Wie Parteien die Tore zu ihren Wahlprogrammen öffnen

Jedes Jahr am 8. September ist der Weltalphabetisierungs-Tag. Zwei Tage vorher, am lesen und schreiben e.v., neukölln,weltalphabetisierungstag, aktionsbündnis alphabetisierung und grundbildung neuköllnkommenden Mittwoch, wollen Aktive vom Bündnis für Alphabetisierung und Grundbildung auf dem Alfred-Scholz-Platz mit Passanten ins Gespräch kommen. Vielleicht wird dabei auch über Politik und die bevorstehende Bundestagswahl gesprochen. Jedenfalls bieten fast alle großen Parteien seit der Bundestagswahl 2009 vereinfachte Zusammenfassungen ihrer offiziellen Wahlpro-gramme in „Leichter Sprache“ an. Leichte Sprache bedeutet: Kurze Sätze, keine Fremdwörter, viele Verben, wenig Substantive und möglichst anschauliche Bilder zur Illustration des Textes.

„Im Regierungs-Programm von einer Partei steht: Diese Politik wollen wir machen. Und: Diese Ziele wollen wir erreichen. In den nächsten 4 Jahren. Hier sind die wichtigsten Dinge aus dem Regierungs-Programm von CDU und CSU aufgeschrieben. In Leichter Sprache. Damit alle es gut verstehen“, erklärt zum Beispiel die Union am Anfang der Kurzfassung ihres gemeinsamen Wahlprogrammes 2017. Und damit keine Missverständnisse entstehen, wird ergänzt: „Aber nur das Regierung-Programm in Alltags-Sprache ist wirklich gültig. Da ist alles noch genauer erklärt.“

Die SPD erläutert zur Kurzfassung ihres offiziellen Programmes, das im Mai 2017 beschlossen wurde: „Das Heft ist in Leichter Sprache geschrieben. Darin stehen die wichtigsten Sachen aus dem Wahl-Programm der SPD. In einem Wahl-Programm stehen die Ziele einer Partei. In dem Text sind einige Wörter in roter Farbe. Diese Wörter werden im Text erklärt.“

Auch die Partei Bündnis 90/Die Grünen gibt in der Kurzfassung ihres umfangreichen Wahlprogrammes Erklärungen zu schwierigen Wörtern, wie beispielsweise zum Wort Demokratie: „In einer Demokratie bestimmt das Volk. In Deutschland gibt es Demokratie: Die Menschen entscheiden gemeinsam. Alle haben die gleichen Rechte und Pflichten. Freie Wahlen sind wichtig für die Demokratie. Es gibt nur Demokratie, wenn Menschen wählen gehen.“

Die Linken, deren komplettes Wahlprogramm in Alltagssprache im Juni beschlossen wurde, haben eine Kurzfassung in „leicht verständlicher Sprache“ vorgelegt. „Leicht verständliche Sprache“ ist etwas schwieriger als „Leichte Sprache“. Doch die Linke versichert: “Personen mit Lese- und Lernschwierigkeiten bzw. einfachem Bildungsabschluss haben den Text auf Verständlichkeit geprüft.“

Das Wahlprogramm der FDP, die 2009 noch keine leicht verständliche Kurzfassung ihres Programmes vorlegte, ist inzwischen ebenfalls in Leichter Sprache verfügbar. Die FDP in Nordrhein-Westfalen ist mit der Kurzfassung ihres Landtagswahlprogrammes ein Vorreiter gewesen. Nur die AfD verschließt sich leichter oder leichtverständlicher Sprache noch.

Am 8. September ist Welt-Alpha-Tag!

Mit dem Motto „Grundbildung – Wir reden drüber“ präsentiert sich das Alpha-Bündnis Neukölln am 6. September auf dem Alfred-Scholz-Platz und trägt das Thema Alphabetisierung und Grundbildung in die Öffentlichkeit. Im Rahmen des Welt-Alpha-Tags 2017 machen die Bündnispartner gemeinsam auf Angebote für Menschen mit Lese- und Schreibschwierigkeiten im Bezirk aufmerksam. Zwischen 14 und 16 Uhr wollen wir mit den Passant*innen ins Gespräch kommen und uns gegenseitig zum Thema austauschen. Wir freuen uns, wenn Sie vorbeischauen!

Tag der offenen Tür in den Neuköllner Grundbildungs-Einrichtungen am 8. September:

Lesen und Schreiben e. V.
Herrnhuter Weg 16, 12043 Berlin
ab 15 Uhr

Lernhaus der VHS Neukölln
Werbellinstr. 77, 12053 Berlin
ab 14 Uhr

=Christian Kölling=

 

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