Mit zwei Ausstellungen ins zweite Jahr

Das Kindl – Zentrum für zeitgenössische Kunst am Rand des Neuköllner Rollbergviertels startet in sein zweites Jahr: Ende Oktober wird in den Etagen M1 und M2 des alten Maschinenhauses der ehemaligen Brauerei die Gruppenausstellung „Ruinen der Gegenwart“ eröffnet. Bereits seit dem Wochenende sind im Erdgeschoss des Maschinenhauses M0 sowie im benachbarten Kesselhaus zwei Ausstel-lungen der Bildhauerinnen Asta Gröting (r.) und Haegue Yang zu sehen.

Ausgangspunkt der neuen Werkreihe „Berlin Fassa-den“ von Asta Gröting sind Fassaden mit Einschuss-löchern, die als Spuren der Straßenkämpfe in den letzten Tagen des 2. Weltkriegs im Stadtbild bis in die Gegenwart erhalten sind, weil die Gebäude noch nicht renoviert wurden. Gröting, die Professorin an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig ist und in Berlin lebt, erfasste die versehrten Mauern bildhauerisch, indem sie von ihnen Silikonabformungen anfertigte, die in der Ausstellung sowohl liegend als auch an der Wand hängend präsentiert werden. ,„Ich will aus diesen zerstörten Mauern und Fassaden in die Welt hinausschauen – als könnte ich mir selbst ins Gesicht sehen“, sagte die Künstlerin auf der Pressevorbesichtigung am vergangenen Freitag. Die Silikonabformungen der Fassadenteile ähneln Langzeitbelichtungen, die die Geschichte vom Moment der Einschüsse bis zum jetzigen Zeitpunkt abbilden, denn die Trägermasse nimmt Staub, Dreck und auch Graffitis auf, weshalb die farbigen Abdrücke fast wie bemalt wirken.

Die Bildhauerin Haegue Yang (r.) lebt und arbeitet in Seoul und seit 2005 auch in Berlin. Erinnerungen an und Erfahrungen mit der aggressiven industriellen Entwicklung Südkoreas in den 1970er und 1980er Jahren beeinflussen ihre Arbeit noch heute. Eigens für das imposante, zwanzig Meter hohe Kesselhaus hat sie die Installation „Silo of Silence – Clicked Core“ geschaffen. Yang arbeitete bereits an „postindustriellen Orten“, u. a. 2012 bei der dOCUMENTA (13) auf dem ehemaligen Güterbahnhof in Kassel. Materialvielfalt und abwechslungsreiche Arbeits-methoden sind für die Arbeitsweise der Bildhauerin charakteristisch. Sie verwendet industrielle Serienprodukte – wie beispielsweise Jalousien – bis hin zu organischen und immateriellen Stoffen wie Gerüchen und Geräuschen als Materialien. „Die Jalousien sind maßgeschneidert und nach eigenen Wünschen angefertigt, aber jeder kann sie über das Internet beziehen“, erklärte Haegue Yang . Die Arbeit „Silo of Silence – Clicked Core“ beseht aus 154 schwarzen und blauen Jalousien. Während die zylindrischen Aussenfassade ein schwarzes Karomuster zeigt, ist die Innenspirale in kobaltblau gehalten, wird durch Leuchtstoffröhren hervorgehoben und wird mit einem Motor langsam in Bewegung gehalten. So entstehen andauernd Formen, die neue Erinnerungen und Gedanken wachrufen.

Asta Gröting: „Berlin Fassaden“ (Einzelausstellung)
Maschinenhaus Erdgeschoss M0
Ausstellungsdauer bis 2. Dezember 2017

Haegue Yang: „Silo of Silence – Clicked Core“ (ortsspezifische Installation)
Kesselhaus
Ausstellungsdauer bis 13. Mai 2018

=Christian Kölling=

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