Fatale Nebenwirkungen auch für Neuköllner Apotheken

Seit der Europäische Gerichtshof (EuGH) die in Deutschland geltende Preisbindung für verschreibungspflichtige Medikamente für EU-rechtswidrig erklärt hat, sind Sorgen um die Apotheken in der Nachbarschaft begründet. Die nämlich müssen sich an die Preise halten – Versandapotheken mit Sitz im Ausland aber dürfen auch deutschen Kunden Rabatte gewähren.

„Dass wir von Nord-Neukölln bis Rudow jederzeit und mit kompetenter Beratung Medikamente erhal-ten können, darf sich nicht ändern“, mahnt Christina Schwarzer, die ob des EuGH-Urteils ein Apotheken-sterben befürchtet. Deshalb hat sich die CDU-Bundestagsabgeordnete mit den Inhabern von 60 Neuköllner Apotheken in Verbindung gesetzt: „Neben einem Umsatzrückgang befürchten sie vor allem, dass die Krankenkassen künftig bewusst an Apotheken verwiesen, die Boni anbieten, da dann auch für sie die Kosten sinken könnten. Kleine Apotheken würden damit noch stärker unter Druck geraten.“

Ihres Erachtens, so Schwarzer, liege mit dem EU-Urteil eine Benachteiligung inländischer Apotheken vor. „Gegen diese ‚Inländerdiskriminierung‘ gibt es auf direktem Weg, also auf europäischer Ebene, kein Mittel. Wohl aber kann diese Schieflage durch nationale Gesetzgebung wieder ins Gleichgewicht gebracht werden.“ Sie begrüße daher, dass Bundesgesundheits-minister Hermann Gröhe (CDU) angekündigt hat, einen Weg finden zu wollen, um ortsnahe Apotheken im Interesse der Verbraucher zu erhalten. Er habe ein komplettes Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Arzneien prüfen lassen, was Teile der SPD jedoch kritisch sähen: „Derzeit liegt dieser Entwurf bei der Bundesregierung zur Beratung und Abstimmung und hat uns Parlamentarier noch nicht für entsprechende Beratungen erreicht.“

Sie wolle „im parlamentarischen Prozess darauf hinwirken, dass wir eine Lösung finden, die allen Verbrauchern – also den Kunden der Versandapotheken und denen, die sich um ein flächendeckendes Apothekennetz sorgen – gerecht wird und die Wettbewerbsnachteile der Vor-Ort-Apotheken wieder entkräftet“, avisiert Christina Schwarzer anlässlich des heutigen Tags der Apotheke.

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