„Tag der Oboe“ im Kulturstall Britz

Ihr Ton ist kräftiger als der einer Blockflöte, aber nicht derb wie der einer Schalmei, so lässt sich näherungsweise der Klang einer Oboe beschreiben. Ludwig van Beethoven und Johann Sebastian Bach schrieben verschiedene Konzert-stücke für das leicht näselnde Blasinstrument; in Pjotr Iljitsch Tschaikowskis Sinfonie Nr. 4 und in Antonín Dvořáks Sinfonie Nr. 5, Aus der Neuen Welt, gibt es bekannte Oboen-Soli. Im Konzertsaal steht das Instrument, das im Orchester den Ton a1 angibt, selten allein im Rampenlicht. Der Landesmusikrat Berlin erklärte allerdings – ebenso wie seine Partnerorganisation in Schleswig-Holstein – die Oboe zum Instrument des Jahres 2017. Anlässlich dieser Würdigung richtete die Musikschule Paul Hindemith Neukölln im Kulturstall Schloss Britz am vergangenen Sonntag den „Tag der Oboe“ aus. Organisiert wurde er von Susanne Pudig, der Fachbereichsleiterin Blasinstrumente.

Drei bekannte Oboisten der Berliner Musikszene eröffneten das Programm. Christoph Hartmann (Berliner Philharmonie), Szilvia Papei (Konzerthaus Orchester) und Peter Michel (freier Oboist und Dozent an der Musikschule Paul Hindemith Neukölln) spielten vormittags ein Oboen-Trio im Kulturstall. Anschließend stellte Wolfgang Kube die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen barocken und klassischen Oboen im Foyer vor. „Die moderne Oboe gibt es erst seit gut 150 Jahren“, erklärte Kube, der zusätzlich zu seiner Tätigkeit als Musiker und Lehrer sich seit langem mit dem Bau von Holzblasinstrumenten beschäftigt und seit 1994 historische Oboen in einer eigenen Werkstatt herstellt.

In der Rolle von zwei historischen Stadtpfeiferinnen stellten Frédérique Brillouin und Johanne Braun noch einmal nachmittags die Geschichte Blasinstrumente aus der Familien der Oboe ausführlicher vor. „Die Barock-Oboe wurde im 17. Jahrhundert am Hof des Sonnenkönigs vom Instrumentenbauer Jean de Hotteterre entwickelt. Ihr Name leitet sich vom französischen Wort „hautbois“ ab, der „hohes bzw. lautes Holz“ bedeutet“, erklärte Brillouin. Ludwig der XIV. habe 24 festangestellte Oboisten am Hof beschäftigt, die mit ihrem Spiel die Seele des schwermütigen Sonnenkönigs aufhellen sollten.

Die Oboe besteht aus einem dreiteiligen Korpus und einem Mundstück. Die verschiedenen Instrumente der Oboenfamilie tragen Namen wie Oboe da caccia oder Jagdoboe, Oboe d’amore oder Liebesoboe, Englischhorn oder – wegen ihrer tiefen Stimmlage – auch Alt-Oboe genannt. Historisch betrachtet ist die Oboe ist eines der ältesten Rohrblattinstrumente. Vorläufer der Oboe wie das griechische Aulos aus der Antike oder die Surna, eine orientalische Oboe mit Doppelrohrblatt, lassen sich bis weit vor unsere Zeitrechnung zurückverfolgen.

Der Tag der Oboe im Kulturstall Britz endete mit einem Abschlusskonzert, das Teilnehmerinnen und Teilnehmer der von Christoph Hartmann geleiteten Masterclass aus der Musikschule Paul Hindemith Neukölln gaben.

Die Zeit der Schalmei: Die Amoretta Big Band spielt im Jahr der Oboe auf ihrem Vorläufer – der Schalmei – Musik der Spielleute (von ca. 1221) bis zu den Canzonen und Tänzen der Stadtpfeifer (1612): 11. November, 19:30 Uhr, Nikodemuskirche (Nansenstr. 12).

=Christian Kölling=

Advertisements