Hundertwassers magisch-phantasievolle Welt im Schloss Britz

Friedensreich Regentag Dunkelbunt Hundertwasser, der 1928 als Friedrich Stowasser geboren wurde, gehört zu den populärsten Künstler des 20. Jahr-hunderts. „Die gerade Linie ist eine vom Menschen gemachte Gefahr. Es gibt so viele Linien, aber nur eine von ihnen ist tödlich, und das ist die gerade Linie, die mit dem Lineal gezogen ist. Die gerade Linie ist dem Menschen, dem Leben, der gesamten Schöpfung wesensfremd“, lautet ein bekanntes Zitat des Künstlers, Philosophen und Ökologen.

Am Freitagabend eröffnete auf Schloss Britz die derzeit größte Verkaufsausstellung mit Werken des berühmten Österreichers, der sich selbst als Weltbürger verstand. Die Kulturstiftung Schloss Britz präsentiert für gut zwei Monate in Kooperation mit der Galerie Saal in der Ausstellung „Farbenspiele“ 57 Druckgrafiken und ein Gemälde von Friedensreich Hundert-wasser. Bezirksbürgermeisterin Dr. Franziska Giffey, Vorstand der Kulturstiftung, die Geschäftsführerin Sonja Kramer und Kurator Christian C. Schnell würdigten vor mehr als 200 Gästen während einer einstündigen Vernissage, die von einem Musikprogramm umrahmt war, dessen Arbeiten. „An einem Regentag beginnen die Farben zu leuchten. Deshalb ist ein trüber Tag, ein Regentag, für mich der schönste Tag“, hatte der Aktivist einst selbst zur Wahl seines Künstlernamens erklärt. „Mein Ziel war es immer, vielen Menschen Freude zu machen“, zitierte Sonja Kramer den Maler.

Bereits am Donnerstag hatte Kurator Schnell (r.) die Ausstellung bei einem Pressetermin vorgestellt: „Hundertwasser war der erste europäische Maler, dessen Werke von japanischen Meistern geschnitten und gedruckt wurden.“ Er habe auf den graphischen Blättern selbst ganz genaue Werkangaben gemacht, um die Technik und Entstehung der Auflage möglichst offenzulegen und beherrschte viele verschiedene graphische Techniken, wie Lithographie, Siebdruck, Radierung und Farbholzschnitt, virtuos. „Jede Graphik hat eine Werknummer, die integraler Bestandteil des Titels der Arbeit ist und immer angegeben werden muss“, erklärte der Kurator weiter. Viele Drucke, wie etwa „851A -Das Recht auf Träume“ sind von andere Arbeiten beeinflusst, was anhand der Erläuterungen, die in jedem Ausstellungsraum neben den Werken angebracht sind, gut nachverfolgt werden kann. Eine weitere Besonderheit der Ausstellung: In jedem Raum stehen Pflanzen, um die Naturverbundenheit der Arbeiten zu unterstreichen. „451 – Satte Sonne, Der halbe schmelzende Berg, ist das einzige Gemälde in dieser Ausstellung“, verriet Schnell weiter. „Wir sehen hier einen anderen Hundertwasser, der sich fast völlig von der Gegenständlichkeit löst und ins Abstrakte transformiert.“ Als Künstler, Philosoph und Umweltschützer der ersten Stunde bezog Friedensreich Hundertwasser häufig offensiv Stellung. Sein sieben Punkte umfassender „Friedens-vertrag mit der Natur“ ist in der Ausstellung dokumentiert, darin heißt es: „Wir sind nur Gast der Natur und müssen uns dementsprechend verhalten. Der Mensch ist der gefährlichste Schädling, der je die Erde verwüstet hat. Der Mensch muß sich selbst in seine ökologischen Schranken zurückweisen, damit die Erde sich regenerieren kann.“ Weitere programmatische Erklärungen Hundertwassers sind sein „Verschimme-lungsmanifest gegen den Rationalismus in der Architektur“ aus dem Jahr 1958 sowie das Manifest „Dein Fensterrecht, Deine Baumpflicht“, in dem er u. a. forderte: „Freie Natur muss überall dort wachsen, wo Schnee und Regen hinfallen; wo im Winter alles weiss ist muss im Sommer alles grün sein.“

Seine Vorstellung von menschengerechter Architektur wird in Werknummer „699A – Die Häuser hängen unter den Wiesen“ anschaulich. Konkret umgesetzt wurden die architektonischen Pläne, die das Organische und Unregelmäßige anstelle des genormten Rastersys-tems setzen, im Hundertwasser-Haus in Wien sowie in der Bärnbacher Pfarrkirche.

In der Ausstellung werden neben Einzelarbeiten aus vier Jahrzehnten die Sammelmappen „Look at It on a Rainy Day“ (1972) und „Nana Hyaku Mizu“ (1973) gezeigt. Bezirksbürgermeisterin Giffey und Geschäfts-führerin Kramer ermunterten die Ausstellungsbesucher bei der Vernissage zum Kauf der Grafiken: „Die Provision aus dem Verkauf der Drucke kommt der Arbeit der Kulturstiftung Schloss Britz zugute“, erklärten beide gemeinsam. Die Preise der Einzelwerke liegen zwischen 3.800 Euro für Werknummer „701 A – Kreisverkehr der Strassengekreuzigten“ und 14.800 Euro für Werknummer „696 A – Testament in Gelb“.

Aber auch mit kleinem Geldbeutel kann ein Besuch der Ausstellung viel Freude bringen. Für Schulklassen werden Sondertermine für eine Führung mit anschließendem Malprojekt angeboten. Die besten Bilder der Schülerinnen und Schüler sollen nach Abschluss der Hundertwasser-Ausstellung präsentiert werden. „Schon über 1.000 Kinder und Jugendliche haben sich für die Malprojekte angemeldet“, teilte Bezirksbürgermeisterin Giffey auf der Vernissage mit. „Meine Malerei ist, glaube ich, deshalb völlig anders, weil es eine vegetative Malerei ist“, schrieb Hundertwasser im Jahr 1975 und meinte damit, dass seine Bilder wie Pflanzen wachsen. Kinder und Jugendliche sind vielleicht deshalb von diesem Künstler und seiner magisch-fantasievollen Welt oft begeistert.

Die Hundertwasser-Ausstellung „Farbenspiele“ ist bis zum 23. Juli im Schloss Britz (Alt-Britz 73) zu sehen; Öffnungszeiten: Di. – So. 11 – 18 Uhr, Eintritt: 7 Euro / erm. 5 Euro (Kinder bis 12 Jahre frei). Informationen über die Sondertermine für Schulklassen mit Malprojekt telefonisch unter 030 – 60 97 92 30.
Begleitend zur Ausstellung wird ein 20-minütiger Film von Peter Schamoni gezeigt.

=Christian Kölling=

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