Theoretisches und praktisches Rüstzeug für das Erlernen einer Sprache im Britzer Garten

Trotz Schneegestöbers trafen sich am vergangenen Sonntag ein Dutzend Frauen und Männer zwischen 30 und 65 Jahren zu einer botanischen Exkursion vor dem Karl-Foerster-Pavillon karl-foerster-pavilon_britzer-garten_neukoellnim Britzer Garten: Im Sommer sind Sträucher und Bäume vergleichsweise einfach an ihren Blättern zu erkennen; die Baum-kundlerin Beate Schönefeld vom Freilandlabor Britz e. V. führte an diesem nasskalten Nachmittag dagegen vor, wie auch im Winter unbelaubtes Gehölz treffsicher bestimmt werden kann. „Jedes Bestimmungsbuch ist anders aufgebaut“, erklärte die Naturführerin, die ihren Rundgang mit ein wenig botanischer Theorie begann. „Sie müssen zumindest einige grundlegende Begriffe kennen, um sich in der Literatur zurechtzufinden“, riet Schönefeld (l.) den Teilnehmern. Wichtige Bestim-mungsmerkmale schoenefeld_exkursion-baumbestimmung_freilandlabor-britz_britzer-garten_neukoellnsind Knospen, Borke und der Kronen-aufbau. Am sichersten ist die Bestimmung im Winter anhand der Blatt- und Blütenknospen. „Sind sie gegenüberliegend oder wechselständig angeordnet? Treten sie einzeln oder gehäuft auf? Sind die Knospen rund oder spitz, welche Farbe haben sie und sind die Knospen schuppig oder glatt?“ Das exkursion-baumbestimmung_freilandlabor-britz_britzer-garten_neukoellnsind wichtige Fragen, um einen Baum oder Strauch zu identifizieren.

„In Mitteleuropa gibt es nur relativ wenig Gehölze“, beruhigte Beate Schönefeld ihre Zuhörer, die wegen der vielen Fachbegriffe schon etwas unruhig wurden. In Parkanlagen wie dem Britzer Garten stünden aber viele Ziergehölze sowie Bäume und Sträucher aus Nordamerika und den kälteren Gebieten Asiens. Nur selten gibt eine Tafel Auskunft über die Pflanze. „Nimmt man baumbeschilderung_exkursion-baumbestimmung_freilandlabor-britz_britzer-garten_neukoellnein großes und teures Buch mit, um Bäume zu bestimmen, muss man viel tragen. In einer kleineren Ausgabe ist der gesuchte Baum aber vielleicht nicht verzeichnet“, schilderte sie das Dilemma der Praxis und folgerte: „Baumbestimmung ist wie eine Sprache lernen!“

Während der anderthalbstündigen Exkursion erhielten die Besucher aber das grundlegende Rüstzeug dieser Sprache vermittelt: Eichen sind an ihrer rissigen Rinde zu erkennen, Weiden, die oft an Gewässern stehen, an ihrer charakteristischen Wuchsform. Allerdings seien Weiden manchmal mit Pappeln weide_exkursion-baumbestimmung_freilandlabor-britz_britzer-garten_neukoellnzu verwechseln, und ob eine Eiche aus Europa oder Nordamerika kommt, ist ebenfalls nicht ohne weiteres zu entscheiden. Narrensicher ist nur die Bestimmung der Birke, die an ihrer weißen Borke schon von weitem zu erkennen ist. Um welches Exemplar aus der großen Pflanzenfamilie der Birken es sich jedoch handelt, ist nicht immer so einfach zu entscheiden. „Da muss ich dann auch noch einmal nachschlagen“, räumte die Baumführerin unumwunden ein. Auch einen einfachen Trick aus der Praxis verriet Beate Schönefeld: Oft seien welke Blätter und Früchte aus dem Sommer nämlich noch am Boden oder in den Zweigen zu finden. „Sie müssen jedoch achtgeben, dass sie nicht der Wind von einem Nachbarbaum rübergeweht hat“, warnte die Baumkundlerin. „Die glatten Blattränder einer Rotbuche sind aber rotbuche_hainbuche_exkursion-baumbestimmung_freilandlabor-britz_britzer-garten_neukoellneinfach von den gezackten Blättern einer Hainbuche zu unterschieden.“

Naturerleben und Umweltschutz gehören für Dr. Ursula Müller, Leiterin des Freilandlabor Britz, ganz eng zusammen. Sie will ihren Angeboten der Umweltbildung grundsätzlich mehr Verantwortungs-bewusstsein für das Wohnumfeld fördern. „Wir möchten die Menschen darauf aufmerksam machen, dass sie behutsam mit ihrer Umwelt umgehen“, sagte Müller nach dem Rundgang. Zur Imageförderung im Sonnencenter und in der Weißen Siedlung sind bereits mehrere Projekte über das dortige Quartiersmanagement gefördert worden: So kartographierte 2012 zusammen mit ihrer Einrichtung die Gruppe „Naturforscher 40 Plus“ die Bäume in der High-Deck-Siedlung zwischen Michael-Bohnen-Ring und Fritzi-Massary-Straße: 36 Laub- und Nadelgehölze weist die weiterhin im Internet erhältliche Karte aus. Auch die Bäume im Britzer Garten sind in einem zweibändigen Loseblattwerk aufgeführt, das an den Eingängen des Parks erhältlich ist.

Am 22. Januar um 10 Uhr bietet das Freilandlabor Britz die Führung „Wintergäste und Standvögel“ an, bei der Bernd Steinbrecher mit den Teilnehmern im Britzer Garten auf die Suche nach den gefederten Gästen geht (Entgelt: 3 Euro/erm. 2, Treffpunkt: Parkeingang Buckower Damm).
Der nächste „Gehölze im Winter bestimmen“-Rundgang mit Beate Schöne-feld findet am 12. Februar um 14 Uhr statt (Entgelt: 3 Euro/erm. 2, Treffpunkt: Karl-Foerster-Pavillon).

=Christian Kölling=

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