„KinderKünsteMobil!“: ein Stück Normalität im Leben von Flüchtlingskindern

148 Flüchtlingskinder aus sechs Berliner Notunter-künften haben seit Sommer letzten Jahres in verschiedensten Workshops gemalt, mit Ton gearbeitet, Theater gespielt, Musik gemacht, gefilmt, die Stadt erkundet und gemeinsam gekocht. Einige Ergebnisse ihrer Werkstattarbeiten, die von Künstlerinnen und Künstlern angeleitet wurden, sind jetzt bis zum 26. April in Neukölln im Schaufenster des ehemaligen C&A-Kaufhauses in der Karl-Marx-Straße gegen-über der Alten Post zu sehen. Mittwochmittag durchschnitten zur Eröffnung der Ausstellung „KinderKünsteMobil!“ zwei Mädchen vor dem Haus, in dem sich seit Weihnachten 2015 die Malteser Notunterkunft für Geflüchtete befindet, das symbolische weiße Band.

Im benachbarten KinderKünsteZentrum in der Gang-hoferstraße, das seit September letzten Jahres die Vorschulkinder der Neuköllner Notunterkunft kunst-pädagogisch betreut, hatte Schul- und Bildungsstadtrat Jan-Christopher Rämer (M., neben Raphael Dütemeyer) zuvor das Projekt und den Beitrag, den das von Karen Hoffmann (l.) geleiteten Zentrum dazu leistete, gewürdigt: „Die eigene kreative Betätigung bringt ein Stück Normalität in das Leben der Jüngsten, die unter der Erfahrung leiden, nicht mehr Kind sein zu dürfen oder nicht mehr Kind sein können.“ Die Konzentration auf Farben und Formen mache Alltagssorgen vergessen und biete gleichzeitig die Möglichkeit, um traumatische Erlebnisse zu verarbeiten. Die Projekte der Künstlerinnen und Künstler würden Erfahrungsräume öffnen, die den Kindern aus Syrien, dem Iran und Irak oder Afghanistan erlauben, einfach wieder Kind sein zu können, Späße zu machen, zu spielen und zu träumen.

Raphael Dütemeyer, Leiter der Einrichtung im ehemaligen C&A-Haus, betonte, dass sich die Not-übernachtung mit der Ausstellung im Schaufenster ein wenig mehr gegenüber der Umgebung geöffnet habe. „Man soll von draußen erkennen können, wer drinnen lebt“, sagte er. Das Leben in der Notunterkunft sei auf engstem Raum aber nicht einfach. In der Einrichtung müsse vorrangig die ohnehin nur bescheidene Privatsphäre der Geflüchteten respektiert und geschützt werden.

Dank der Kunstprojekte sind zwischen Flüchtlingen und Alteingessenen einige private Freundschaften und langfristige Kooperationen entstanden. Der Percussionist Hassan El-Hasan (r.), der seit gut einem Jahr in Berlin ist und vor dem Schaufenster des ehemaligen C&A-Gebäudes mit seiner Trommeleinlage die Zuschauer begeisterte, konnte im Klingenden Museum am Gesundbrunnen zahlreiche Kontakte knüpfen. Die Künstlerin Katharina Grantner lernte viele Eltern afghanischer Kinder kennen. Ein Vater half kräftig beim Bau eines Lastenrades mit, ein anderer Afghane übersetze den Begriff „Kinderkünstemobil“ auf einem Sprichband über dem Dreirad in Farsi, das leicht mit Persisch oder Arabisch zu verwechseln ist. Die Arbeit in den verschiedenen Workshops ist in zwei Video gut dokumentiert, die vor der Ausstellungseröffnung gezeigt wurden und auch auf der Webseite des KinderKünsteZentrums zu sehen sind.

Am 9. und 23. April bietet das KinderKünste-Zentrum um 16 Uhr eine Sonderführung zur Ausstellung an; Treffpunkt ist am KinderKünstezentrum (Ganghoferstr. 3).

=Christian Kölling=

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