„Haus 104 – Die Stadt sind wir!“: Erstes Bestandsgebäude auf dem Tempelhofer Feld öffentlich zugänglich

Auf dem früheren Areal des Sportparks Neukölln – heute der östliche Teil des Tempelhofer Feldes – wurde von 1939 bis 1940 für die Luftwaffe ein eingeschossiger Mauerwerksbau mit annähernd quadratischem Grundriss errichtet. In erhaltenen Bauunterlagen des Archivs der Tempelhof Projekt GmbH wird das Gebäude „U-Adcock-Peilanlage Bauart Lorenz“ genannt. Die Anlage diente der Funkortung von Flugzeugen und wurde im Zweiten Weltkrieg auch zur Führung von Bombern und Jagd-flugzeugen genutzt. Der Bau, der im Krieg nicht zerstört wurde, gehört zu den rund 30 kleineren Bestands-bauten auf dem ehemaligen Flughafengelände und trägt bis heute die Bezeichnung Gebäude 104. Um das Jahr 1950 richtete die US Air Force hier und im gegenüberliegenden Gebäude 101 ihre Flugwetterwarte und Radiosondenstation („Receiver site“) ein. In den Jahren 1972 und 1984 wurde das Gebäude 104 auf der Nordostseite um zwei Gebäudeteile mit Mess- und Arbeitsräumen erweitert, so dass es seine lang gestreckte Rechteckform erhielt.

Am Montag vergangener Woche übergab die Grün Berlin GmbH, die im Auftrag der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klima-schutz bisher alle Bestands-bauten auf dem Tempelhofer Feld verwaltete, die Schlüssel des geschichtsträchtigen Gebäudes 104 an Evelyn Bodenmeier aus der Geschäftsstelle der Feldkoordination. Damit ist das erste Gebäude auf dem Tempelhofer Feld öffentlich zugänglich gemacht. In den Räumen können sich von nun an Gruppen in Selbstorgani-sation treffen. Am Sonnabend luden Vertreterinnen und Ver-treter der Feldkoordination zu einem Eröffnungspicknick mit Musik und Kinderprogramm ein, um die Übergabe des ersten Gebäudes zu feiern. Schon von weitem war am Zaun der ehemaligen Peilstation, die nicht weit vom Eingang Oder-/Herrfurthstraße liegt, das Motto der Woche zu lesen, in der mit der Schlüsselübergabe ein Zeichen für mehr Partizipation und Bürgerbeteiligung auf dem Tempelhofer Feld gesetzt wurde: „Haus 104 – Die Stadt sind wir!“. Auf dem begehbaren Dach des mittigen Erweiterungsbaus, der in den 1970er Jahren entstand und auch als Antennenplattform diente, wurden Sonnabendnachmittag drei bunte Fahnen mit Friedenstauben aufgezogen.

Um die Entwicklung des Tempelhofer Feld als öffentliche Grünfläche voran zu bringen, gibt es seit 2016 ein ordentliches Gremium. Es nennt sich Feldkoordination und besteht aus sieben gewählten Bürgern und vier gesetzten Teilnehmern aus Verwaltung und Grün Berlin GmbH. Die Arbeitsergebnisse der Feldkoordination sollen ein- bis zweimal im Jahr beim Feldforum öffentlich vorgestellt werden. Die Koordination läuft vorerst über Evelyn Bodenmeier. Zu den gewählten Feldkoordinatoren und Nachrückern gehören Elisabeth Meyer-Renschhausen vom Allmende-Kontor und Talu Tüntas von der Taschengeldfirma, die mit Initiativen wie z. B. dem Windrad prominent auf dem früheren Flugfeld vertreten sind.

„Wir wollen ein Gemeinschaftshaus sein, für alle die hier Projekte machen“, erklärte Tüntas. „Die gemeinnützige Nutzung ist wichtig.“ Langfristig wünsche er sich ein Geschichtshaus mit einem Café. Konkrete Ideen, wie die übrigen Bestandsgebäude, etwa das benachbarte Ballonhaus, genutzt werden können, habe er noch nicht, sagte Tüntas: “Selbst die Nutzung dieses Gebäudes ist noch ungewiss.“ Dass noch viel Arbeit investiert werden muss, bis das eingeschossige Gebäude 104 voll genutzt werden kann, sieht auch Elisabeth Meyer-Renschhausen: „Es gibt derzeit nur ein Not-WC und wir haben keine Küche.“ In absehbarer Zeit solle in den Räumen ein Büro für Helfer aus dem Bundesfreiwilligendienst – sogenannte Bufdis – sowie ehrenamtliche Unterstützerinnen und Unterstützer eingerichtet werden. Die Gärten des Allmende-Kontors seien eine international bekannte Ikone des Bürgerengagements und der Freiheit, die in vielen Reiseführern stehe. „Es ist unheimlich schwierig, wenn man nur Gärten hat und keine Räume“, sagte Meyer-Renschhausen. Derzeit sind die Räume des nicht unterkellerten Flachbaus fast leer. Es gibt weder Tische und Stühle noch Schränke oder Regale für Bücher. Wer mehr über die Nutzung des Gebäudes 104 wissen oder helfen möchte, kann sich per Mail an die Koordinatorin Evelyn Bodenmeier (bodenmeier[at]yahoo.de) wenden.

=Christian Kölling=