Turbanbinden am Tag der Interreligiösen Einheit

Zum Tag der deutschen Einheit am 3. Oktober gab es auch in diesem Jahr wieder zahlreiche Veranstaltungen zur Förderung des interreligiösen Zusammenhalts. Eine davon war der Tag der interreligiösen Einheit, der vom „Initiativkreis Dialog der Religionen für Kinder und Jugendliche“ im Kinder- und Jugendclub Manege ausgerichtet wurde.

Zwischen 11 und 15 Uhr stellten christliche, jüdische und moslemische Initiati-ven sich ebenso vor wie die Hindu Gemeinde für Vais-nava-Kultur aus Reinickendorf und die Glaubensgemeinschaft der Sikh-Religion. Ein Derwisch berichtete über die Technik seiner mystischen Arbeit: „Ich symbolisiere die Liebe und meditiere mit dem Herzen.“ Liebe besitzt als Triebkraft aber auch bei ganz

unterschiedlichen Religionen – bei den Mormonen ebenso wie bei den Krishna Anhängern der Hindu Gemeinde – eine besondere Bedeutung.

Was Kirche für die Christen, Moschee für die Moslems, Mandir für die Hindus oder Synagoge für die Juden ist der Gurdwara für die Sikhs. Zu einer Zeit, in der Europa allmählich die Reformation begann begründete der Wanderprediger Guru Nanak (1469 – 1539) die Sikh-Religion. Wichtige Grundlagen der Religion sind: Gott existiert. Er ist eine Tatsache und nicht nur eine Annahme. Das Leben des Menschen hat einen Sinn und ein Ziel. Der Mensch ist verantwortlich für seine Taten. Besonderer Wert wird auf das soziale Wohlergehen der Menschen gelegt, denn Gott dienen bedeutet, seiner Schöpfung zu dienen. Auch wird eine gleichwertige Stellung von Mann und Frau bei den Sikhs betont. Guru Nanak schrieb: „Warum die Frau minderwertig nennen, von ihr werden Könige geboren.“ Das Heilige Buch der Sikhs heißt „Guru Granth Sahib“, es wurde zwischen 1601 und 1604 verfasst und als Altar im Goldenen Tempel von Amritsar aufgestellt.

„Der Turban ist ein äußeres Zeichen jedes Sikhs“, erläuterte Dr. Harbhajan Singh. Jungen können ihn ab ungefähr 12 Jahren tragen. Der Turban ist nötig, weil ein Sikh seine Haare nicht schneidet, sondern wachsen lässt bis das Wachstum von allein aufhört. Auch der Bart wird nicht geschnitten. Beim Tag der interreligiösen Einheit durften sich alle mal einen Turban binden lassen. „Halten Sie das eine Ende fest“, bat der freund-

liche Herr, während er das andere Ende um meinen Kopf wickelte. Nach einigen Minuten war der Turban fast fertig gebunden. Einige routinierte Griffe, und die Kopfbedeckung war fertig. Jetzt durfte ich mich im Spiegel anschauen. Gläubige Sikhs nehmen ihren Turban nur nachts zum schlafen, sowie zum Duschen ab. Viele Besucher der Manege ließen sich an diesem Nachmittag einen Turban binden. Und wer wollte, konnte die Kopfbedeckung als Erinnerung an den Tag mitnehmen.

=Christian Kölling=

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