„Gewand des Heiligen Christophorus“: Vorerst letzte Ausstellung in der St. Christophorus-Kirche eröffnet

Sozial, spirituell und kulturell – mit diesen drei Dimensionen will die katholische St. Christophorus-Gemeinde am Reuterplatz ihrem Anspruch als Kirche im sozialen Brennpunkt Nord-Neukölln gerecht werden. Neben dem sozialen Einsatz für Arme und Flüchtlinge sowie dem spirituellen Bemühen um lebendige Gottesdienste für jung und alt, entwickelte sie für die Erfüllung des kulturellen Auftrags die Ausstellungsreihe „Kunst in der Kirche“ zu einem wichtigen Element.

Am vergangenen Freitagabend war die Vernissage der 16. und vorerst letzten Ausstellung des erfolgreichen Projektes der Kuratorin Prof. Celia Caturelli, zu dem u. a. die Ausstellungen „Grund, Trans-naissance no. 2“ von Detlef Günther sowie „Gebetsteppiche“ von Armin Lindauer gehörten.

„Gewand des Heiligen Christophorus“ heißt das Objekt des aus Mexiko stammenden Künstlers Héctor Velázquez Gutiérrez, das zu den üblichen Öffnungszeiten der St. Christophorus-Kirche bis zum 12. November besichtigt werden kann. Gutiérrez verwendet in seiner Arbeit hauptsächlich weiche Materialien wie Textilien, Fäden, Leder, Wolle etc., die genäht, geklebt, verknotet oder verschnürt werden. Für sein Projekt in der katholischen Kirche im Reuterkiez beschäftigt er sich mit dem Heiligen Christophorus, seiner Ikonografie und Symbolik. Pater Kalle Lenz SAC erinnerte zur Eröffnung der Ausstellung an die Geschichte des Heiligen St. Christophorus, der der Legende nach, den Menschen half den Fluss zu überqueren, aber dabei auch das Leid der Mitmenschen auf sich nahm, bis er sogar einmal das Jesuskind mit der Weltkugel auf seinen Schultern über einen Fluss trug.

Gutiérrez benutzte für seine zwei großformatigen Gewänder des Heiligen Christophorus (280 x 230 x 80 cm) gebrauchte Kleider, die hauptsächlich aus der Kleiderkammer von St. Clara stammen, nach Rücksprache mit den Verantwortlichen für das Kunstprojekt aber verwendet werden durften, weil ausreichend Kleidung für Bedürftige vorhanden war und die künstlerische Arbeit im Sinne des Spendenzweckes dazu dient, Obdachlosen und bedürftigen Menschen zu helfen. Im Herstellungsprozess des Nähens, Zusammenfügens und Experimentierens nahmen diese alten Kleiderstücke eine neue Form an, sie wurden Umhang, Mantel, Gewand. „Auf der einer Seite sind sie das Gewand, was trägt und beschützt, auf der anderen deuten sie auf den Transformationprozess des künstlerischen Aktes schlechthin“, erläuterte Kuratorin Caturelli: „Den Aspekt des Leidens – St. Christophorus trägt das Leiden der Welt – versucht Velázquez Gutierrez mit seinen genähten topografischen Karten zu zeigen“, fügte die gebürtige Argentinierin hinzu, die seit 1997 eine Professur für Künstlerische Grundlagen/Malerei an der Design FH Düsseldorf inne hat und der St. Christophorus Gemeinde ihres Wohnortes in Berlin angehört.

„Mit Gewand des Heiligen St. Christophorus geht Kunst in der Kirche zu Ende“, verabschiedete sich Caturelli am vergangenen Freitag. Diese Entscheidung sei das Ergebnis eines langwierigen und schweren Prozesses gewesen. „Fünf Jahren lang haben wir ein tolles Projekt auf die Beine gestellt, das über die Grenzen Berlins hinweg bekannt wurde. Fünf intensive Jahre voller Gespräche, voller Austausch und Auseinandersetzungen, die mich sehr bereichert haben“, sagte die für ihre Gemeinde ehrenamtlich arbeitende Kuratorin: „Mein Konzept hat funktioniert und in den verschiedenen Positionen, die ich im Kirchenraum präsentierte, entstand immer aufs Neue ein Dialog, der Aspekte der Welt und Kunstwelt in St. Christophorus hinein trug und Vorstellungen der Kirche und der Gemeinde wiederum nach außen mitteilte.“ Zur Fortführung der Ausstellungsreihe „Kunst in der Kirche“ fehlt augenblicklich allerdings das Geld, um zumindest die Kosten der ausstellende Künstler zu erstatten. „Ohne diese beständige finanzielle Basis kann ich nicht mit gleicher Intensität und Qualität weiter arbeiten“, begründete Kuratorin Prof. Celia Caturelli die Einstellung ihrer Ausstellungsreihe.

=Christian Kölling=

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