Mehr als doppelt so lange und für Berlin fünfmal so teuer

Vor rund einem Jahr beendete der Untersuchungsausschuss des Berliner Abgeord-netenhauses zur Sanierung der Staatsoper seine Arbeit und legte einen Abschluss-bericht vor. Er stellte ausgiebig dar, warum der ursprünglich für 2013 geplante Eröffnungstermin der seit 2010 geschlossenen Oper am Boulevard Unter den Linden mehrmals verschoben wurde und wieso sich inzwischen die Sanierungskosten des Gebäudes auf geschätzt 400 Millionen Euro erhöht und somit fast verdoppelten. Ein grundsätz-licher Unmut der freien Szene über die Mittel-verteilung sowie ein tiefsitzendes Misstrauen der Steuerzahler gegenüber dem Bausumpf in Berlin bleiben bestehen. Folglich ist die Freude über die nunmehr für den Oktober terminierte Wiedereröffnung des Hauses etwas getrübt: Rund 200 statt 39 Millionen Euro wird das Land Berlin für seine Oper ausgeben müssen. Geld das andernorts – nicht nur in Neukölln – fehlen wird.

„Mitte September wird das Opernhaus von der Bauaufsicht abgenommen, dann wird die Oper anstelle der Senatsbauverwaltung wieder die Hausherrin“, verkündete Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Die Linke) am vergangenen Montag bei einer sehr gut besuchten Pressekonferenz. Ebenfalls waren Kultursenator Dr. Klaus Lederer (Die Linke), Senatsbaudirektorin Regula Lüscher sowie Staatsopernintendant Jürgen Flimm und sein künftiger Nachfolger Matthias Schulz gekommen.

Wir hoffen das alles nach Plan läuft. Auf der großen Probebühne fangen die Proben am 1. Juni an“, versprach Intendant Jürgen Flimm (r.). Bis zum Jahresende seien zwei Premieren vorgesehen, bis Mitte 2018 sollten sechs oder sieben weitere Uraufführungen folgen, gaben er und der designierte Staatsopernintendant Matthias Schulz bekannt. Genaueres wollten Flimm und Schulz aber noch nicht verraten: „Wir haben einen Spielplan und der ist sehr schön. Wir werden ihn Anfang Juni veröffentlichen“, wehrte Flimm bohrende Nachfragen der Journalisten ab. Nur soviel deutete er an: Auch der Apollo-Saal soll für Kammerkonzerte, Lesungen oder Liederabende genutzt werden.

Verbindlich steht im Fahrplan zur Wiedereröffnung der Staatsoper mit 1.368 Sitzplätzen bisher fest, dass es am 3. Oktober 2017 zum Tag der deutschen Einheit eine große Musiktheaterpremiere geben wird. Nach einem improvisierten Vorspiel mit einer zweiten Vorstellung und Konzerten wird das Haus ab 10. Oktober noch einmal für einige Wochen schließen. Am 7. Dezember 2017, zum 275. Jubiläum des Opernhauses, soll der reguläre Spielbetrieb jedoch endgültig aufgenommen werden.

Kultursenator Klaus Lederer, gleichzeitig Vorsitzender des Stiftungrates der Stiftung Oper in Berlin, äußerte doppelten Grund zur Freude: „Nicht nur, dass ich mich vom Fortschritt auf der wohl wichtigsten Kultur-Baustelle der Stadt überzeugen konnte – auch die Vorschau auf den 3. Oktober stimmt mich vorfreudig auf tolle Opernabende in der Staatsoper an ihrem historisch angestammten Platz“, sagte er nach dem Baustellenrundgang.

Ebenso bedeckt wie Opernintendant Flimm beim Spielplan antwortete Kultursenator Lederer allerdings auf eine Frage nach den künftigen Eintrittspreisen im sanierten Opernhaus. Die Kostensteigerung der Opernsanierung muss das Land Berlin alleine tragen. Der Bund sieht keinen Grund, die bereits zugesagten 200 Millionen Euro aufzustocken. Die Opernkarten kosten aktuell zwischen 14 und 260 Euro, für verschiedene Vorstellungen gibt es Preisermäßigungen von 50 Prozent. Inhaber eines Berlin-Passes können Restkarten unter .bestimmten Voraussetzungen bereits für 3 Euro kaufen. Ohne konkreter zu werden, versicherte Senator Klaus Lederer: „Wir werden die Kostensteigerungen bei der Sanierung nicht auf die Eintrittspreise der Oper umlegen.“

=Christian Kölling=

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