Buckow mit anderen Augen sehen

Wie sich das märkische Angerdorf Buckow im Laufe der Jahrhunderte zum Ortsteil der Metropole Berlin ent-wickelte, beschreibt Hartmut Christians in seinem Buch „Alt-Buckower Geschichte(n) – Ein Ortsteil im Wandel der Zeit“.

Der Autor, der auf einem Hof im Dorfkern von Alt-Buckow aufwuchs und „seit 25 Jahren leidenschaftlich Heimatforschung betreibt“, verschafft mit seinem handlichen, 184 Seiten starken und reich bebilderten Buch dem „verträumten Dorf Buckow am Rande Berlins“ die nötige Aufmerksamkeit, die Buckow neben den anderen Neuköllner Dörfern Rixdorf, Britz und Rudow verdient.

„Ländlich und großstädtisch zugleich“, so zeichnet Christians das Image dieses Ortsteils, in dem die zweitälteste Kirche Berlins steht. Buckow habe weit mehr zu bieten als nur Kleingärten und Einfami-lienhäuser, Reihenhaussiedlungen oder Hochhäuser. „Wer sich einmal mit der Chronik des Dorfes beschäftigt, der wird die alten Bauernhäuser rund um den Dorfkern künftig mit anderen Augen sehen“, verspricht Christians, der zahlreiche Gespräche mit Buckowern führte sowie viele Fotos und Akten aus Privatarchiven sichtete. „Es werden Momente festgehalten und Überlieferungen dokumentiert, die meines Erachtens nicht in Verges-senheit geraten sollten“, konkretisiert er sein Ziel im Vorwort.

„Unschätzbaren Wert“ für seine Arbeit hat – wie Christians schreibt – der Aufsatz „Die Geschichte der alten Buckower Höfe“ des Buckower Pädagogen und Heimatforschers Ernst Arndt, der im August 1965 im Mitteilungsblatt des Neuköllner Heimatvereins erschien. Arndt protokollierte damals akribisch die Entstehung, Entwicklung und Veränderung Buckows von der ersten urkundlichen Erwähnung im Jahr 1375 bis zum Ende der 1950er Jahre. Hartmut Christians knüpft an diese Arbeit an und aktualisiert die Angaben entsprechend der Arndt‘schen Systematik für die Grundstücke entlang der Straße Alt-Buckow. Er zeigt dabei u. a. welche Auswirkungen der Bau der Gropiusstadt auf den eigentlichen Ortskern von Buckow hatte und wie die Zahl der Buckower Landwirte, von denen es Ende der 1950er Jahre noch 35 gab, in den folgenden Jahren rapide zurückging. Bei allem erhebt der Autor keinen Anspruch auf Vollständigkeit, denn das Ersetzen einiger Hofstellen durch Neubauten und der Wegzug bzw. das Aussterben früherer Buckower Familien machten eine lückenlose Darstellung schwierig.

Beginnend mit dem Grundstück Alt Buckow 25 – 37 gegenüber vom Dorfteich, wo der einstige Erbschulzenhof stand, erläutert Christians die Geschichte des alten Dorf-kerns. Der Klinkerbau im neogotischen Stil von 1893, in dem zuerst eine Schule untergebracht war, werden dabei ebenso besprochen, wie das 1880 erbaute Gebäude einer Gastwirtschaft, das seit 1965 unter Denkmalschutz steht, die Schmiede auf der Dorfaue und die Stammwirtschaft der Haewerers, der wohl ältesten Familie Buckows. Ergänzt wird die umfassende Darstellung durch eigene Kapitel über die Dorfkirche und den Buckower Dorfteich sowie den Buckower Damm und die Johannisthaler Chaussee.

Nicht zuletzt ist das Buch „Alt-Buckower Geschichte(n)“ auch für ältere Buckower als eine Ermunterung zu verstehen, ihrerseits Erinnerungen und Erlebnisse aufzu-frischen und an jüngere Menschen weiterzugeben.

Alle, die an Neuköllner Lokalgeschichte im Allgemeinen oder an der Geschichte des Ortsteils Buckow im Besonderen interessiert sind, sollten zumindest einen Blick in das Buch werfen, das im auf Regionalgeschichte spezialisierten L&H-Verlag erschienen ist. In der Planung ist auch eine Wanderausstellung zum Inhalt des Buches, kündigt Hartmut Christians (l.) an. Den Erlös aus dem Verkauf seines Werkes spendet er in vollem Umfang für einen wohltätigen Zweck: Er wird dem Kindergesundheitshaus e. V. für das Projekt „Hand in Hand“ im Vivantes Klinikum Neukölln zur Verfügung gestellt.

=Christian Kölling=

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