„Unsere Erinnerungskultur ist keine Schande“

Einst war die Neuköllner Synagoge in der Isarstraße das religiöse und kulturelle Zentrum von mehr als 2.000 Rixdorfer Jüdinnen und Juden. Als jedoch die spd-gedenken-auschwitz_synagoge-neukoellnNationalsozialisten in ganz Deutschland am 9. No-vember 1938 gewalttätige Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung initiierten, bei denen Geschäfte und Wohnungen geplündert und zerstört wurden, war auch die Neuköllner Synagoge von diesem organisierten Pogrom betroffen.

Gestern, am 27. Januar, erinnerte die SPD Neukölln mit einer Gedenkfeier vor der ehemaligen Syna-goge an den 72. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz. „Jedes Jahr gibt es weniger Zeitzeugen, die der Nachwelt vom Gräuel der national-sozialistischen Verbrechen berichten können“, sagte die SPD-Kreisvorsitzende und Bezirksbürgermeisterin Dr. Franziska Giffey bei ihrer Rede auf der Erinnerungsfeier. Umso wichtiger sei es, die Erinnerung an Auschwitz und die damals in Neukölln lebenden Jüdinnen und Juden aufrechtzuerhalten. „Glücklicherweise gibt es heute wieder jüdisches Leben in Neukölln. Als SPD bemühen wir uns, dieses Leben zu fördern und ein harmonisches Miteinander aller Religion zu ermöglichen“, sagte Giffey. Sie wies auch auf die am vergangenen Mittwoch eröffnete Ausstellung „Stolpersteine in Neukölln. Erinnerungskultur von unten“ sowie die Rede von Prof. Dr. Andreas Nachama, Direktor der Stiftung Topografie des Terrors, hin: „Unsere Erin-nerungskultur ist keine Schande.“ Zugleich wandte sie sich damit gegen Äußerungen langer_spd-gedenken-auschwitz_synagoge-neukoellndes AfD-Politikers Björn Höcke, ohne ihn beim Namen zu nennen.

Auch der Neuköllner Armin Langer (l.), Autor des Buches „Ein Jude in Neukölln“ sprach neben Franziska Giffey auf der Gedenkveranstaltung. Er ist Nachfahre jüdischer Opfer des Nationalsozialismus und berichtete über die Erfahrungen seiner Großeltern. „Heute ist das jüdische Leben in Berlin ein Beweis dafür, dass in Deutschland etwas gut läuft und Hitler nicht gewonnen hat“, sagte Langer, der anschließend in die Synagoge am Kreuzberger Fraenkelufer fuhr, um dort zu beten und den Sabbat zu begehen.

Wie notwendig es ist, weiterhin an die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz ebenso wie an die Ermordung von über sechs Millionen Jüdinnen und Juden während der 12-jährigen nationalsozialistischen Diktatur zu erinnern, wurde bei der blumen_spd-gedenken-auschwitz_synagoge-neukoellnGedenkveranstaltung ebenso deutlich. Er habe heute die erste polizeiliche Anzeige seines Lebens wegen Holocaust-Leugnung und Volksverhetzung erstattet, musste Langer den Anwesenden berichten.

Die Veranstaltung, zu der die Vorwärts Liederfreunde Wider-standslieder spielten, endete mit einer Zeremonie, bei der einer jüdischen Grabsitte folgend kleine Steine neben der Tür der ehemaligen Synagoge niedergelegt wurden.

Die Ausstellung „Stolpersteine in Neukölln. Erinnerungskultur von unten“ ist noch bis zum 15. Februar in der 2. Etage des Neuköllner Rathauses zu sehen. Anschließend wird sie an vier weiteren Orten im Bezirk gezeigt.

=Christian Kölling=

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