Sturmtief Xavier wütete auch in Neukölln

Nur noch Kleinholz war am Freitagvormittag der Baum, der einen Tag zuvor während des Sturmtiefs Xavier am Richardplatz – wie so viele Bäume in ganz Berlin – aus dem Boden gerissen worden war. Längst nicht überall ging es mit den Aufräumarbeiten so schnell voran wie im Böhmischen Dorf.

Regine Günther, Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, erklärte am Freitag: „Der gestrige Sturm hat Berlin hart getroffen. Unsere Trauer und unser Mitgefühl gelten als allererstes den Angehörigen der zu Tode Gekommenen. Den Verletzten wünsche ich schnelle Genesung.“ In Reinickendorf verunglückte die Journalistin und Politik-Expertin Sylke Tempel beim Unwetter tödlich. Sieben Tote forderte Xavier bei schwerem Sturm über Deutschland. Spuren der Verwüstung waren am Freitag noch überall zu sehen. In allen Waldgebieten und Parkanlagen sind Bäume umgestürzt und auch in den kommenden Wochen ist mit herabstürzenden Ästen oder Kronenteilen zu rechnen, die sich noch in den Baumwipfeln befinden, erklärte die Umweltverwaltung. Senatorin Günther: „Ich appelliere an alle Berlinerinnen und Berliner, zu ihrer eigenen Sicherheit am kommenden Wochenende Wald- und Parkbesuche zu vermeiden.“

Sichtbarer Ausnahmezustand herrschte beispielsweise am Rathaus Neukölln, wo Schindeln vom Dach auf den Vorplatz gefallen waren. Der Ort war ebenso wie das Amtsgericht, wo Putz von den Wänden herabzustürzen drohte, gut sichtbar mit rotem Flatterband abgesperrt. Donnerstagnachmittag hatte die Feuerwehr kurz nach 16 Uhr den Ausnahmezustand ausgerufen. Im Körnerpark, wo bereits im Sommer ein Baum entwurzelt worden war, hielten die Bäume diesmal stand.

Die S-Bahn stellte ihren Betrieb bis 20 Uhr komplett ein. Nach Angaben eines S-Bahnsprechers war eine „zweistellige Zahl“ von Bäumen auf Gleise gefallen. „Alles was über der Erde fährt, verkehrt nicht mehr“, teilte wenig später auch die BVG in Lautsprecherdurchsagen mit. Alle Nutzer des ÖPNV waren auf die U-Bahn-Züge angewiesen, die entsprechend überfüllt waren. Ab U-Bahnhof Rudow verkehrte zwar noch der Zubringerbus zum Flughafen Schönefeld, aber wegen des Unwetters war dort der Flugbetrieb zeitweise eingestellt worden.

Besonders schlimm erwischte es einen PKW in der Framstraße am Reuterplatz, der von einem entwurzelten Baum regelrecht zerschmettert wurde: Totalschaden. Weitere Bäume stürzten u. a. in der Innstraße und in der Wissmannstraße auf die Fahrbahn.

=Christian Kölling=

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