Kiezladen Friedel 54 ist akut räumungsbedroht

„Wir sind der Aktivpunkt im Kiez“, sagt ein Mann aus dem Kiezladen in der Neuköllner Friedelstraße 54, dicht an der Kreuzung zur Weserstraße und nicht weit vom Hermannplatz. Ab 1. April muss der Laden hier leer sein, habe die neue Eigen-tümerin des Hauses, die Luxemburger Briefkasten-firma Pinehill S.a.r.l., jetzt aber gedroht, sonst gebe es Ärger. Die Nutzerinnen und Nutzer des sozialen Zentrums Friedel 54 werden derzeit geduldet, doch gerichtlich sei ihnen nun die Frist gesetzt worden, die Räume bis zum 31. März zu verlassen. „Wir sind akut räumungsbedroht, aber wir wollen den Kiezladen erhalten!“, erklärt der Aktivist. Seit Anfang März gibt es deshalb jeden Sonntag von 14 bis 16 Uhr mit Redebeiträgen und Musik eine Kund-gebung gegen Verdrängung, an der vergangenen Sonntag mehrere Dutzend Menschen teilnahmen.

„Ich kann von einer kleinen Erfolgsgeschichte berich-ten“, ermutigt ein Sprecher der Initiative GloReiche Nachbarschaft aus dem Kreuzberger Nachbarkiez die Anwesenden. Der Eigentümer des Hauses in der Reichenberger Straße, in dem die französische Bäckerei Filou akut von der Kündigung bedroht war, habe eine 180 Grad-Wende vollzogen. Zuvor hatten rund 350 Menschen an einer Kiezdemo für den Erhalt der Bäckerei Filou teilgenommen, die Bezirksverordnetenversammlung von Friedrichshain-Kreuzberg erklärte ihre Unterstützung für das Geschäft und der Grünen-Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele hatte kürzlich die Hauseigentümer und den Betreiber der Bäckerei zu einem Gespräch in sein Bundestagsbüro eingeladen. „Der Hausbesitzer hat seine Kündigung zurück-genommen. Die Bäckerei hat einen Mustermietvertrag mit sehr günstigen Konditionen erhalten. Für das Filou ist das wirklich eine großartige Sache“, berichtet der Sprecher der Initiative GloReiche Nachbarschaft. Zur Kundgebung hat er aus dem Filou Croissants und Gebäck mitgebracht, die gegen eine Spende abgegeben werden.

Anschließend führt Nils Grube (l.) vom Verein Kritische Geographie Berlin gut zwei Dutzend Menschen auf einem Spaziergang durch den Kiez, um die Auswirkungen der Touristifizierung darzustellen. Das Wort ist in Anlehnung an den Begriff Gentrifizierung entstanden. Die Tour startet an der Kindereinrichtung Kiosk am Reuterplatz, geht an den Häusern am Maybachufer 18-19 vorbei, in denen im vergangenen Jahr eine Ferienwohnung demonstrativ besetzt worden war und endete vor dem Filou an der Kreuzung Reichenberger Ecke Glogauer Straße.

=Christian Kölling=

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