„Neukölln Open“: Einladung zur aktiven Beteiligung an Prozessen der politischen Meinungsbildung

„Kurz vor der Bundestagswahl gilt es ein Zeichen zu setzen: Für Vielfalt, Toleranz, Demokratie und Menschenrechte!“, erklärte Kulturstadtrat Jan-Christopher Rämer, als er Sonntagmittag auf der Freilichtbühne des Gutshofes Britz das umfangreiche Programm des eintägigen Festivals „Neukölln Open“ vorstellte. Diskussionsforen, Workshops, Info-stände, Mitmachaktionen sowie Musik und Poetry Slam wurden bis in die Abendstunden geboten.

Kultursenator Klaus Lederer diskutierte im Kulturstall über eine Renaissance des europäischen Gedankens, während Bezirksbürgermeisterin Dr. Franziska Giffey mit Gästen im Museum Neukölln über neue Formen der Solidarität und des Zusammen-lebens sprach. Weitere Foren zu den Fragen „Wer ist das Volk?“, „Wie weit geht die Religionsfreiheit?“, „Mehr Demokratie wagen?“ und „Wo bin ich Zuhause?“ folgten am Nachmittag.

„Mit Neukölln Open laden wir alle ein, sich aktiv an Prozessen der politischen Meinungsbildung zu beteiligen und um wichtige Fragen unserer Zeit in einer Atmosphäre des konstruktiven Dialogs zu debattieren“, betonte Dr. Udo Gößwald, Leiter des Museums Neukölln und Initiator von Neukölln Open. Ein solides Workshop-Angebot, das das Münchner Centrum für angewandte Politikforschung im Geschichtsspeicher des Museums Neukölln bot, durfte darum nicht fehlen, denn Demokratie bedeutet weit mehr, als nur das Herstellen einfacher Mehr-heiten für oder gegen etwas.

„Wann und wie entsteht die Bereitschaft, kreativ nach neuen Lösungen für scheinbar ausweglose Konflikte zu suchen?“, fragte Susanne Ulrich im ersten von drei Workshops, der unter der Überschrift „Die Kunst, einen Kürbis zu teilen“ stand. Ergebnisse des Kurzseminars: Bevor irgendwelche Entscheidungen getroffen werden, müssen erst einmal die Bedürfnisse aller Beteiligten wirklich ernstgenommen und geklärt werden. Zweitens ist zu überprüfen, ob es Lösungen gibt, mit denen die Bedürfnisse aller gleichermaßen befriedigt und die Freiheit aller Beteiligten vielleicht sogar vergrößert wird. Beispielsweise können drei Personen problemlos einen Kürbis teilen, erklärte Ulrich, wenn eine nur die Kürbiskerne will, die andere Person mit dem Fruchtfleisch eine Kürbissuppe kochen und die dritte aus dem Kürbis eine Halloween-Maske schnitzen möchte! Nach einem Kompromiss muss drittens erst gesucht werden, sofern ein Maximalkonsens nicht gefunden werden kann, sondern es tatsächlich widerstreitende Interessen gibt. Schließlich muss ein demokratischer Mehrheitsbeschluss erst gefällt werden, wenn auch ein Minimalkonsens nicht möglich ist.

Zum Abschluss der Diskussionsforen und Workshops wurden in einer Plenumsdiskussion die drängensten Fragen des Tages erörtert. „Denn nicht nur Politik und Wirtschaft sind gefordert“, begründeten die Organisa-toren im Programmheft, „jeder Mensch sollte sich bei der Lösung gesellschaftlicher Aufgaben beteiligen können.“

=Christian Kölling=

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