Neukölln feiert Vielfalt und Offenheit und setzt Zeichen gegen Ausgrenzung und Rassismus

Bis zur offiziellen Eröffnung des Festivals Offenes Neukölln waren es noch acht Stunden, da begann im Ortsteil Neubritz bereits die erste von rund 100 Veran-staltungen: Auf dem Kranoldplatz hatten die Mitglieder des Kranold-Weder-Netzes alles für ihr interkultu-relles Frühstück aufgebaut, das inzwischen traditionell einmal jährlich Anwohner zum so nahrhaften wie kommunikativen Miteinander in entspannter Atmosphäre einlädt.

Eigentlich war auch bei der offiziellen Eröffnung des Festivals vor dem Neuköllner Rathaus alles ganz entspannt: Idil Efe von der Bürgerstiftung Neukölln, die – so die Organisatoren – das Event „finanziell maßgeblich unterstützt hat“, die Bezirksbür-germeisterin sowie Claudia von Gélieu, eine Betroffene der rechtsextremen Anschlagsserie im Bezirk, standen harmonisch nebeneinander. Dr. Franziska Giffey hielt ein Bild mit ihrem Motto für die dreitägige Veranstaltung hoch: „Es ist nicht wichtig woher du kommst, sondern wer du sein willst.“

Dann sprach Gélieu und machte auf die Postkartenkampagne an das Berliner Abgeordnetenhaus aufmerksam, mit der Ermittlungserfolge gefordert werden. „Politisch könnte man gegen Rechtsextremismus mehr tun. Wir fühlen uns ziemlich allein gelassen“, warf Claudia von Gélieu der Bezirksbürgermeisterin vor. Lediglich ein Stadtrat, womit Jochen Biedermann gemeint war, habe sich persönlich an sie gewandt. Zudem kritisierte die Politikwissenschaftlerin vehement, dass eine Frau eine Anzeige erhalten habe, die „in Rudow Hakenkreuze unkenntlich gemacht“ hatte. „Warum entfernt das Ordnungsamt keine Hakenkreuze?“, erkundigte sich Gélieu (r.) bei Giffey.

Es sei „mit dem Entfernen von Schmierereien überfordert“, antwortete Giffey und fügte energisch hinzu: „Ich kann den Vorwurf nicht stehen lassen, dass das Bezirksamt nichts gegen Rechtsextre-mismus tut.“ Sie sei zum einen bei der Solidari-tätsveranstaltung für die Opfer der Brandanschläge in Rudow gewesen und habe schließlich auch die Schirmherrschaft des Offenes Neukölln-Festivals übernommen, betonte die Bezirks-bürgermeisterin, die zusicherte, in einem Gespräch mit dem zuständigen Rudower Polizeiabschnitt der Sache mit der Anzeige nachzugehen. „Ich würde mir auch eine bessere Aufklärungsquote wünschen, und dass die Täter zur Verantwortung gezogen werden“, so Giffey zur Postkarten-Kampagne. Aber: Das Bezirksamt sei schließlich nicht für die Arbeit der Berliner Polizei zuständig. Die Zahl der Anschläge in Neukölln würde erschrecken und „uns Sorgen bereiten“, hatte die Bezirkschefin bereits in ihrer Eröffnungsrede betont: „Es muss sichtbar werden, dass ganz viele Menschen dagegen aufstehen.“ Entsprechend zu begrüßen sei das Festival.

„Mit so vielen Anmeldungen haben wir nicht gerechnet“, sagte eine Sprecherin vom Bündnis Neukölln, das das Aktions-wochenende organisiert hat, um zwischen Landwehrkanal und Rudow Vielfalt und Offenheit zu feiern und deutliche Zeichen gegen Ausgrenzung und Rassismus zu setzen.

Das komplette Programm des Festivals Offenes Neukölln kann hier abgerufen werden; gedruckte Programmflyer liegen am Infostand am Rathaus sowie an den Festivalorten aus.

=Christian Kölling=

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