„Jeder, der in Neukölln neue Wohnungen baut, muss auch für Kita-Plätze sorgen!“

3.000 Kitaplätze fehlen in Neukölln und der Bedarfs-atlas der Senatsverwaltung für Jugend, Familie und Kinder prognostiziert mehr Kinder im Kita-Alter in allen 10 Regionen, in die der Bezirk unterteilt ist. Keine Platzreserven gibt es in sechs der bezirklichen Planungsbereichen. Nur im Gebiet Schillerpro-menade sind derzeit freie Kitaplätze vorhanden.

120 Plätze für Kinder von 1 bis 6 Jahren – davon 42 Plätze für Kinder unter drei Jahren – wurden jetzt für die Bezirksregion Köllnische Heide geschaffen. Aufgrund des hohen regionalen Bedarfes eröffnete die Juwo-Kita gGmbH im Januar am Michael-Bohnen-Ring 18 in der High-Deck-Siedlung auf 880 Quadratmetern eine zweigeschossige Kindertagesstätte. Sie verknüpft Kindertagesbetreuung mit Familienbildung und hat einen eigenen Garten sowie verschiedene Lern- und Erfahrungsräumen. Ein Elterncafé bietet Möglichkeiten zum Austausch und für die Familienbildung. Die Kita arbeitet mit dem Early-excellence-Ansatz, der die Stärken der Kinder in den Mittelpunkt stellen und die Eltern eng in das Kita-Leben einbeziehen soll. 46 Plätze der Stadtteil-Kita sind im laufenden Probebetrieb schon besetzt, 300 Kinder ste-hen auf der Warteliste.

Am vergangenen Diens-tag eröffnete die Einrichtung mit vielen prominenten Vertretern aus Politik und Verwaltung feierlich ihren regulären Betrieb. Die Neuköllner Bundestags-abgeordneten Christina Schwarzer (CDU) und Dr. Fritz Felgentreu (SPD) waren ebenso gekommen wie der SPD-Landesparlamentarier Joschka Langenbrinck (r.), der im Abgeordnetenhaus bereits eine Reihe von Anfragen zu Ausstattung, Qualität und Inanspruchnahme der Infrastruktur im Bildungs- und Erziehungsbereich gestellt hat. Aus der Landesverwaltung waren die Staatssekretärin für Jugend und Familie, Sigrid Klebba, sowie Sebastian Scheel (r.), der Staatssekretär für Wohnen, erschienen. Bezirksbürgermeisterin Dr. Franziska Giffey kam zusammen mit dem für Stadtentwicklung und Soziales zuständigen Bezirksstadtrat Jochen Biedermann. Auch der frühere Baustadtrat Thomas Blesing war bei der Eröffnung anwesend.

„Ich freue mich, dass alle Schwierig-keiten gemeistert sind“, erklärte Staatssekretärin Klebba (r.), auf den kürzlich entstandenen Wasserschaden verweisend, in ihrer Eröfnungsrede. „Die 120 Plätze der neuen Kita in der High-Deck-Siedlung werden dringend gebraucht. Das Konzept der JuWo Kita GmbH ist für den Standort in einem Quartiersmanagement-Gebiet beispiel-haft. Hier wurde viel Geld investiert, weil Einrichtungen wie diese von unschätzbarem Wert sind. Denn sie tragen dazu bei, dass auch Kinder, die unter vergleichsweise schwierigen Bedingungen aufwachsen, gute Bildungs-chancen haben.“ Mit dem Programm Bildung im Quartier (BiQ) stellte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen 1,25 Millionen Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) bereit. Das Bundes-ministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie trugen mit 500.000 Euro aus dem Investitionsprogramm für Kinder unter 3 Jahren und mit 480.000 Euro aus mit dem Kita-Ausbauprogramm zur Finanzierung bei. Der Träger, die Juwo-Kita gGmbH, beteiligte sich mit Eigenmitteln in Höhe von 10 Prozent der Gesamtkosten. Staatssekretär Scheel lobte das Projekt mit den Worten: „Es ist nicht nur eine Kita entstanden, sondern auch ein Ort für die Menschen, die hier leben. Das gute Zusammenspiel vieler Partner hat sich gelohnt.“

