Florierender Handel am S-Bahnhof Neukölln – und was dagegen unternommen wird

Die städtebauliche Situation am U- und S-Bahnhof Neukölln, wo die Ringbahn heute die Karl-Marx-Straße auf einer breiten Stahlbrücke überquert, ist noch nie einfach gewesen. Als 1871 der Bahnhof Rixdorf an der Ringbahn eröffnet wurde, gab es zunächst nur einen beschrankten Bahnübergang. Bald musste zur Überquerung der Bahnanlage bei geschlos-sener Schranke ein hölzernes Brückenbauwerk für Fußgänger gebaut werden, der sogenannte Galgen. Erst 1895 wurde mit dem Umbau des Bahnhofs Rixdorf das 60 Stufen zählende Monstrum durch eine Bahnbrücke ersetzt. Mit dem Bau der Berliner Mauer 1961 geriet der zentral gelegene Platz bis Herbst 1989 schlagartig an den Rand der Halbstadt West-Berlin, viele Geschäfte im Bahnhofsumfeld hatten starke Umsatzeinbußen oder mussten ganz schließen. Heute steigen zwar wieder rund 100.000 Menschen täglich am S- und U-Bahnhof Neukölln ein, aus und um, aber dennoch gibt es neue Probleme am Verkehrsknotenpunkt: Ganz offen werden illegale Drogen und unversteuerte Zigaretten verkauft.

„Rund um den S-Bahnhof gibt es seit Mitte 2016 zunehmend Beschwerden über den öffentlichen Handel und Konsum illegaler Drogen, unsach-gemäße Entsorgung von Spritzen und sonstige Verunreinigungen“, teilte Gesundheitsstadtrat Falko Liecke (CDU) kürzlich mit. Vergangenen Freitag gingen er, Bezirksbürgermeisterin Dr. Franziska Giffey (SPD) sowie der für Stadtentwicklung und Soziales zuständige Bezirksstadtrat Jochen Biedermann (Grüne) gemeinsam bei einem Pressetermin demonstrativ an die Öffentlichkeit. Sie wiesen einerseits einmal ganz grundsätzlich auf die Probleme im Kiez hin und machten andererseits auf die Angebote der seit 1. März ausgeweiteten Straßen-sozialarbeit des Fixpunkt am S-Bahnhof Neukölln aufmerksam. Sozialarbeiter des Fixpunkt Warthestraße, die auf die Gesundheitsberatung für Konsumenten illegaler Drogen spezialisiert sind, sprechen Drogenabhängige an und sammeln in kleinen gelben Eimern gefährliche, potenziell infektiöse Gegenstände – wie z. B. Spritzen-nadeln – ein. Nur schade, dass zum Ortstermin keine Vertreter der teils verärgerten und verunsicherten Anwohnerschaft gekommen waren.

=Christian Kölling=

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Eine Antwort

  1. Nur schade, dass zum Ortstermin keine Vertreter der teils verärgerten und verunsicherten Anwohnerschaft gekommen waren.

    Wussten die Anwohner überhaupt Bescheid über einen Ortstermin?

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