Ermutigung zum Perspektivwechsel

Die neueste Theaterproduktion des Jugendclubs Active Player Nk, das Stück „Die Matrix der Demokratie“ feierte am vergangenen Donnerstag Premiere im Studio des Heimathafens Neukölln. 21 junge Frauen und Männer zwischen 12 und 25 Jahren erkundeten auf der Bühne den Geheim-Code, die Matrix der Demokratie. In vielen aufeinander folgenden Szenen setzten sie sich spielerisch mit ganz grundlegenden Fragen auseinander: Was kann Demokratie? Wollen und können wir überhaupt Demokratie?

Miteinander streiten, sich versöhnen, Ausgeschlossene einbeziehen, Toleranz üben und Vielfalt akzeptieren – so sieht es aus, wenn Jugendliche und junge Erwachsene die Demokratie suchen, diskutieren und probieren. Aber: Das Vertrauen in diese Grundwerte eines demokratischen Miteinanders schwindet, seitdem der Populismus weltweit – wie in den USA – einen Erfolg nach dem nächsten verbuchen kann. Das macht die Aufführung im Heimathafen für alle aktuell, die unsere Demokratie bisher für so selbstverständlich gehalten haben wie die Luft zum Atmen.

Deshalb ist an dieser Produktion gerade auch das Konzept bemerkenswert, mit dem ACT e. V., ein gemeinnütziger und anerkannter Träger der freien Jugendhilfe, arbeitet. Es wurde von der Lehrerin, Autorin und Theaterpädagogin Maike Plath (l.) während ihrer Zeit an einer Neuköllner Hauptschule entwickelt. „Das deutsche Bildungssystem ist nicht zukunftsfähig. Die Schulen bilden in keiner Weise den Reichtum an Potenzialen ab, den die Kinder und Jugendlichen mitbringen. Gerade an sogenannten Brennpunktschulen wird die Überforderung aller Beteiligten deutlich“, lautet die im Begleitheft zur Aufführung formulierte Generalkritik des in Neukölln ansässigen Vereines.

„Führe Regie über dein Leben!“, fordert demgegenüber das Konzept des Vereins auf, um zum Perspektivwechsel und zur Selbstermächtigung zu ermutigen. Gemeinsam mit den Akteuren zwischen 8 und 26 Jahren entwickelt er seine Theaterproduktionen. Viele Akteure sind Geflüchtete, Kinder von Geflüchteten oder Zugewanderten aus den Bezirken Neukölln, Wedding und Lichtenberg. Im Schuljahr 2015/2016 wurden nach Angaben des Vereines, der sich zu einem großen Teil aus Spenden und Fördermitteln finanziert, insgesamt 435 junge Menschen erreicht. Im Schuljahr 2016/2017 werden über 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erwartet, für die die Projekte kostenfrei sind, damit alle Jugendlichen unabhängig von ihrer Herkunft erreicht werden können.

„Es ist Teil unserer Arbeit, die Jugendlichen nicht mit Labeln zu versehen, wie Migrant_in, Flüchtling, Kopftuchmädchen oder AfD-Wähler_in“ beschreibt der Verein, der mehrfach mit dem Qualitätssiegel „Werkstatt N“ des Rates für Nach-haltige Entwicklung ausgezeichnet wurde und Preisträger des Wettbewerbs „Aktiv für Demokratie und Toleranz“ ist, sein Selbstverständnis. Am Premierenabend begeisterte die ansteckende Spielfreude der Darstellerinnen und Darsteller, die ihre gut einstündige Aufführung mit dem Ohrwurm „Zusammen können wir die Welt verändern“ abschlossen.

Weitere Aufführungen von „Die Matrix der Demokratie“ vom 21. bis 24. so-wie 28. bis 30. Juni jeweils um 19.30 Uhr im Heimathafen Neukölln (Karl-Marx-Straße 141); Eintritt: 10 Euro/erm. 5 Euro, Vorverkauf: Tel. 030 – 56 82 13 40 oder per E-Mail an karten[at]heimathafen-neukoelln.de

=Christian Kölling=

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