Wandertag auf dem Mauerweg

Zum Tag des Wanderns hatten die beiden SPD-Bundestagsabgeordneten Dr. Fritz Felgentreu und Matthias Schmidt zu einer Mauerweg-Wanderung eingeladen. Sie startete am alten Grenzturm im Schlesischen Busch in Treptow und endete in Rudow am Neuköllner Mauerkreuz, das erst kürzlich an den Neudecker Weg versetzt wurde.

„Mit der Wanderung erinnern wir an die 28-jährige Trennung durch die Berliner Mauer. Wir werden 15 Kilometer zurücklegen und an einigen Baudenkmälern, Erinnerungsstätten und Mauerresten haltmachen“, erklärte Fritz Felgentreu zu Beginn der Tour, die organisatorisch vom Wanderverein 1. WV Stramme Wade e. V. unterstützt wurde. Harald Antrack, früher als DDR-Grenzpolizist an der Grenze am Flutgraben stationiert, erzählte am Wachtturm Schlesischer Busch von seinem Dienst. Günter Polauke (l.), von 1986 bis 1989 für die SED Stadtbezirksbürgermeister in Treptow, und Frank Bielka (r.), von 1989 bis 1991 SPD-Bezirksbürgermeister in Neukölln, stellten ihre historische Begegnung beim Mauerfall an der Massantebrücke nach und berichteten einiges über die bewegte Wendezeit.

Unterwegs wurde an der Strecke oft für Erklärungen haltgemacht. Rund um die Bouchéstraße im Norden Neuköllns spielten sich nach dem Mauerbau ähnlich dramatische Szenen wie in der Bernauer Straße ab. An der Heidelberger-/Elsenstraße war im Sommer 1962 ein Tunnel gegraben worden, durch den 55 Menschen von Ost nach West flüchteten. Etwa hundert Meter davon entfernt, vor dem Haus Heidelberger Straße 75, erinnerte Fritz Felgentreu (l.) an den Westberliner Fluchthelfer Heinz Jercha, der im März 1962 bei einer Tunnelflucht von einer Kugel tödlich getroffen wurde.

Matthias Schmidt wies in der Kief-holzstraße am Heidekampgraben auf das Mahnmal der Bildhauer Rüdiger Roehl und Jan Skuin hin, das an der Stelle aufgestellt wurde, wo 1966 der 10-jährige Jörg Hartmann und der 13-jährige Lothar Schleusener erschossen wurden. Die Gedenkstelle wurde 1999 in Erinnerung an die 15 Menschen errichtet, die im Bezirk Treptow an der Berliner Mauer ums Leben kamen.

Hinter dem ehemaligen Grenzübergang Sonnenallee im südlichen Abschnitt des Mauerwegs führte die Wanderung auch an der 1906 erbauten Späth-straßenbrücke vorbei. „Sie ist ein Stück unvollendete Einheit der Stadt“, kritisierte Felgentreu und richtete damit den Blick von der Vergangenheit in die Gegenwart. Die unter Denkmalschutz stehende, fast 50 Meter lange Stahl-Fachwerk-Brücke wurde 1992 instandgesetzt, allerdings im Jahr 2002 nach Eröffnung der rund 300 Meter entfernten Neuen Späthstraßenbrücke mit Stacheldraht und Gittern versperrt. „Die Brücke verband einmal die beiden Ortsteile Britz und Baumschulenweg über den Teltowkanal“, sagte der Bundestagsabgeordnete und stellte mit seinem Parlamentskollegen Schmidt sowie den Bezirksbürgermeistern Dr. Franziska Giffey und Oliver Igel (beide SPD) einen Plan zu ihrer Wiedereröffnung für den Fußgänger- und Fahrrad-verkehr vor.

Ein Plan, den auch Joachim Haag (r.), Geschäftsführer der Firma INHA auf der Neuköllner Seite des Teltowkanals, sowie Christa Emde von der Neuköllner Ortsgruppe des ADFC begrüßten. Bislang weigert sich das dem Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) unterstehende Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) jedoch, die Brücke zu öffnen. Der Vorschlag, dass der Berliner Senat und die Bundesbehörde einen Gestattungsvertrag abschließen, liegt seit zwei Jahren auf Eis. „Mit einem Gestattungsvertrag kann das WSA dem Land Berlin die Nutzung der Brücke erlauben“, erkärte Felgentreu. „Die Brücke könnte als Grünfläche ausge-wiesen und ein ‚Betreten auf eigene Gefahr‘-Schild aufgestellt werden. So wären Senat und Bezirk von einer Verkehrssicherheitspflicht befreit, im Winter müsste beispielsweise nicht gestreut werden.“

=Christian Kölling=

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