Arbeit „Olympia“ des Künstler David Claerbout, der im September vergangenen Jahres das Berliner Olympiastadion – Austragungsort der Olympischen Spiele 1936 – im Kesselhaus des Kindl-Zentrums digital aufwändig nachempfunden hatte, um es in den kommenden 1.000 Jahren virtuell zerfallen zu lassen. Vor allem aber infolge des Zweiten Weltkriegs seien Städte wie Berlin aber auch Düsseldorf großflächig zu Ruinenstädten geworden.

„Heute hinterlässt eine weltweite politische Instabilität immer neue Ruinen, die uns durch die Medien quasi frei Haus geliefert werden“, erklärten Julia Höner und Ludwig Seyfarth während ihres Rundgangs durch die Ausstellungsräume und fügten an: “Die Frage nach den konkreten Ursachen der Ruinen tritt damit zunehmend in den Vordergrund – eine Frage die sich wie ein roter Faden durch die Ausstellung zieht.“ Alle ausstellenden Künstlerinnen und Künstler beschäftigen sich mit unterschiedlichsten Aspekten der Ruinen. Kriegsruinen, Bauruinen, Industrie-ruinen, Ruinen als Folge von Natur- und Umwelt-katastrophen: In der Ausstellung werden die unterschiedlichen Ursachen des Zerfalls und die verschiedenen Typen von Ruinen genauestens reflektiert.

Clemens Botho Goldbach geht in seinem Projekt EU RUIN den frei erfundenen Architekturmotiven nach, die auf den Euro-Geldscheinen dargestellt sind. So hat er die Architekturmotive, die den 50 Euro-Schein zieren, großformatig mit Sperrholz nachgebaut. „Nicht zuletzt ein Verweis auf die Brüchigkeit des politischen Gebäudes der Europäischen Union“, urteilte Kuratorin Höner.

Die Relikte der Maya-Kultur im mexikanischen Yucatan griff dagegen Katya Gardea Browne in ihrer Installation auf. „Die Künstlerin verfolgt einerseits die historischen Spuren, zeigt aber auch die unmittelbare Konfrontation antiker Stätten mit dem modernen Mexiko auf“, erklärte Kurator Seyfarth: „Auch das jüngste Erdbeben, das die Künstlerin in Mexiko City direkt erlebte, hat gleichsam seismographische Spuren in ihrer Installation hinterlassen.“

Die ruinösen Folgen eines Erdbebens vergegenwärtigt ebenso Ryuji Miyamoto mit seinen Fotografien. Die Bilder entstanden 1995 unmittelbar nach einem Beben in der stark verwüsteten japanischen Stadt Kobe. Die Fotoaufnahmen leugnen nicht die die Dramatik der Naturkatastrophe, die 5.500 Menschen das Leben kostete, zeigen aber gleichwohl eine ästhetische Schönheit.

Der japanische Architekt Arata Isozaki veranschaulicht, dass Ruinen nicht nur Relikte der Vergangenheit sind, sondern mitunter ebenso in die Zukunft verweisen. Eine Idee, die entfernt an Speers Ruinenwert-Theorie erinnert. Nicht architektonischer Größenwahn, sondern die atomare Zerstörung Hiroshimas, die Isozaki als Jugendlicher erlebte, prägten aber sein Bewusstsein für die letztendliche Fragilität alles Gebauten. Isozakis „Ruinentrauma“ bringt ihn dazu, auch die eigenen Architekturentwürfe sich als Ruinen vorzustellen.

Weitere Arbeiten von Marike Schuurman und Dorothee Albrecht beschäftigen sich mit den Folgen des Braunkohletagebaus und vergleichen Bilder von Zerstörungen infolge des Krieges mit Fotos von Natur- und Umweltkatastrophen. Francis Alys drehte den Film „The Silence of Ani“, der in den Resten der seit mehr als drei Jahrhunderten verlassenen armenischen Hauptstadt Ani enstand.

Die Gruppenausstellung „Ruinen der Gegenwart“ ist bis zum 11. Februar im 1. und 2. Stock des Maschinenhauses im KINDL-Zentrum (Am Sudhaus 3) zu sehen.

=Christian Kölling=