Dankeschön-Feier für eine „große Demonstration des guten Bürgersinns“

Für Minusrekorde und Negativschlagzeilen ist Neukölln bekannt: Die höchste Hartz-IV-Quote, die schlechteste Gesundheitsbilanz, die drastischsten Mietsteigerungen  und die teuersten Autobahnkilo-meter gibt es im ehemaligen Arbeiterbezirk. Andererseits tun im Bezirk zahlreiche Menschen einfach nur Gutes und gehen damit selten an die Öffentlichkeit, wie zum Beispiel die Initiative Give Something Back To Berlin (GSBTB) anlässlich des 2. Berliner Freiwilligentages am zweiten September-wochenende. Weil diese ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer mehr öffentliche Aufmerksamkeit verdienen und um das vorangegangene Aktionswochende des Freiwilligentages ausklingen zu lassen, richteten der Tagesspiegel und der Paritätische Wohlfahrts-verband Berlin am vergangenen Sonntag eine große Dankeschön-Feier mit einem bunten Musik- und Kulturprogramm einschließlich Kaffee und Kuchen sowie eines großen Buffets aus. Rund 850.000 Menschen engagieren sich regelmäßig in Berlin; mehr als 30 Millionen Freiwillige gibt es laut Bundesfamilienministerium in ganz Deutschland.

„Toll zu sehen, wie vielfältig Ihr Engagement ist. Das ist eine große Demonstration des guten Bürger-sinns“, sagte Gerd Nowakowski, leitender Redakteur beim Tagesspiegel, zur Begrüßung der Gäste, die in das Verlagsgebäude der Holtzbrinck-Gruppe am Askanischen Platz gekommen waren: „Wir brauchen den Gemeinsinn in unserer Gesellschaft!“ Dank des gemeinnützigen Engagements könne der Tagesspiegel auch einmal Gutes berichten und müsse nicht immer nur schlechte Nachrichten melden, sagte der frühere taz-Journalist. Wie wichtig die ehrenamtliche Freiwilligenarbeit für das Gemeinwesen ist, hatte Nowakowski einige Tage zuvor in seinem Tagesspiegel-Kommentar „Berlin ist die Stadt der Helfer“ zur Aktion “Gemein-same Sache” erklärt: „Unser Staatswesen, hat der Verfassungsrechtler Ernst-Wolfgang Böckenförde in den 70er Jahren formuliert, beruht auf Voraussetzungen, die er nicht erzwingen kann – es ist zur Legitimierung auf die demokratische Gesinnung der Menschen angewiesen. Über die Wahlen hinaus ist deshalb die Mitwirkung der Menschen am Gemeinwesen unverzichtbar.“

Dr. Gabriele Schlimper, Geschäftsführerin des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Berlin, die die Sozialsenatorin Elke Breitenbach im Publikum begrüßen konnte, kündigte die Fortführung des Freiwilligentages an: „Wir machen das schon ein paar Jahre. Wir wollen den Berliner Freiwilligentag im nächsten Jahr wieder ausrichten.“ Zum Auftakt des Kultur-programmes zeigte der Zirkus Cabuwazi aus Marzahn einen Auschnitt seiner rasanten Show. Der Tagesspiegel-Chor, dem Sängerinnen und Sängern aus vielen verschiedenen Ländern angehören, lockerte das Publikum mit einem außergewöhnlich breiten Repertoire aus vielen Ländern auf, bis der Berliner Soulsänger Fetsum zum Abschluss und als Höhepunkt des Kultur-programms auftrat.

Die Gäste der Dankeschön-Feier konnten außerdem an einer Führung durch das Tagesspiegel-Gebäude teilneh-men, die in den Newsroom sowie auf die Dachterrasse des urspünglich im Jugendstil errichteten Hauses ging, das im Krieg stark beschädigt wurde. Im Erdgeschoss erklärte abschließend Madlen Haarbach, die als freie Journalistin für den Tagesspiegel arbeitet, wie der Newsletter „Leute in Neukölln“ entsteht. „In Neukölln kenne ich mich gut aus, auch wenn ich dort jetzt nicht mehr wohne. Ich habe 17 Jahre lang in Neukölln gelebt“, sagte Haarbach.

Rote Urkunden waren auf einem großen Tisch für ein Dutzend Neuköllner Projekte ausgelegt. Der Nachbarschaftsgarten im Bürgerzentrum Neukölln gehörte ebenso dazu wie das Projekt „Für die Kippe danach“ von Tanja Dickert und Heiko Büttner. „Jede Kippe auf der Straße verschandelt unnötig das Stadtbild“, erläuterte Dickert. Alle, die auf der Straße rauchen, sollten deshalb ihre Zigarettenstummel in einem kleinen Aschenbecher entsorgen und nicht achtlos auf den Bürgersteig werfen.

=Christian Kölling=

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