Konzerte pausieren, aber die Kunst bleibt

Die Galerie im Körnerpark bietet mit ihrer neobarocken Orangerieanlage seit 1983 einen attraktiven Ausstellungsort für alle Arten zeitgenössischer Kunst.

Derzeit werden Installationen und Videoperfor-mances des slowenischen Künstlerduos Nika Oblak und Primoz Novak gezeigt, die mit hintergründigem Witz die blinden Flecken des Realen im Medienzeitalter in Szene setzen. Sonntagnachmittag endete im Körnerpark zudem die 34. Saison der Konzertreihe „Sommer im Park“ mit einem Auftritt der Gruppe More Town Soul. Viele Menschen aus der Nachbarschaft und aus anderen Stadt-teilen kamen deshalb – oder einfach nur, um sich an einem schönen Spät-sommertag zu erholen – am vergangenen Sonntag in das Bau- und Gartendenkmal, das einst aus einer Kiesgrube im dichtbesiedelten Neuköllner Norden entstand.

Die zehnköpfige Berliner Band spielte und Funk-Klassiker aus den 1960er und -70er Jahren. Das bunt gemischte Publikum hörte Stücke von Otis Redding, Wilson Pickett, Aretha Franklin und anderen. Einige Zuschauerinnen und Zuschauer beschränkten sich nicht nur aufs Mitklatschen, sondern tanzten neben der Bühne. Auf die kostenlose Konzertreihe folgt im Herbst die ebenfalls ohne Eintrittsgeld angebotene „Salonmusik im Zitronencafé“. „Am 8. Oktober geht‘s los bis kurz vor Weihnachten“, sagte Veranstal-tungsorganisator Paul Schwingenschlögl. Zur Eröffnung spielt das Duo Balkanova mit dem Gitarristen Andreas Brunn und der Sängerin Viktoria Lasaroff. „Das komplette Programm der Salonmusik wird bald im Internet veröffentlicht“, versprach der Musiker und Komponist.

Die Medien selbst erzeugen Normen und Realitäten, lautet die künstlerische Kernaussage des Künstler-duos Oblak und Nowak, die in kinetischen Installa-tionen und Videoperformances mit Pneumatik vielfältig bearbeitet wird. „And Now for Something Completely Different“ (Und jetzt mal was völlig anderes), ist der Titel ihrer Ausstellung, der auf den gleichnamigen Film der britischen Komikergruppe Monty Python anspielt, in dem eine Reihe absurder Sketche mit diesem Satz eingeleitet werden. In der Installation „Reality is Out“ recken die Künstler in einem Video ein Schild mit der Aufschrift „Reality“ in die Höhe, bis es scheinbar durch die Decke des Monitors bricht und im Ausstellungsraum erscheint. Die kinetische Videoinstallation „The Box“ zeigt Nika Oblak und Primoz Nowak bei ihrem erfolglosen Versuch, aus einem abgeschlossenen Raum auszubrechen: Immer wenn sie mit Fäusten und Füßen gegen die Wände schlagen, beult sich der Bildschirmrahmen nach aussen, sodass man die Zwei am liebsten befreien möchte. Selbstironisch machen Oblak und Nowak aber auch ohne technisch aufwändige Installationen auf die Macht der Rahmungen aufmerksam: Eine Plakatwand mit der für das Duo werbenden Botschaft „Recommended by curators worldwide“ stand 2009 in einem abgeschiedenen, menschenleeren Wald in Nordwales und wirkte dort ganz anders als im langgestreckten Raum der Galerie, wo sie Teil der Ausstellung ist.

Die Ausstellung „And Now for Something Completely Different“  von Nika Oblak & Primoz Novak ist noch bis zum 25. Oktober in der Galerie im Körnerpark (Schierker Str. 8) zu sehen.

Im Begleitprogramm wird zu folgenden Veranstaltungen eingeladen:
– Samstag, 16. September, 18.30 Uhr:
Gespräch „Sisyphos, das Absurde und der Humor in der Kunst“:
Können wichtige Themen nur ernst verhandelt werden? Der Kurator Enrico Lunghi und die Künstlerin Lisa Mühleisen sprechen darüber, wie künstlerische Arbeiten die Absurdität des Alltäglichen unter die Lupe nehmen und stellen ihre Projekte zum Thema Kunst und Humor vor.
– Samstag, 16. September, 20 Uhr:
Konzert „Gitarrung des Endsommers“
Musikperformance von Cathérine Lorent in der Ausstellung

=Christian Kölling=