Science Slam: Forschung, die begeistert

tanja-roth_science-slam-tu-dresden„Ich rede gerne über ‚Abgeschwächte Total-reflexions-Infrarot-Spektroskopie‘“, verblüffte die Naturwissenschaftlerin Tanja Roth Freitagabend beim 2. Science Slam im Heimathafen Neukölln das Publikum. Um den Besuchern ihr Lieblings-thema näherzubringen, hatte sie die aus dem Kasperletheater bekannten Handpuppen Prinzes-sin und Krokodil mit auf die Bühne gebracht.

Das englische Wort Slam wurde erstmals 2004 in der Verbindung Poetry Slam im Duden erwähnt. Es bezeichnet einen auf der Bühne ausgetragenen Wettbewerb, bei dem die Zuschauer gleichzeitig die Jury sind. Der Science Slam, der aus dem Poetry Slam entwickelt wurde, ist ein Kurzvortragsturnier, bei dem Wissenschaftsthemen in wenigen Minuten anschaulich präsentiert werden müssen. Im Heimathafen hatte die Chemikerin, die sich sehr gut in der mikroskopisch kleinen Welt der Kohlenstoff- und Sauerstoff-Atome auskennt, ebenso wie ihre Wissenschaftskollegen zehn Minuten Zeit, um das fachunkundige Publikum felix-guenther_science-slam-wien-2015für ihr Forschungsthema zu begeistern.

Diskrete Mathematik wollte Felix Günther seinem Publikum erklären und berichtete über die praktischen Vorzüge winkeltreuer Abbildungen in der Geometrie. „Mathematics first“, forderte er selbstbewusst und spielte zugleich auf eine tagesaktuelle Parole aus den USA an. Drei seiner Slam-Kollegen hielten Kurzvorträge über das Allheilmittel Cannabis, das Suchtpotenzial wadim-wormsbecher_science-slam-ideen-expo-hannover-2016von Süßstoff sowie über Hintergründe der Obdoles-zens, wie der vorzeitige Verschleiß von Waren genannt wird.

„Wozu braucht man theoretische Physik?“, versuchte Wadim Wormsbecher, der sich mit Dualitäten beschäf-tigt, das Publikum zu provozieren. „Uns interessiert doch nur, ob das Bier billiger wird!“, antwortete er auf seine Frage selbst. „Mein Ziel ist die Weltformel: Ich will die Integration von Quantenphysik und Relativitätstheorie“, bekannte Wormsbecher ehrgeizig. Das Modell der Relativitätstheorie sei so schön wie die Miss World. Die Welt der Quantenphysik sei dagegen so hässlich wie Frankensteins Monster. „So sieht meine Tafel aus“, kommentierte er ein Foto, das ihn vor einer mit Formeln vollgekritzelten Kreidetafel zeigt. Im ganzen Universum gebe es ungeheuer viel dunkle Materie und dunkle Energie, nur 5 Prozent der Materie seien heimathafen neukölln_saalbau neuköllnheute erkennbar. „Was soll‘s?“, resümierte der Quantenphysiker: „Das Bier wird nicht billiger, teurer aber auch nicht!“ Der Saal jubelte, ganz in Wormsbechers Bann geschlagen, begeistert.

„Ist die Galerie auch da?“, feuerte Moderator Simon Hauser noch einmal für die Schlussabstimmmug im ausverkauften Heimat-hafen Neukölln das Publikum an. Die Slammer standen nebeneinander auf der Bühne und mussten nacheinander einzeln vortreten, um ihren Applaus entgegenzunehmen. Wadim Wormsbecher erhielt den lautesten Beifall, gefolgt von Tanja Roth und Felix Günther. Als symbolischen Ehrenpreis bekam er ein Paar goldene Boxhandschuhe überreicht.

=Christian Kölling=

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