Künstlerische Ausdrücke japanischer Protestkultur

„Sorgen wir dafür, dass der tragische Unfall von Fukushima der letzte gewesen ist!“, appellerte Ruiko Muto, Repräsentantin der Gruppe Frauen von Fuku-shima gestern Mittag auf dem Berliner Gendar-menmarkt. „Wenn ein Atomkraftwerk einmal eine Katastrophe ver-ursacht, sind Erde, Meer, Berge und Wälder für mehrere hundert Jahre verstrahlt, und die Menschen werden ihrer Rechte als Menschen beraubt“, erklärte die Aktivistin vor rund 350 Gleichgesinnten beim Auftakt der Kazaguruma-Demonstration zum 6. Jahrestag der Katastrophe in Japan. Veran-stalter der Demonstration, die am Brandenburger Tor endete, waren Sayonara Nukes Berlin, Anti-Atom-Berlin sowie die NaturFreunde Berlin.

Im vergangenen Jahr hatten der Fotograf Tsukasa Yajima und der Jazzbassist Akira Ando in der Neuköllner Werkstatt der Kulturen gemeinsam mit anderen Künstlern bei der ganztägigen Veranstaltung „Fukushima the Aftermath“ an den Jahrestag des Unglücks erinnert. Diesmal waren als Ausdruck japanischer Protestkultur eine Kunst-Performance von Daichi Matsusaki und eine Aufführung des Bodypoeten Kazuma Glen Motomura zu sehen. Einige Parolen der Protestveranstaltung waren in japanischen Schriftzeichen geschrieben, die aus den Silbenschriften Hiragana und Katakana sowie den Kanji bestehen, die von den chinesischen Schriftzeichen abgeleitet sind. Auch eine dreisaitige Sanshin war zu hören.

Go-Lehrer Kalli Balduin, der in der Kreuzberger Martha-Gemeinde – unweit der Hobrechtbrücke – Unterricht für das japanische Brettspiel gibt, hatte ein Plakat mit dem bekannten Go-Problem „Die Treppe“ samt Lösung mitgebracht. „Die Falle, in der die weißen Steine sitzen, kann durch die Treppenbrecher rechts unten am Spielfeldrand überwunden werden“ , erklärte Balduin. Seine Go-Postings seien bisher erfolgreicher als sein Anti-Atom-Protest, beklagte der Go-Lehrer sich auf seiner Facebook-Seite. „Kazaguruma“, verriet Balduin schließlich, „werden Windräder auf Japanisch genannt“.

=Christian Kölling=

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