Ein Stück vom Sommer im Kulturstall in Britz

Seit nunmehr 11 Jahren schon gibt es ein professionelles Musikfestival auf dem ehemaligen Gutshof in Britz. Die Musikschule Paul Hindemith, 1927 als Musikschule Neukölln gegründet, brachte in diesem Jahr in Kooperation mit dem Werkstatt Musik Berlin e. V. die Oper „Die lustigen Weiber aus Windsor“ auf die Bühne des Kulturstalls.

Geläufiger als die Fassung des Komponisten Carl Ditters von Dittersdorf sind die Opernfassungen von Verdi und Nicolai. Aber gerade dies ist ein Kennzeichen des Festivals in Britz, hat es sich doch eben auf die Wiederentdeckung und Wiederaufführung von Werken spezialisiert, die heutzutage fast in Vergessenheit geraten sind. Bei diesem Werk machte sogar erst die Rekonstruktion des Ursprungsmaterial durch Georg Hermanns-dorfer, die mehrere Jahre dauerte, diese Aufführung möglich.

Um was geht es nun in dieser Oper, deren Original um das Jahr 1600 von William Shakespeare als Komödie geschrieben worden ist? Die Handlung ist so kompliziert nicht. Falstaff, ein Ritter in Geldnöten, schreibt zwei Liebesbriefe an reiche, verheiratete Damen um über sie an Geld zu kommen. Die zwei Damen tauschen sich hierüber aus und stellen fest, dass beide Briefe den gleichen Wortlaut haben. Darüber empört, beschließen sie Falstaff einen Denkzettel zu verpassen. In einer Nebenhandlung geht es dann noch darum, dass sich ein junges Liebespaar heiraten kann, was aber verhindert werden will. Selbstverständlich löst sich am Ende – wie sollte es bei einer Komödie auch anders sein – alles in Wohlgefallen auf.

Die Bühne für diese Komödie ist denkbar sparsam ausgestattet. Ein langer, breiter, grüner Steg, der zum Teil bis in den Zuschauerraum reicht, so dass ein kleiner Teil der Zuschauer direkt links und rechts an der Bühnenrampe sitzt, darauf ein Sessel und leere Flaschen. Aber das passt wunderbar zu dieser Opern-Inszenierung. Geht es doch hier um menschliche Verwicklungen, um Obsessionen, um Täuschungen. Die Kostüme wie auch das Bühnenbild von Pia Wessels sind originell und überraschend. Hätte man den Ritter Hans Falstaff im Netzunterhemd und mit langen Rastalocken erwartet?

Tye Maurcie Thomas spielt diesen listigen Ritter mit einer großen Bühnenpräsenz. Vom ersten Moment an, zieht er das Publikum mit seiner Bass-Stimme  in den Bann. In den Sprechpassagen, die vornehmlich dazu dienen den weiteren Handlungsfaden zu erklären, ist es eine Wohltat seine Stimme zu hören. Wie man überhaupt bei dem gesamten, noch jungen, Ensemble merkt, dass sie nicht nur stimmlich, sondern auch sprachlich sehr gut ausgebildet sind. Es wäre schön, wenn man diese sprachliche Klarheit auch in manchen Theateraufführungen in Berlin wiederfinden würde. Zudem beweisen sie auch in Britz, dass sie locker mehrere Figuren beherrschen: Katharina Ajyba ist eine Wucht in ihren Rollen, denn sie spielt und singt neben der Madam Ruthal auch den Liebhaber Warnek. Die Liebesszene mit Andreas Post, der ihre Geliebte Luise und den Part des Herrn Wallauf gibt, wirkt so inniglich, dass es dafür zurecht den ersten Szenenapplaus des Abends gab.

Nach der Pause – der erste Teil dauert etwas über eine Stunde – nimmt das Stück immer mehr Fahrt auf. Ob es unbedingt zuvor die Szene in englischer Sprache geben musste, geschenkt. Direkt nach der Pause beginnt der zweite Teil des Stücks mit dem Lied „New York, New York“, nur hier eben „Windsor, Windsor“ gesungen wird. Dafür gab es einen Riesenapplaus für Hans Piesbergen, der als Frau Klapper und Herr Ruthal auf der Bühne im Kulturstall agiert. Wunderbare Einfälle sind auch der Lametta-vorhang zum Ende des unter der Regie von Tatjana Rese entstandenen Stücks sowie die herrlichen Tiermasken, mit denen sich die Figuren verstecken.

Eigentlich braucht es nicht mehr eigens erwähnt zu werden, dass es für diese Inszenierung unter der musikalischen Leitung von Stefan R. Kelber und Mitwirkung des Gropius Chors reichlich Beifall vom Premierenpublikum gegeben hat.

Weitere Aufführungen von „Die lustigen Weiber aus Windsor“ im Kultur-stall Schloss Britz (Alt-Britz 81) heute und am 3. September um 16 Uhr sowie am 1. und 2. September um 19:30 Uhr. Eintritt: 18 Euro / ermäßigt 12 Euro, Kartentelefon: 030 – 90239 3344. Die Abendkasse öffnet eine Stunde vor Beginn der Vorstellung.

=Reinhold Steinle=

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