Kreislaufwirtschaft visionär und praktisch

Eine Stadt ohne Müll und Abfälle, wäre das nicht eine wünschenswerte Vision? Im CRCLR-Haus, einer Zweigstelle des Agora Collective auf dem ehemaligen Kindl-Gelände in Neukölln finden noch bis heute unter dem Titel „Zirkuläre Stadt – Mein Kiez erprobt die Kreislaufwirtschaft“ die 3. Open Source Circular Economy (OSCE) Days statt.

Die Schirmherrschaft der Nachhaltigkeitsmesse hat Bezirksbürgermeisterin Dr. Franziska Giffey (r.) übernommen. „Ob es eine Stadt ohne Müll wirklich geben wird, ist fraglich, aber sich darüber Gedanken zu machen, wie man besser mit dem Müll umgehen kann, ist auch für eine nachhaltige Stadtentwicklung eine wichtige Zukunftsfrage“, gab sie Freitag-vormittag bei der Eröffnung zu bedenken. Simon Lee, Co-Geschäftsführer von CRCLR, zeigte sich optimistischer: „Maker und Shaker aus Industrie, Forschung, Start-up-Welt und Kreativwirtschaft stecken ihre Köpfe zusammen, um gemeinsam Lösungen zu entwickeln, damit Berlin die erste kreislauffähige Stadt ohne Müll wird!“

Mit Entwicklung der industriellen Produktion sind enorme Müllprobleme entstanden, die die Natur so nicht kennt: Ein vom Baum fallendes Blatt ist kein Abfall, sondern Nährstoffquelle für andere Lebewesen. Diesen Gedanken greift die zirkuläre Wirtschaft auf und versucht, ihn auf die Produktion von Kleidern, Lebensmitteln, Möbeln und allen anderen Konsumgütern anzuwenden, sodass nach der Nutzung kein Müll mehr entsteht, sondern stets wiederverwertbare Materialien. Besonderer Schwerpunkt der 3. OSCE-Tage ist die Verknüpfung der beiden Schlüsselbegriffe Circular Economy und Open Source. Dabei wird der aus der Software-Entwicklung bekannte Begriff der Open Source auf alle erdenklichen materiellen Produkte wie Häuser, Möbel und Kleidungsstücke übertragen. Wie diese Ökonomie der Zukunft aussehen könnte wird in Vorträgen und Diskussionen erläutert sowie an Mitmach-Stationen und in Workshops erforscht.

Ein praktisches Beispiel gegen die Verschwendung von Lebensmitteln besichtigten Freitagnachmittag im Rollbergviertel Margit Gottstein (M.), Staatssekretärin für Verbraucherschutz und Antidiskriminierung und einige Kommunalpolitiker der Neuköllner Grünen, unter ihnen der BVV-Fraktionsvorsitzende Bernd Szczepanski (l.), bei ihrem Besuch des Restlos Glücklich e. V.: Im gleichnamigen Restaurant des Vereins in der Kienitzer Straße werden überschüssige Lebensmittel wie krummes Gemüse, falsch etikettierte Ware oder Fehllieferungen vor der Abfalltonne gerettet. All diese im Supermarkt nicht mehr zu verkaufenden, an sich aber einwandfreien Lebensmittel werden zu schmackhaften und gesunden Gerichten verarbeitet. Mit den Gewinnen aus dem Lokal fördere der Verein eigene Bildungsprojekte rund um einen bewussteren Umgang mit Lebensmitteln, wie Vorstandsmitglied Anette Keuchel (2. v. l.) erläuterte. Staatssekretärin Gottstein erinnerte daran, dass die rot-rot-grüne Berliner Regierungskoalition im Koalitionsvertrag fest-gelegt hat, gemeinsam mit Berlins Ernährungsrat eine zukunftsfähige, regionale Ernährungsstrategie zu entwickeln.

Nach Angaben der Welternährungsorganisation FAO werden in den reichen Industrienationen des globalen Nordens jährlich 222 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen, was annähernd der jährlichen Nahrungsmittel-produktion von 230 Millionen Tonnen in Afrika südlich der Sahara entspricht.

Im CRCLR-Haus (Rollbergstr. 26), wird heute, am Schlusstag der OSCE-Days, von 10 bis 22 Uhr dieses Programm geboten. Eintritt: 9 Euro/erm. 7 Euro; der Eintritt für Kinder, Berlin Pass-Inhaber und Nachbarn aus dem Postleitzahlbereich 12053 ist frei.

Das Restaurant Restlos Glücklich (Kienitzer Str. 22) hat von mittwochs bis sonnabends zwischen 17.45 und 22.30 Uhr geöffnet.

=Christian Kölling=

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