Sozialstadtrat Biedermann (l.) wies darauf hin, dass die Planung der Stadtteil-Kita in enger Abstimmung mit dem Quartiersmanagement High-Deck-Siedlung, dem Bezirk Neukölln sowie der Jugend- und Familienstiftung des Landes Berlin stattfand. Letztere erwarb das Grundstück und gab es per Erbpacht an die Juwo-Kita gGmbH weiter. „Wir haben in Neukölln schon danach gefragt, als kaum einer davon sprach, dass so viele Kita-Plätze fehlen“, sagte Biedermann. QM-Managerin Ines Müller und Stadtteilmütter-Koordinatorin Tülay Savas hatten immer wieder hartnäckig auf fehlende Kitaplätze aufmerksam gemacht.

Bezirksbürgermeisterin Dr. Franziska Giffey (r.), die zur Eröffnung symbolträchtig zwei große Kisten voller Bausteine mitgebracht hatte, erklärte: „In Neukölln brauchen wir dringend mehr Projekte wie die Stadtteil-Kita. In den nächsten drei Jahren müssen wir 3.000 Kitaplätze im Bezirk schaffen.“ Um die Bedarfsermittlung und Standortsicherung für soziale Infrastruktureinrichtungen im Bezirk Neukölln zu unterstützen, ist im Bezirksamt eigens eine AG Kita eingerichtet worden. „Jeder, der in Neukölln neue Wohnungen baut, muss auch für Kita-Plätze sorgen!“, forderte Giffey zudem.

Mehr Geburten , ein verstärkte Zuzug von Familien, sowie ein steigender Anteil der Kinder, die eine Kita besuchen, machen die Schaffung neuer Betreuungsplätze in Berlin ebenso erforderlich wie die Gewährleistungspflicht aufgrund des Rechtsanspruches auf einen Kitaplatz. Erst vor wenigen Tagen beriet der Deutsche Bundestag über den quantitativen und qualitativen Ausbau der Kindertagesbetreuung und beschloss mit den Stimmen aller Fraktionen, dass der Bund künftig auch Kita-Plätze für über dreijährige Kinder finanziert. „Die Kinder in den härtesten Kiezen, in den Brennpunktquartieren, die brauchen die besten Kitas und Schulen“, forderte der Neuköllner Wahlkreisabgeordnete Felgentreu im zweiten Teil der familienpolitischen Debatte bei seiner Rede im Bundestag.

Aber nicht nur die gute Ausstattung, das stimmige Konzept und die vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern und Kommunen sind unabdingbare Erfolgsvoraussetzungen. Susanne Cok-güngör (r.), Geschäftsführerin der Juwo-Kita gGmbH, dankte ausdrücklich ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihre Arbeit. Ein Vater, der Konditor ist, hatte als Dankeschön der Elternschaft eine Torte für das Kita-Team gebacken. Mehr Kitaplätze erfordern zusätzliche Erziehe-rinnen und Erzieher, bundesweit besteht aber ein hoher Fachkräftebedarf. Forderungen werden deshalb laut, den Erzieherberuf zum Mangelberuf zu erklären. Das würde zum Beispiel die Finanzierung der dreijährigen Ausbildung für Quereinsteiger durch die Regionaldirektionen der Bundesagentur für Arbeit ermöglichen. Eine bessere Bezahlung könnte die Abwanderung ausgebildeter Erzieherinnen verhindern und könnte der Beruf auf eine sogenannte Positivliste genommen werden, würde das die Einstellung auslän-discher Fachkräfte erleichtern.

Beim morgigen Tag der Städtebauförderung werden auch Besichtigungen der JuWo-Stadtteilkita High-Deck angeboten; eine Anmeldung ist erforder-lich.

=Christian Kölling=

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Eine Antwort

  1. Das verteuert den Wohnraum leider noch mehr.
    Die Mittelschicht blutet aus

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