Die Welt ist ein Dorf: Berlin Global Village in Neukölln eröffnet

20 Jahre hat es gedauert und drei Anläufe sind nötig gewesen, aber nun ist es soweit: Auf dem Kindl-Gelände im Rollbergviertel feierte am Mittwoch das Eine-Welt-Zentrum Berlin Global Village mit einem großen Eröffnungsfest die Einweihung seiner Eine-Welt-Etage.

Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) und Finanzsenator Dr. Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) wollen im kommenden Haushaltsentwurf, den der Berliner Senat dem Abgeordnetenhaus im November vorlegen wird, sogar 3 Millionen Euro für einmalige Investitionen und zusätzlich 200.000 Euro pro Jahr für konsumtive Ausgaben einstellen. Das teilte der Grünen-Politiker Georg Kössler bei einer Diskussion mit Frank Jahnke (SPD) und Harald Gindra (Die Linke), den beiden anderen entwicklungspolitischen Sprechern der rot-rot-grünen Koalitions-fraktionen, in der als Versammlungsraum genutzten historischen Braustube vor rund 100 Gästen dem Geschäftsführer des Global Village e. V., Armin Massing, mit.

Rund ein Viertel der Mitgliedsorganisationen des Netzwerkes haben mit ihren Büros die Eine-Welt-Etage von Berlin Global Village (BGV) bereits bezogen. Die Etage mit der Adresse Am Sudhaus 2 könnte zu einer Keimzelle für Berlins erstes Eine-Welt-Haus werden: Kieznah und von der Karl-Marx-Straße her ebenso gut wie aus der Hermannstraße zu erreichen, aber dennoch mit politischer Ausstrahlung weit über die Grenzen Berlins hinaus.

Dem 35 Mitglieder zählenden BGV-Netzwerk gehören Dachverbände und größere Nichtregierungsorgani-sationen ebenso an wie einzelne kleine Vereine, die alle ganz unterschiedlich arbeiten. DaMigra, Dachverband der Migrantinnenorga-nisationen, nimmt beispielsweise neben verbandspolitischer Arbeit auch Kontakte zu regionalen Flüchtlingsheimen wahr. Das Büro des Zivilen Friedensdienstes auf der gleichen Etage leistet dagegen keine aufsuchende Arbeit. Alle Organisationen verbindet jedoch, dass sie Themen bearbeiten, die für eine global gerechte Entwicklung relevant sind: Klima- und Ressourcengerechtigkeit, nachhaltige Ernährungssysteme, Arbeitsbedingungen in globalen Wertschöpfungsketten, globale Finanz- und Handels-politik, dekoloniale Erinnerungskultur und Antiras-sismus, globales Lernen und digitale Medien, kommunale Entwicklungszusammenarbeit. Auch Organisationen, die wie Power Shift zwar dem BGV-Netzwerk angehören, aber auf der Etage kein Büro haben, stellten beim Einweihungsfest an Ständen auf dem Kindl-Gelände ihre Arbeit vor.

Zur Eröffnung gratulierten Bezirksbürgermeisterin Dr. Franziska Giffey (r.) und Dr. Jürgen Varnhorn (l.), Abteilungsleiter in der Berliner Wirtschaftsverwaltung, dem BGV-Geschäftsführer Armin Massing (M.). Aus der Bezirksverordneten-versammlung waren Eugen Kontschieder (l.) und Wolfgang Hecht (beide SPD) sowie Dr. Karin Nadrowski und Dr. Christian Hoffmann (beide Grüne) gekommen, ebenso der Neuköllner SPD-Bundestags-abgeordnete Dr. Fritz Felgentreu (r.). Giffey teilte am Rande mit, dass die neue bezirkliche Koordinierungs-stelle für Entwicklungszusammenarbeit jetzt zur Stellenbesetzung ausgeschrie-ben sei. Die Stelle ist bei der neu geschaffenen Stabsstelle für Innovation und Integration angesiedelt, deren Tätigkeitsbereich Anfang des Jahres im BVV-Ausschuss für Integration vorgestellt wurde.

Um politische Rahmenbedingungen für das BGV ging es nachmittags bei der Diskussion „Wann, wenn nicht jetzt? Berlin wird Eine Welt Stadt“. Fünf Eine-Welt-Promotoren des Berliner Eine-Welt-Promotoren-Programmes befragten die entwicklungspolitischen Sprechern der Regierungsfraktionen des Abgeordnetenhauses zu globaler Gerechtigkeit, Migration und Flucht, Dekolonialisierung, Klimapolitik und Bildung. Während der Diskussion über die koloniale Vergangenheit Deutschlands kritisierten verschiedene Redner abermals, dass die Neuköllner Wissmannstraße noch nicht umbenannt worden ist.

Wichtige Unterstützer des Berlin Global Village sind der Berliner Entwicklungspolitische Ratschlag, in dem über 110 Nichtregierungsorganisationen zusammen-geschlossen sind, sowie die Stiftung Edith Maryon, deren Stiftungszweck die Förderung sozialer Wohn- und Arbeitsstätten ist. Das Berliner Eine-Welt-Zentrum ist Teil des Gesamtprojektes Vollgut, das sich auf dem ehemaligen Kindl-Areal angesiedelt hat. Gute Bedingungen also für die Etablierung des Eine-Welt-Hauses in Neukölln, das als „sozialer Raum und Ort des informellen Austauschs für die dort Arbeitenden ebenso wie für Besucher*innen“ konzipiert ist. Deutschlandweit gibt es bereits 30 Eine-Welt-Häuser.

=Christian Kölling=

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