Maßnahmenpaket für die Gegend um den Bahnhof Neukölln

Viel Verständnis für den Einsatz eines Drogenkonsum-Mobils, aber auch zahlreiche kritische Fragen wegen der unübersehbaren Drogenprobleme am Bahnhof Neukölln waren Freitagabend bei der zweiten Anwohner-Informationsveranstaltung im Albrecht-Dürer-Gymnasium zu hören. Um die Anwohnerinnen und Anwohner über ein Modellprojekt zu informieren, bei dem voraussichtlich ab Juni bis Ende 2017 ein Drogenberatungs- und Konsummobil in der Karl-Marx-Straße an der Ecke Kirchhofstraße drei Tage in der Woche für jeweils vier Stunden eingerichtet wird, waren Bezirksbürgermeisterin Dr. Franziska Giffey (3. v. l.) und Gesundheitsstadtrat Falko Liecke (3. v. r.) in die Oberschule gekommen. Ebenfalls erschienen, um Rede und Antwort zu stehen, waren Manuela Mühlhausen (2. v. l.), Mitarbeiterin der Drogenbeauftragten bei der Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleich-stellung, Astrid Leicht (2. v. r) vom Fixpunkt e. V. sowie der Leiter des Polizeiabschnitts 55, Thomas Böttcher (r.).

„Sie können ganz normal am Drogenkonsum-Mobil vorbei-gehen, Sie werden wahrscheinlich nicht einmal merken, was darin passiert“, sagte Liecke den über 200 Anwohnern, die in die Aula der Schule in der Emser Straße gekommen waren. Die Belastungen der Mieter und der Passanten im Kiez, die von der Drogenszene am Bahnhof Neukölln ausgehen, werden eher kleiner als größer werden, sobald der mobile Druckraum am sogenannten Cafe Achteck an der Kirchhofstraße erst einmal stationiert ist, versicherten auch Manuela Mühlhausen und Astrid Leicht sowie Thomas Böttcher einhellig.

In dem mobilen Druckraum, der von außen wie ein gewöhnlicher weißlackierter Lieferwagen aussieht, können mitgebrachte Drogen wie Heroin, Kokain und Amphetamin unter medizinischer Aufsicht und hygienisch einwand-freien Bedingungen konsumiert werden. Bei Über-dosierung wird sofort lebensrettende Erste Hilfe geleistet. Zusätzlich wird eine medizinisch-pflegerische Beratung angeboten und zur Drogenhilfe vermittelt. In einem Campingmobil, das das Konsummobil stets begleitet, wird sozialarbeite-rische Beratung angeboten. „Ich bin sehr froh, dass Neukölln ein Maßnahmepaket geschnürt hat“, erklärte Astrid Leicht vom Fixpunkt e. V., der das Drogenkonsummobil und den Beratungsbus betreut.

Um Auskunft über die Kriminalitätsentwicklung am Bahnhof Neukölln zu bekommen, stellte der auf der Anwohnerver-sammlung anwesende SPD-Abgeordneten Joschka Langen-brinck kürzlich eine Schriftliche Anfrage im Landesparlament. In der vier Seiten umfassenden Antwort der Senatsverwaltung für Inneres wird die Entwicklung verschiedenster Delikte seit 2012 detailliert aufgeführt. Einen drastischen Anstieg gibt es bei Taschendiebstählen von 70 im Jahr 2012 auf 258 im Jahr 2016. Straftaten im Zusammenhang mit dem Betäubungsmittelgesetz verdop-pelten sich fast im genannten Zeitraum von 67 auf 129.

Langenbrinck fragte auch, ob eine Videoüberwachung im S-Bahnhof eingeführt sowie die Bahnhofseingänge, das Bahnhofsinnere und die Bahnunterführung in der Karl-Marx-Straße besser beleuchtet werden könnten. Initiativen zu einer Ausweitung der Videoüberwachung im S-Bahnhof Neukölln seien von der S-Bahn GmbH derzeit nicht vorgesehen. Defizite in der Beleuchtung des Bahnhofsgebäudes und der Bahnunterführung seien nicht bekannt, lautete die Antwort der Innenverwaltung. Wörtlich heißt es in Punkt 4 der Antwort auf die Schriftliche Anfrage: „Die Beleuchtung der S-Bahn-Unterführung Karl-Marx-Straße wurde 2008 erneuert. Beanstandungen zur Ausleuchtung der Bahnunterführung sind nicht bekannt.“ Mit Mitteln aus dem Programm Stadtumbau West sei eine Lichtinstallation zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität insbesondere in den Fußgänger-bereichen umgesetzt worden. „Dabei wurden zusätzlich zur öffentlichen Straßenbeleuchtung die Bereiche zwischen den Pfeilern der Brücke beleuchtet, hinzu kommen in der Brückendecke und im Boden eingelassene Strahler. Die Illumination wird durch das Bezirksamt Neukölln betrieben“, teilte Staatssekretär Torsten Akmann für die Innenverwaltung in seiner Antwort auf die Schriftliche Anfrage 18/10763 mit.

=Christian Kölling=

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