Klaus Feldmann – auch mit 80 noch ein starker Neuköllner

Schon als Jugendlicher hat Klaus Feldmann gemerkt, dass er von der Natur mit größeren Kräften als seine Freunde ausgestattet war. Doch erst 1999 und in einem Alter, in dem andere schon fast in Pension sind, hat er mit 63 Jahren mit dem Kraftsport angefangen, und es in seiner Alters- und Gewichtsklasse bis zum Welt-meistertitel in der Disziplin Bankdrücken gebracht. An das genaue Jahr dieser Weltmeisterschaft kann er sich, ob der Vielzahl seiner Titel, nicht mehr erinnern, doch es muss um das Jahr 2004 herum in Tschechien gewesen sein.

Geboren wurde Klaus Feldmann im Dezember 1936 in der ehemaligen Hebammenlehranstalt am Mariendorfer Weg in Neukölln. Der ersten Heimat in der Warthestraße folgte später der Umzug in die Leinestraße. Seit 15 Jahren lebt er nun aber bereits in der Gropiusstadt im Neuköllner Süden.

Schon mit 14 Jahren übte er sich im Ringen, probierte es dann mit Judo und Gewichtheben, um schließlich bis zum Einstieg in den Kraftsport mehr als 35 Jahre lang überhaupt keinen Sport zu treiben. Dabei hatte er doch eine Mutter, die in ihrer Freizeit Handball spielte, und seine vier Onkels, die Brüder seiner Mutter, die unter dem Namen „Die vier Bennos“ als Schleuderakrobaten arbeiteten. Nach dem 2. Weltkrieg traten sie im Zirkus Barley auf, „der dort stand, wo heute der Friedrichstadtpalast ist“, erzählt Feldmann. Da war er als 14-Jähriger, ob seiner Kraft schon einige Mal als Fänger mit dabei und schaffte auch einen dreifachen Salto.

Beruflich ging es dann aber doch auf eine andere Schiene. Klaus Feldmann machte eine Lehre als Betriebsschlosser bei der Reichsbahn und arbeitete dort noch einige Jahre nach der Lehre. Weil er auf dem Bau jedoch ein Mehrfaches verdienen konnte, fing er an, dort als Hucker zu arbeiten. „Ein Hucker“, erklärt er, „bringt das Material zum Arbeitsplatz der Maurer.“ Feldmann kletterte also mit einer Ladung Backsteine auf dem Rücken über Leitern an Baugerüsten empor. Eine Aufgabe, die längst von Maschinen übernommen wird.

Jahrzehntelang hat Feldmann dann im Gastronomiegewerbe gearbeitet – als Geschäftsführer verschiedener Berliner Clubs und bis 1966 auch als Chef von Feldmann’s Bierbar in der Nogatstraße. Drafi Deutscher, mit dem er gut befreundet gewesen ist, trat dort öfter kostenlos auf, erzählt er. Und bis 1977 hat er ein weiteres Lokal in Rudow betrieben. Prominente hat er in dieser Zeit auch zuhauf kennengelernt. Die Schauspielgrößen Karin Baal und Gunter Philipp fallen ihm spontan dazu ein. Horst Buchholz hatte er indes schon als Jugendlicher kennen gelernt, denn der kehrte oft – als noch nicht absehbar war, dass er einmal einer der bekanntesten deutschen Schauspieler werden sollte – in ein kleines Tanzlokal in der Schillerpromenade ein, das „Bei Bruno“ hieß. „Der Buchholz war eher ein unscheinbarer Typ“, erinnert sich Feldmann.

Weshalb er schließlich 1999 zum Kraftsport kam und dort geblieben ist? Zunächst wollte er nur seine Rückenprobleme mit kräftigenden Übungen bekämpfen. „Dabei geblieben bin ich auch aus Eitelkeit“, gibt er zu. „Denn wenn du mal eine Medaille gewonnen hast und tausend Leute in der Halle jubeln, dann willst du mehr.“ Und mehr hat er wahrlich geschafft. Bei Europameisterschaften belegte er, jeweils in seiner Alters- und Gewichtsklasse, verschiedene Plätze auf dem Siegerpodest. Wie oft er schon Deutscher Meister, Norddeutscher oder Berlin-Brandenburg Meister geworden ist, kann er selbst nicht mehr auf Anhieb sagen. 2002 wurde er jedenfalls vom Bezirk Neukölln mit einer Ehrenurkunde für seine sportlichen Leistungen gewürdigt.

Die Kraftsportarten erfordern ein besonders hohes Maß an Kraft und eine entsprechend entwickelte Muskulatur. Sicher gehört, wie beim Bodybuilding, der Aufbau und das Training von Muskeln und Muskelgruppen dazu. Doch kommt beim Kraftsport, so Feldmann, „das Eisen“ hinzu, wie das Heben und Stemmen von Gewichten genannt wird. In Abgrenzung zum Gewichtheben werden die Gewichte beim Kraftsport aber z. B. in liegender Position nach oben gedrückt oder in einer anderen Disziplin auch aus dem Stand bis zur Hüfte gehoben.

Klaus Feldmann schaffte 1999 beim ersten Training in seinem Verein, dem KTV Sparta 1896 e. V. in Britz, dem er bis heute die Treue hält, gleich 90 Kilogramm beim Bankdrücken. Seinen Rekord hat er mit 72 Jahren gehoben: satte 136 Kilogramm. Dieses Gewicht wird er wohl nicht mehr stemmen, doch hat Feldmann weiter vor, Rekorde in seiner Alters- und Gewichtsklasse zu brechen.

Es wäre toll, sagt er, wenn sich ein Sponsor finden würde, der ihn bei der Anschaffung von Ausrüstung wie Bandagen unterstützen würde. Und noch einen weiteren Wunsch hat der Sportler: Dass er einmal für eine Veranstaltung gebucht wird, bei der er seine Kraft zeigen kann. Klaus Feldmann ist nämlich überzeugt davon, dass er nach wie vor gewichtige Gegenstände heben kann, die man einem 80-Jährigen niemals zutrauen würde.

=Reinhold Steinle=

%d Bloggern gefällt das: