Vorzeigbare Erfolge in der Vor-Silvester-Zeit im Rollbergkiez

karte2„Früher ging es mit der Knallerei bei uns immer schon im Oktober los“, berichtet Norma Prange vom Quartiers-management im Rollbergviertel. Besonders schlimm seien die La Bomba-Kracher, fügt eine Mitarbeiterin hinzu: „Da bebt die Erde richtig und die Scheiben wackeln.“ Inzwischen ist es im Rollbergkiez etwas ruhiger geworden. Beschwerden der Anwohner und eine Initiative des Quartiersrates im Rollbergviertel führten dazu, dass 2014 im Rahmen des Programmes Soziale Stadt das Projekt „Ich bin der Knaller – aber sicher“ gestartet wurde.

Seit November wird das Projekt nun zum dritten Mal im Kinder- und Jugendzentrum Lessinghöhe in Zusammenarbeit mit vielen Partnern wieder durchgeführt. Die Situation habe sich im Vergleich zu 2014 eindeutig entspannt. Die Belästigungen und Gefährdungen im Rollbergviertel seien spürbar weniger und das Sicherheitsempfinden gestiegen, erklären die Mitarbeiterinnen im QM-Büro. „Es passiert etwas, wenn die Bewohner es wollen und cicek_praeventionsprojekt-silvesterknaller_neukoellnihre Bedürfnisse formulieren“, resümiert Prange.

Projektleiter Circis Cicek zieht nach drei Jahren ebenso eine positive Bilanz: „Das Ballern in der Vor-Silvester-Zeit ist deutlich zurückgegangen. Das bestätigt man uns auch im Haus des Älteren Bürgers und im Madonna-Mädchentreff“, sagt er. In dem Projekt geht es vor allem um Aufklärung für Kinder und Jugendliche. „Die Jungs sind wild und ausgelassen. Die sind nicht in Kriegs-situationen gewesen“, antwortet Cicek auf die Frage, warum in Nord-Neukölln immer noch verhältnismäßig viel geböllert wird, obwohl im Stadtteil auch Kriegsflüchtlingen wohnen. Cicek setzt mit seinem Projekt „Ich bin der Knaller – aber sicher“ weniger auf den erhobenen Zeigefinger als vielmehr auf Information.

„In Deutschland dürfen nur Feuerwerkskörper mit dem Prüfsiegel BAM der Bundesanstalt für Materialforschung und Materialprüfung oder dem CE-Siegel verwendet werden“, erklärt der Projektleiter. Das Zulassungszeichen befinde sich auf der Verpackung oder dem Feuerwerkskörper selbst. Die Einfuhr von Feuerwerks-körpern ohne Zulassungszeichen ist nach dem Sprengstoffgesetz verboten. „Da kann es richtig Ärger mit der Polizei geben“, warnt Cicek. Zudem seien die sogenannten Polenböller brandgefährlich. Mit Schaumstoff und Mullbinde hat er zwei Hände nachgebaut und auf Holzstielen aufgepflanzt, um die Sprengkraft eines zertifizierten Böllers mir der eines illegalen Polenböllers zu vergleichen. Explodiert versehentlich der größte in Deutschland zugelassene Kanonenschlag in einer Hand, werden mehrere Finger abgerissen, ein Pollenböller zerfetzt dagegen die ganze Hand. Im vergangenen Jahr war Cicek mit einer Jugendgruppe bei der Bundesanstalt für Materialforschung karte1_praeventionsprojekt-silvesterknaller_neukoellnzu Besuch, damit die Jugendlichen sich deren Arbeit selbst ansehen konnten.

Auch die Zulassung mit dem Prüfsiegel BAM oder dem CE-Siegel bedeutet allerdings nicht, dass die Feuerwerkskörper ungefährlich sind. Deshalb sind sogenannte Peer-Helper im Kiez unterwegs, die während der Projektlaufzeit selbst sensibilisiert und ausgebildet wurden, um Gleichaltrige anzusprechen und auf die Gefahren der unkontrollierten Knallerei hinzuweisen. Zudem wurden für die Regenbogen-Grundschule und die Zuckmayer-Schule seit Anfang November wieder unterschied-liche Präventions- und Aufklärungsveranstaltungen im KiJuZ Lessinghöhe angeboten. Dazu gehören Erste-Hilfe-Kurse vom DRK sowie Aufklärungskurse der Feuerwehr über die Gefahren sowie den praktischen Umgang mit Feuerwerkskörpern.

Trotz vorzeigbarer Erfolge im Rollbergviertel bleibt die Silvesterböllerei weiterhin ein Problem. „Wir sind Silvester nicht da“, antworten viele genervt auf die Frage, was sie zum Jahreswechsel in Berlin machen – und das nicht nur in Neukölln.

Eine Vorführung der Feuerwehr findet am 27. Dezember ab 16 Uhr im Kinder- und Jugendzentrum Lessinghöhe (Mittelweg 30) statt. Am 30. De-zember wird von 16 bis 18 Uhr der komplette Abschlussbericht des dreijährigen Projektes im KiJuZ Lessinghöhe präsentiert. Die interessierte Öffentlichkeit ist herzlich eingeladen.

=Christian Kölling=

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