Wie nehmen Neuköllner ihren Bezirk wahr und wie wird er von anderen wahrgenommen?

Diese Selbst- und die Fremdwahrnehmung ist seit langem im Fokus der kommu-nalen Kulturarbeit. Der N+Fotowettbewerb, den die Bürgerstiftung Neukölln seit 2006 ausrichtet, trägt viel zu dieser Selbsterkun-dung bei, denn die zwölf besten eingesandten Bilder werden regelmäßig in einem Wandkalender veröffentlicht. In diesem Jahr lautete das Wett-bewerbs-Thema „Fokus Neukölln“, und ich gehörte für das FACETTEN-Magazin der Jury an, die am vergangenen Freitag die Sieger ehrte.

„Wo ist denn das? Das sieht ja aus wie am Meer!“, dieser Kommentar war häufig bei der Preisverleihung im Neuköllner Leuchtturm zu hören. Er galt dem Siegerfoto „Im Fokus: Nichts“ von Dagmar Gester. Es entstand im Februar 2017 hinter der Oderstraße auf dem Neuköllner Teil des Tempelhofer Feldes, als sich dichter Nebel auf das Wiesenmeer gelegt hatte.

„Die Auswahl der besten Foto ist uns nicht leicht gefallen. Wir hätten gerne mehr Preise verteilt“, erklärte eine Sprecherin der vierköpfigen Jury beim Rundgang durch die Ausstellung, in der die 105 Neukölln-Bilder von 37 Wettbewerbsteilnehmern gezeigt werden. Die Jury musste sich jedoch für die sechs besten Fotos entscheiden, für die Geldpreise von 300, 200 und 100 Euro sowie Sachpreise ausgelobt waren. Sechs weitere Fotos wählen Wettbewerbs-organisatorin Simone Wasner und die Bürgerstiftung unabhängig vom Juryentscheid für die Veröffent-lichung im Wandkalender aus.

Den zweiten Platz vergab die Jury für das Foto „Krähen kuscheln über den Dächern von Neukölln“ von Michael Anker, der ein langjähriger Wettbewerbsteilnehmer ist und im aktuellen N+Kalender eine Aufnahme aus dem Comenius-Garten zeigt. Auf Platz drei kam das Schwarzweiß-Foto „Begegnungen – Lenaustraße“ von W.A. Gerhardt. Straßen-szenen sind auch auf den Schnappschüssen von Ilona Förster, der Fünftplatzierten, und Thomas Lobewein, der auf Platz sechs landete, zu sehen. Der 4. Rang ging an Andrea Hartmanns Bild „Verzauberte Kirchgasse“, die in der Ad-

  

ventszeit im Böhmischen Dorf entstand. „Die Fotos des Wettbewerbs sind so vielfältig wie die Neuköllner“, kommentierte für den Vorstand der Bürgerstiftung Dr. Dorothea Kolland (r., neben Simone Wasner).

Mit dem Fotowettbewerb, so die frühere Leiterin des Neuköllner Kulturamts, habe sich eine großartige Tradition entwickelt. Gleichzeitig bedauerte Kolland aber, dass die Bilder zur Zeit nur nach telefonischer Anmeldung im Neuköllner Leuchtturm besichtigt werden können: „Wir haben im Augenblick niemanden, der die Aufsicht übernimmt.“

Für das kommende Jahr kündigte Kolland an, dass der Neukölln-Kalender grundlegend neu designt werde. „Mit zwölf der schönsten Bilder aus dem Wettbewerb gestaltet der Lette Verein unseren Fotokalender 2018“, versprach Kolland. Am bisherigen Aussehen entzündete sich immer wieder Kritik: Das grelle Orange des Kalenders würde die Bilder erschlagen und es gebe keinen Platz für Notizen, lauteten die am häufigsten vorgebrachten Aspekte. Die Originalität der monatlichen Sinnsprüche wurde ebenso oft angezweifelt. Das Kalenderblatt für den Januar 2017 zeigt beispielsweise das Foto einer Straßenmusikantin mit dem Konfuzius Zitat: „Wähle einen Job, den du liebst und du wirst nie wieder arbeiten müssen.“ In Neukölln – als Bezirk mit dem größten Jobcenter Europas verschrien, wo es viele arbeitende Arme gibt – eine vielleicht nicht wirklich originelle Gestaltungsidee.

Die „Fokus Neukölln“-Ausstellung wird noch bis zum 28. Juli im Neuköllner Leuchtturm (Emser Str. 117) gezeigt. Anmeldungen für eine Besichtigung müssen telefonisch unter 0152 – 04 70 50 93 vereinbart werden; am 22. und 23. Juli ist die Ausstellung von 14 bis 17 Uhr auch ohne Voranmeldung geöffnet.

=Christian Kölling=

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