Geflüchtete helfen Geflüchteten beim Ausstieg aus der Drogensucht

Einrichtungen, die Hilfen für drogenabhängige Menschen bieten, berichten immer wieder, wie problematisch es ist, Hemmschwellen abzubauen, um Suchtkranke und ihre Angehörigen zu motivieren, die vorhandenen Beratungseinrichtungen mit ihren konkreten Hilfsangebote in Anspruch zu nehmen. Während es schon schwierig ist, für gewöhnliche Deutsche stabile Brücken in die Suchtkrankenhilfe zu bauen, ist diese Aufgabe noch sehr viel komplizierter, sofern die Klientinnen und Klienten aktuell geflüchtete Menschen sind, die in Berlin eine vorläufige Zuflucht gefunden haben. Am vergangenen Donnerstag würdigten deshalb die Gesundheitsstadträte von Friedrichshain-Kreuzberg, Tempelhof-Schöneberg und Neukölln in einer überbezirklichen Initiative gemeinsam mit der Berliner Landes-drogenbeauftragten Christine Köhler-Azara (l.), das ehrenamtliche Engagement von Geflüchteten für Geflüchtete in der Suchthilfe und zeichneten 18 Freiwillige des „Peer-Projektes: Brückenschlag in die Suchthilfe“ im Rathaus Neukölln mit Urkunden aus.

„Mittlerweile ist klar, dass viele geflüchtete Menschen aufgrund ihrer Erfahrungen auf der Flucht und den aktuellen Lebensumständen zu Alkohol oder anderen Drogen greifen. Je früher es gelingt, sie zu erreichen, desto größer sind die Chancen für eine gesundheitliche und gesellschaftliche Integration“, erklärte Oliver Schworck, Bezirksstadtrat aus Tempelhof-Schöneberg. Die geschulten Peers setzen sich für geflüchtete Menschen ein, die Probleme mit Drogen oder Alkohol haben und ebnen den Weg in die Suchtberatungsstellen. Sie informieren vor Ort in Not- und Gemeinschaftsunterkünften über Risiken des Suchtmittelkonsums und begleiten bei Bedarf in die bezirklichen Suchtberatungsstellen. Die Peers sind ein wichtiges Bindeglied, um die gesundheitliche Versorgung geflüchteter Menschen zu gewährleisten, die aufgrund unterschiedlichster Zugangsbarrieren vom Suchthilfesystem häufig nicht erreicht werden.

Das Projekt wurde von den Suchthilfekoordinatoren Wolfgang Jas (Neukölln), Heide Mutter (Tempelhof-Schöneberg) sowie Julia Thöns (Friedrichshain Kreuzberg) initiiert und in Ko-operation mit IBBC e. V., MINA e. V.Notdienst Berlin e. V. und vista gGmbH entwickelt und umgesetzt.

Die Inhalte der Schulung wurden gemeinsam mit den Peers in einem interkulturellen und partizipativ ausgerichteten Dialog erarbeitet. Finanziert wird das Projekt aus Mitteln des Masterplans für Integration und Sicherheit. Neuköllns Gesundheitsstadtrat Falko Liecke (l.) lobte während der Feststunde: „Das Peer-Projekt ist ein außergewöhnliches Projekt, weil es über die Bezirksgrenzen hinaus wirkt. Ein gutes Beispiel dafür, dass die aktuellen Herausforderungen, die sich aus Krieg und Flucht ergeben, nicht nur angenommen werden müssen, sondern auch gemeistert werden können.“

=Christian Kölling=

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